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Bundesweiter Vorlesetag der "Stiftung Lesen" mit YouTubern Lesespannung im Tipi

Kultur Regional am 16.11. von Leonie Berger

Kindern vorlesen? Der Rat der "Stiftung Lesen" ist einfach: Am besten so früh wie möglich - und noch besser so lange wie möglich. Zum bundesweiten Vorlesetag hat sie Youtuber gebeten, Kindern Geschichten vorzulesen. Mit dabei waren "It’s Coleslaw", "Die Klugscheisserin" und "Mr.Wissen2go". Prominente aus dem Netz erzählen eine spannende Geschichte: Da waren auch Siebtklässler sehr aufmerksam. Selbst wenn die Konkurrenz von Handy und Internet heute groß ist.

Vorlesen im Indianerzelt

Im Garten der Stiftung Lesen steht ein großes rotes Tipi. Die Außenseiten haben merkwürdige Beulen. Das liegt daran, dass das Tipi vollgestopft ist mit Schülerinnen und Schülern einer siebten Klasse. Sie sind gekommen, um sich vorlesen zu lassen. Lisa Ruhfus liest das erste Kapitel des Buchs „Woodwalkers“ von Katja Brandis. Es geht um einen Jungen, der ein Gestaltwandler ist: Ein Berglöwe, der sich in einen Menschen verwandeln kann.

Gleich am Anfang wird es spannend. Es ist sehr still im Tipi, die Kinder haben es sich auf Kissen bequem gemacht, die Beleuchtung ist schummrig, in der Mitte flackert ein Feuer – zwar echtes Holz, aber der Schein stammt freilich von kleinen orangenen Glühbirnchen. Es ist schon lange her, dass ihnen vorgelesen wurde.

"Komme sonst gar nicht mehr auf die Idee"

Ilaida erzählt, dass sie wahrscheinlich fünf war, aber das Vorlesen heute fand sie trotzdem ganz cool. "Das Tipi war halt so gemütlich, man konnte sich hinlegen. Ich komme sonst gar nicht mehr auf die Idee mir vorlesen zu lassen. Früher hatte man nicht so viel Handymöglichkeiten, jetzt wird man halt älter und ist mehr am Handy. Deswegen vermisse ich das Vorlesen eigentlich auch nicht."

Bundesweiter Vorlesetag der Stiftung Lesen

Bundesweiter Vorlesetag der Stiftung Lesen

Das Handy als große Konkurrenz für's Buch

Das Handy – der Feind des Lesens und Vorlesens? Ja, aber Bücher haben eigentlich schon immer Feinde, sie konkurrieren nun mal mit anderen Freizeitangeboten: Fußball, Fernsehen, Handy, Internet. Kann sein, dass es immer schwieriger wird, denn die Möglichkeiten der Entspannung werden vielfältiger, ein Buch bleibt ein Buch. Umso geschickter von der Stiftung Lesen, ausgerechnet Youtuber als Vorlesepaten ins Rennen zu schicken. Lisa Ruhfus ist zwar mit Internetvideos bekannt geworden, aber trotzdem ist sie nicht „artfremd“: Angefangen hat sie als „Die Klugscheisserin“, die schwierige oder unbekannte Begriffe erklärt, inzwischen hat sich auch eine Videoreihe unter dem Namen „Musstewissen Deutsch“, in der sie Unterrichtsinhalte ab der siebten Klasse erklärt. Sie ist davon überzeugt, so auch das Interesse an Büchern wecken zu können.

"Da kann man natürlich noch mal anders arbeiten, vielleicht Figuren nachspielen oder auch sich durch die Natur bewegen oder draußen auf der Straße rumrennen und das Buch in einen modernen Kontext setzen. Wenn man dann einfach zu Hause sich in Ruhe so ein Video anschaut oder einem jemand vorliest, dann nimmt man das noch mal ganz anders auf."

Die Vorlesestudie zeigt: Früh anfangen

Die Inhalte sind das Eine – doch das Lesen, Vorlesen und Zuhören einfach Spaß macht, spannend sein kann, lustig, gemütlich – dieser wichtige Aspekt gerät leider schnell in Vergessenheit. Das ist ein Ergebnis der Vorlesestudie, die die Stiftung Lesen nun schon im zehnten Jahr durchgeführt hat. In jedem Jahr wird ein anderer Schwerpunkt gewählt, diesmal waren die ganz Kleinen dran. Das Ergebnis: Eltern beginnen zu spät mit dem Vorlesen. Auch das Betrachten von ganz einfachen Büchern mit großen Abbildungen und wenigen Wörtern ist wichtig und kann Kindern unter einem Jahr Spaß machen.

Eltern hören zu früh mit Vorlesen auf

Und: Eltern hören zu früh wieder mit dem Vorlesen auf, nämlich meistens, wenn die Kinder selbst lesen lernen, sagt Lukas Heymann von der Stiftung Lesen. "Man kann ja mit einem Sechsjährigen schon recht anspruchsvolle Bücher und Geschichten lesen und erleben, aber der Sechsjährige kann erst nur erste Wortreihen verbinden, wenn er anfängt selbst zu lesen. Die Texte ja doch sehr einfach gehalten und wenn man ihn damit allein lassen würde, dann wäre das doch sehr frustrierend für das Kind. Es hat spannende Geschichten erlebt, kann sie aber selbst noch nicht erlesen. Da müssen Eltern auf jeden Fall weitermachen, gerade in den ersten Grundschuljahren."

Das Vorlesen als Ritual so lang wie möglich beibehalten und genießen – so die Empfehlung. Ob das reicht, die Konkurrenz des Buchs zurückzudrängen, bleibt die große Frage. Da hilft nur: Ausprobieren und auch den Größeren mal wieder vorlesen. Coole Geschichten gibt es genug.

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