Bitte warten...

Portrait des Lear-Darstellers Martin Schwab Fanatiker des Wortes

Kulturthema am 8.1.2018 von Karin Gramling

Martin Schwab spielt in Stuttgart Shakespeares "König Lear" in der Inszenierung von Claus Peymann. Zwei Theater-Stars, die sich seit langem kennen und schätzen, treffen aufeinander. Lear-Darsteller Schwab ist auch mit 80 Jahren noch von der Schauspielerei erfüllt. Gerne tritt er nach wie vor in Wien auf. Nachwuchstalenten rät er, die Sprache wieder lieben zu lernen.

Von seiner Stuttgarter Wohnung aus bietet sich Martin Schwab ein grandioser Ausblick über den Stuttgarter Kessel. Oft schaut er in die Ferne und übt dabei König Lear. Für ihn als älteren Schauspieler eine Traumrolle, meint er und schwärmt von dem reichhaltigen, menschenklugen Stück: "Da entdeckt man immer neue Sachen. Das Schicksal Lears, eines alten Mannes, der sein Reich freiwillig hergibt. Er muss dann erkennen, dass es doch mehr gibt als die Macht."

Dem Ruf Peymanns gefolgt

Martin Schwab spielt den alten König, unter der Regie des langjährigen Weggefährten Claus Peymann. Die beiden haben sich vor über 40 Jahren in Stuttgart kennengelernt und dann immer wieder zusammengearbeitet. Eigentlich ist Martin Schwab seit 30 Jahren fest im Ensemble des Wiener Burgtheaters. Aber dem Ruf Peymanns nach Stuttgart ist er doch gefolgt. Obwohl das nicht einfach ist, weil Claus Peymann ein sehr fordernder Regisseur ist, der den Schauspielern viel abverlangt. Martin Schwab nimmt das mittlerweile gelassen: "Ich glaube, ich kann mich in den Peymann hineinversetzen. Und von dorther, also im Grunde meines Herzens - das ist ein großes Wort - ist er mir vertraut. Deshalb kann ich ihn auch lieben, das würde ich ihm aber nie sagen." Er lacht.

Poster "König Lear", Schauspiel Stuttgart, Februar 2018

Poster "König Lear", Schauspiel Stuttgart, Februar 2018 (Gestaltung: Markus Dreßen; Corporate Design: Spector Bureau, Leipzig)

König mit Prinzenrolle

Sein knitzer Humor blitzt immer wieder auf. Martin Schwab, der Stuttgarter König Lear, reicht zum Interview Prinzenrolle und Nescafé. Und als das Mikrofon abgestellt ist, legt er eine grandiose Peymann-Parodie hin. Natürlich übernahm er auch die Hauptrolle im Stück 'Claus Peymann kauft sich eine Hose und geht mit mir essen' von Thomas Bernhard. Bernhard gehört wie Peter Handke oder Botho Strauß zu den zeitgenössischen Schriftstellern, die er sehr schätzt. Martin Schwab spielte in zahlreichen Uraufführungen dieser Autoren mit. Wie bei den klassischen Stoffen geht es ihm immer um eines: "Ja, ich bin ein Fanatiker der Sprache. Ich glaube, dass man heute ein Vorbild sein kann für die jüngeren Schauspieler, die Sprache als Sprache wieder lieb zu gewinnen. Also, nicht immer alles mit äußeren Dingen zu betrachten, sondern von innen nach außen wieder zu gehen."

Star am Burgtheater

Genau darin ist Martin Schwab ein großer Könner. Er spricht voller Energie, konzentriert, betont jede Silbe, zerdehnt die Laute. Es ist eine Lust ihm zu zuhören. Der 80jährige spielt noch immer regelmäßig am Wiener Burgtheater. Und gehört dort zu den Stars. Sogar wenn er nur eine Nebenrolle spielt, seine gewaltige Präsenz hebt ihn immer heraus. Schwab ist ein echter Ensemblespieler - auf das Sammeln von Hauptrollen hat er nie besonderen Wert gelegt. Er sagt: "Auffallen im Sinne von einer starken Persönlichkeit, das würde mir gefallen, wenn man mir diesen Stempel gibt. Aber nicht aufgrund der Größe einer Rolle".

Glücklich als Schauspieler

Solange es noch geht, will der 80jährige am Burgtheater auf der Bühne stehen. Sein Beruf erfüllt Martin Schwab noch immer mit Freude: "Wenn man einen Sinn sieht, in dem was man tut, dann ist das das schönste Geschenk, das es überhaupt gibt. Und man muss denn Sinn suchen, da geht es nicht immer gerade, da geht’s auch mal runter, aber dann geht’s wieder aufwärts."

Weitere Themen in SWR2