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Filmkritik The Mule – der neue Film von Clint Eastwood

Von Rüdiger Suchsland

Clint Eastwood, mittlerweile 88 Jahre alt, ist Hauptdarsteller und Regisseur seines neuesten Films „The Mule“. Er spielt darin einen abgetakelten Orchideenfarmer, der für ein mexikanisches Kartell Drogen über die Grenze schmuggelt. Wieder einmal inszeniert sich Clint Eastwood hier als alter, reaktionären Rechthaber, kritisiert aber mit dem Film zugleich Trumps Mauerpläne.

Lasst den Alten nicht rein

"Don't Let The Old Man In", "Lasst den Alten nicht rein" erklingt im Soundtrack von "The Mule". Das ist ein cleverer Schachzug des fast 90-jährigen Clint Eastwood, Hauptdarsteller und Regisseur in Personalunion. Er spricht offensiv selbst an, woran sowieso jeder Zuschauer als erstes denkt: Sein hohes Alter.

Unauffälliger alter Mann

Eastwood spielt einen Mann namens Earl Stone, der pleite ist, seine Firma ebenso gegen die Wand gefahren hat, wie seine Familie, und der als Drogenkurier bei einer mexikanischen Gang anheuert. Aber warum sollte eine Mörderbande aus tätowierten Muskelpaketen ausgerechnet einen über 80-jährigen für millionenschwere kriminelle Transporte einsetzen? Schon klar: Weil der vermutlich wenig Verdacht erregt.

Lebenslänglich unterschätzt

Nur scheinbar begreift der alte Herr am Anfang nicht sofort, dass es sich dabei um einen hochkriminellen Job handelt. Tatsächlich versteht man als Zuschauer von Minute zu Minute besser, dass dieser Earl ein geschickter Manipulator ist, der sein Leben lang davon profitiert hat, dass man ihn unterschätzt.

1/1

Kinostart 31.01.

"The Mule" von Clint Eastwood

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Nach 10 Jahren zum erstmal wieder Hauptdarsteller und Regisseur in einer Person: Clint Eastwood spielt Earl Stone , einen 90jährigen Veteranen des Zweiten Weltkriegs.

Nach 10 Jahren zum erstmal wieder Hauptdarsteller und Regisseur in einer Person: Clint Eastwood spielt Earl Stone , einen 90jährigen Veteranen des Zweiten Weltkriegs.

Nach seiner Karriere beim Militär hat er sich auf eine Tätigkeit im Gartenbau konzentriert, wo er als Experte gilt.

Weil Stone aber hochverschuldet ist, schmuggelt er für ein mexikanisches Kartell regelmäßig Drogen über die Grenze.

Da er als betagter Mann für die Grenzpolizisten einen harmlosen Eindruck macht, steigt er schnell in der Gunst des Kartells.

Bald schon bekommt er einen Aufpasser zur Seite gestellt.

Bei der nervenaufreibenden Arbeit für das Drogenkartell vernachlässigt Stone seine Familie immer mehr.

Als Stone plötzlich die Aufmerksamkeit des DEA Agenten Colin Bates (Bradley Cooper) auf sich zieht, ist es für ihn an der Zeit, mit seiner Vergangenheit reinen Tisch zu machen.

Konventionelle Kriminalgeschichte 

Die Kriminalgeschichte ist konventionell erzählt: Erst die Phase des leicht verdienten Geldes, dann die Spannung, die Rivalität der Drogenkartelle nimmt zu, und die Polizei zieht ein immer dichteres Netz um Earl.

Höchst aktueller Stoff aus dem Grenzland zu Mexiko 

Eastwood und sein Drehbuchautor Nick Schenk interessieren sich aber für andere Dinge: Die Story ist fast ein Vorwand, um ausgiebig von der Landschaft zu erzählen und von den gesellschaftspolitischen Verhältnissen. Die Landschaft ist das "Border-County", das kulturell hispanisch geprägte Grenzland zu Mexiko im Südwesten der USA.

Weil er als betagter Mann für die Grenzpolizisten einen harmlosen Eindruck macht, steigt er schnell in der Gunst des Kartells.

Clint Eastwood inszeniert sich selbst gerne als reaktionären Rechthaber, bezieht aber mit "The Mule" Stellung zu Präsident Trumps Mauerplänen.

Filmisches Statement gegen Trumps Mauer-Pläne

Es geht um die Debatten über legale wie illegale Einwanderung, um Ausbeutung der Mexikaner als billige Arbeitskräfte und um den lukrativen Drogenhandel zwischen beiden Ländern.

Dass all diese Fragen mit den aktuellen Trumps Mauer-Plänen des Präsident Trump nicht gelöst werden können, beweist schon die Tatsache, dass Earl, der erfolgreiche Drogenkurier, ja ein US-Amerikaner ist, der ohne Probleme legal über die Grenze hin und herfährt.

Störrisch wie ein Maultier 

Auch der Titel ist doppelsinnig gemeint: "Mule", das ist natürlich das Maultier, das im Südwesten Amerikas schon vor Jahrhunderten große Lasten verlässlich von A nach B transportierte. In der Sprache der Drogengangs ist es der Drogenkurier. "Mule" bedeutet aber auch störrisch bis starrsinnig, wie man es nicht nur Maultieren nachsagt.

Als Stone jedoch die Aufmerksamkeit des DEA Agenten Colin Bates (Bradley Cooper) auf sich zieht, ist es für ihn an der Zeit, mit seiner Vergangenheit reinen Tisch zu machen.

Earl Stone (Clint Eastwood)

Eastwood gibt gerne den reaktionären Rechthaber

Das passt gut zu dieser Figur. Denn auch fast 50 Jahre nach "Dirty Harry" gibt Eastwood immer noch am liebsten den aus der Zeit gefallenen reaktionären Rechthaber, der es am Ende den Jungen, die seine Kinder oder Enkel sein könnten, noch einmal beweist.

Abbild des alten Amerika 

Earl ist nicht nur ein Individuum, sondern auch das Abbild eines alten Amerikas; des weißen Amerikas, in dem alte weiße Männer Rassisten sind und "Negro" und "Nigger" sagen, ohne es böse zu meinen. Die wissen Bescheid über die dunkle Hautfarbe, genauso über die Frauen.

Das Leiden der alten weißen Männern  

"The Mule" ist ein Film über den traurigen Zustand und das Leiden dieser alten weißen Männer, ein Film über Erlösung und Vergebung. Vermutlich würde Clint Eastwood es weit von sich weisen, mit solchen aus der Zeit gefallenen Figuren identifiziert zu werden.

"Don't Let The Old Man In"

Er spielt sie nur immer wieder, insofern kommt es darauf dann auch nicht an. "Don't Let The Old Man In". Der Alte Mann, der in diesem Lied gemeint ist, ist nämlich auch der Tod. 

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