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Buch der Publizistin Liane Bednarz über Rechtspopulismus in den Kirchen Rechtgläubig - oder schon rechts?

Interview am 5.4.2018 mit Liane Bednarz

Wo hört Konservatismus auf? Wo beginnt der Rechtspopulismus? Die Verunsicherung darüber sei groß und gehe quer durch die christlichen Kirchen, so die Publizistin Liane Bednarz. Mit ihrem Buch "Die Angstprediger" will sie eine klare Trennlinie ziehen.

Rechtgläubige Christen - rechte Christen

Seit Jahren streitet die Publizistin Liane Bednarz für einen Konservatismus, der sich nach rechtsaußen abgrenzt. Davon handelt auch ihr neues Buch "Die Angstprediger. Rechte Christen gegen Freiheit und Toleranz".

Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz

Die Juristin und Publizistin Liane Bednarz

Meinungsdiktatur und Tugendterror

Letztlich, so die Publizistin im Gespräch mit SWR2, tue der Rechtspopulismus so, "als gebe es hier eine Meinungsdiktatur, eine politische Korrektheit, die alles Mögliche unterdrückt, einen linksgrünen Mainstream, einen Tugendterror".

Darin komme "eine Opferhaltung" zum Ausdruck, meint Bednarz, "als könne man keine harmlos konservativen Positionen mehr vertreten, wobei man gar nicht merkt, dass man die Grenze zum rechten Denken längst überschritten hat."

AfD-Politiker Jörg Meuthen und Armin-Paul Hampel

Die AfD-Politiker Jörg Meuthen und Armin-Paul Hampel im Mai 2017 bei einer Veranstaltung der Partei zum Umgang mit den Kirchen.

"Nächstenliebe" auf verlorenem Posten

Um solche rechten Positionen auch in den Kirchen salonfähig zu machen, würden zentrale Begriffe des Christentums umgedeutet. Zum Beispiel, so Liane Bednarz, der Begriff der Nächstenliebe.

Den Umdeutungen zufolge sei letztere Flüchtlingen gegenüber beispielsweise gar nicht erforderlich, rezitiert Bednarz, denn: "Das ist nicht mein Nächster. Mein Nächster ist mein Nachbar, der Nächste ist vielleicht noch jemand in Deutschland oder Europa, aber Menschen, die aus anderen Regionen kommen, sind demnach ,Fernste'."

Bei einer Kundgebung des islamkritischen Pegida-Bündnisses in Dresden.

Bei einer Kundgebung des islamkritischen Pegida-Bündnisses in Dresden.

Hysterie verbindet sich mit Ressentiments

Es gehe nicht darum, Kritik am Islam zu tabuisieren, so die Publizistin. "Aber wenn zum Beispiel behauptet wird, es gebe in Deutschland eine Islamisierung - beispielsweise weil flächendeckend Weihnachtsmärkte in Wintermärkte umbenannt würden - was einfach so nicht stimmt -, dann merken Sie, dass sich da letztlich eine Hysterie ausbreitet, die sehr stark Hand in Hand mit Ressentiments geht."

Die Kirchen reagierten darauf oft hilflos, diagnostiziert Bednarz. Zwar positioniere sich beispielsweise die katholische Kirche "nach außen hin absolut vorbildlich", meint die Publizistin mit Blick auf Äußerungen des Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Marx.

Kardinal Marx, Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising

Kardinal Marx, Vorsitzender der katholischen Deutschen Bischofskonferenz und Erzbischof von München und Freising, hat AfD und Pegida mehrfach kritisiert.

"Beide Kirchen haben sehr früh vor dem Rechtspopulismus gewarnt", bilanziert Liane Bednarz. "Es gibt auch sehr kritische Stellungnahmen zur AfD, zur Pegida. Aber man kümmert sich nicht so wirklich um das innerkirchliche Problem."

Denn, so die Publizistin, viele Menschen mit rechtspopulistischen Überzeugungen seien oft fromme Christen, die die Kirchen ungern verprellen wollten. Mit ihnen jedoch müsse man diskutieren. Diese Debatte zu forcieren, sei das Anliegen ihres Buches.



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