Bitte warten...

Film Border – schräger schwedischer Fantasy-Film

Von Rüdiger Suchsland

Die schwedische Grenzbeamtin Tina verfügt über einen außergewöhnlichen Geruchssinn und fühlt sich zu Tieren hingezogen. Sie ist ein Troll, ein Wesen zwischen Mensch und Tier. Regisseur Ali Abbasi mischt Realismus mit schwedischer Fantasy zu einem schrägen Film.

Nur hässlich oder anders?

Irgendetwas stimmt nicht mit dieser Frau, das ist schon früh klar. Aber was genau? Ist Tina einfach nur potthässlich? Unglücklich ausgestattet von der Natur mit ihrer gedrungenen Statur, den deutlich hervorstehenden Zähnen ihres Oberkiefers, dem strähnigen Haar unter dem Rundschädel, der dicken Nase und den eng stehenden, leicht schielenden Augen?

1:56 min

Kinotrailer Border

Erstaunliches Talent in der Drogen- und Kinderporno Fahndung

Aber woher kommen dann ihre schlechten Manieren, der Schmutz unter ihren Fingernägeln, ihre ziemlich ekelige Art zu essen?

Und woher kommt ihr erstaunliches Talent, ihre Geruchs- und Spürgabe, ein sechster Sinn, mit dem diese Frau als Spezialistin der schwedischen Grenzkontrolle Drogenschmuggler und Kinderporno- Schmuggler entlarvt?

Grenzgänger schnüffeln

Irgendetwas geht hier nicht mit rechten Dingen zu. Es sind großartige Szenen, in denen Tina, deren Alter schwer zu schätzen ist, anfangs die Neuankömmlinge an der Grenze zunächst mustert, dann im Wortsinne schnüffelt und Witterung aufnimmt.

1/1

Kinostart 11.04.

Borders von Ali Abbasi

In Detailansicht öffnen

In den schwedischen Wäldern, ganz abgeschieden und für sich, lebt Tina (Eva Melander). Sie ist eine bemerkenswerte, gar sonderbare Erscheinung. Mit ihrem geschwollenen Gesicht und ihrem bohrenden Blick fällt sie sofort auf.

In den schwedischen Wäldern, ganz abgeschieden und für sich, lebt Tina (Eva Melander). Sie ist eine bemerkenswerte, gar sonderbare Erscheinung. Mit ihrem geschwollenen Gesicht und ihrem bohrenden Blick fällt sie sofort auf.

Doch nicht nur ihr äußeres Erscheinungsbild wirkt animalisch, auch ihre Sinnesfähigkeiten sind es: Tina kann die Gefühle wie Angst, Scham oder Wut anderer Menschen wittern.

Mit ihrer besonderen Gabe ist sie der schwedischen Grenzpolizei eine große Hilfe. Ihre Arbeit macht ihr Spaß, auch wenn sie sich unter ihren Mitmenschen meist fremd fühlt.

Tinas Leben wird auf den Kopf gestellt, als sie bei der Arbeit Vore (Eero Milonoff) kennenlernt, der ihr verdächtig ähnlich sieht.

Bei Vore kann Tina sein, wie sie wirklich ist. Sie fühlt sich frei und unbefangen.

Vore setzt sogar Tinas Fähigkeit, die Gefühle anderer Menschen zu wittern, außer Kraft.

Obwohl Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat, findet sie ihn anziehend.

Regisseur Ali Abbasi hat mit "Border" einen Märchenfilm geschaffen, was er wie folgt erklärt: "Was mich interessiert, ist, die Gesellschaft durch die Linse eines Paralleluniversums zu betrachten, und ein Genre-Film ist dafür perfekt."

Mehr Tier als Mensch

Tina scheint mehr Tier als Mensch zu sein. Dazu passt, dass sie ein inniges Verhältnis zu Tieren hat, besonders gut mit ihnen kommunizieren kann. Die Erklärung für alles ist so einfach wie phantastisch. Tina ist tatsächlich ein Grenzwesen, sie ist ein Troll, also jenes Etwas aus der nordischen Mythologie, das an die Nachtseite des Menschlichen rührt, sein Verdrängtes nach Außen trägt.

Aber Tina weiß nicht, was sie ist, sie fühlt sich einfach nicht wohl in ihrer Haut, wird von den Menschen gemieden und gehänselt. Ein Chromosomenfehler sagen ihr alle. Sie ist als Außenseiterin stigmatisiert.

Vore und Tina alias Eero Milonoff und Eva Melander baden in einem See in "Border"

Vore (Eero Milonoff) und Tina (Eva Melander)

Gegenwelt der Trolle

Eines Tages lernt sie einen Mann kennen. Er heißt Vore, und er ähnelt ihr nicht nur, er eröffnet ihr eines Tages das Geheimnis ihrer Herkunft. Und wir erfahren von einer Gegenwelt: Trolle gebe es überall, aber die Menschen würden sie ausgrenzen.

In Schweden gebe es regelrechte Lager für Trolle. Das wird mit größter Selbstverständlichkeit mit sozialrealistischen Kulissen verknüpft. So erinnert alles auch an ein Märchen. Denn erst im Wald, bei den Tieren entdeckt Tina sich selbst.

Eero Milanoff und Eva Melander als Vore und Tina in "Border"

Obwohl Tina ahnt, dass Vore etwas zu verbergen hat, findet sie ihn anziehend.

Schräge Mischung aus Realismus und skandinavische Fantasy

Realismus und skandinavische Fantasy vereinigen sich in diesem schrägen Film, einem seltsamen Werk, das Genregrenzen überschreitet und selbst die Grenzen der Natur auslotet – der Wildheit, der Freiheit, der Zivilisation – und dies mit sehr zeitgeistigen Fragen nach Identität, Ausgrenzung, Fremdheit und Schönheit verbindet.

Weitere Themen in SWR2