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Focus Reformation bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall Uraufführung "Brenz 1548"

Kultur Regional am 19.6.2017 von Harald Holz

Am 17. Juni 2017 wurde die Saison der Freilichtspiele in Schwäbisch Hall offiziell eröffnet. Der neue Intendant Christian Doll ist von den Bad Gandersheimer Domfestspielen in die alte Salzsiedestadt gewechselt. Er bringt eine regionale Historienstory auf die Große Treppe : "Brenz 1548" - Die Geschichte des württembergischen Reformators Johannes Brenz - großes Theater findet SWR2 Kulturreporter Harald Holz

30 Jahre wirkte Johannes Brenz als Prediger in St. Michael in Schwäbisch Hall. Bis der Reformator vor den Häschern Kaisers Karl V. fliehen musste. Das versinnbildlicht die Bühnenausstattung. Auf der Treppe vor der Kirche, am Originalschauplatz, steht gut ein Dutzend Türen mit Rahmen.

Türen als Symbole und Bühnenbild

Das gleiche Bühnenbild über alle 24 Szenen. Die Flucht ist unser Ausgangspunkt, das Jahr 1548, erklärt Regisseur und Intendant Christian Doll: "Man kann sehr viele Türen öffnen. Er ist ja jemand, der Türen öffnet und neue Wege geht, also man kann sie sehr symbolisch sehen, natürlich sind sie manchmal auch ganz praktisch. Also für mich ist das ein ganz idealer Raum jetzt, weil durch diese Türen gleichzeitig immer behauptet wird, das ist Bühne und zugleich sind wir ja an dem Originalspielplatz. Aber in der Form, wie ich das erzähle, war mir wichtig dass es spielerisch ist und das wir wirklich Theater machen und das funktioniert mit so etwas einfachem recht gut."

Erzählt wird die Geschichte mittels dreier Zeitreisender aus der Zukunft, die eigentlich Martin Luthers Schaffen anschauen wollten, aber - Fehler im System! Bei einer Disputation zwischen Brenz und Luther finden sie den Haller Brenz interessanter.

Szenenfoto aus "Brenz 1548": Luther (Anton Rattinger) eckt mit seiner Rede an der Uni HD an. Aufführung Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Juni 2017

Szenenfoto aus "Brenz 1548": Luther (Anton Rattinger) eckt mit seiner Rede an der Uni HD an. Aufführung Freilichtspiele Schwäbisch Hall, Juni 2017 (Foto/Copyright: Jürgen Weller/Freilichtspiele Schw.Hall)

Ein energischer Menschenfreund

Natürlich waren auch in Schwäbisch Hall nicht alle begeistert von Johannes Brenz. Doch er agierte immer energisch, teils philosophisch intellektuell, überlegt und menschenfreundlich. Christian Doll hat diesen komplizierten Stoff in eine Uraufführung gegossen: Die emotionale Seite von Johannes Brenz, sein persönlicher Weg, und die Bedeutung des Reformators für die damalige Freie Reichsstadt Schwäbisch Hall Das zeigt er mit dieser zweistündigen Aufführung. Der Intendant ist begeistert von der Historischen Vorlage:

"Ich fand das von vorn herein eine gute Idee, erläutert Doll. Wir machen hier etwas Spezielles, aber dafür musste natürlich ein Stück geschrieben werden. Ich finde so etwas auch immer sehr reizvoll. Ich habe schon viele Uraufführungen gemacht. Toll ist jetzt an der Arbeit, dass die Historie hier so präsent ist, also dass man immer das Gefühl hat, das ist ja wirklich hier passiert, das war hier vor oder in der Kirche, die Häuser von den Protagonisten, das Büschler-Haus steht da vorne, und das merkt man auch im Ensemble, das gibt so Geist in das Ganze rein."

Für Mädchenschulen und humanen Umgang mit Aufständischen

In Schwäbisch Hall durften dank Brenz schon früh auch Mädchen in die Schule gehen. Im Bauernkrieg hat er sich außerdem dafür eingesetzt, nicht wie anderenorts, die Aufständischen einfach abzuschlachten. Johannes Brenz wird vom Schauspieler Dirk Schäfer verkörpert, der ist fasziniert ist von seiner Figur.

"Ich finde das einen sehr klugen, sehr mutigen Mann, Johannes Brenz, der eine wirkliche Vision hat, der etwas von Glauben transportiert. Eine Mischung aus Religion und Philosophie, und der ist ja auch in Schwäbisch Hall einfach geblieben, die ganze Zeit, obwohl er in alle Welt gerufen worden ist", erläutert der Hauptdarsteller und betont die Verbundenheit von Johannes Brenz mit Schwäbisch Hall.

Entscheidung für Schwäbisch Hall

"Also diese Konzentration die er hat, zu sagen: Ich mach da keine weltweite Erfolgsnummer, sondern ich bin lesbar, an dem Ort an dem ich bin, indem was ich sage, in der Gemeinschaft von Menschen mit denen ich lebe. Daran misst sich der Wert des Wortes und seine Haltung und das finde ich großartig."

'Brenz 1548' bei den Freilichtspielen Schwäbisch Hall zeigt einen Mitstreiter Martin Luthers, der über dessen Thesen weit hinausging. Nach seiner Flucht wirkte er am Ende seines Lebens hauptsächlich in Stuttgart. Wo er die Württembergische Landeskirche bis heute tiefgreifend mitprägte.



Infos: www.freilichtspiele-hall.de

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