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"Utopia", das 10. Album von Björk Computer-Björk auf 14 Leveln

CD-Tipp am 24.11.2017 von Christiane Falk

Das neue Björk-Album "Utopia" wirkt wie ein Computerspiel. Björk spielt darin die weibliche Heldin und bewegt sich durch insgesamt 14 Level. In „Utopia“ zeigt sie sich von einer neuen, starken Seite. Als sie elf Jahre alt war, erschien Björks erstes Album – schon damals avancierte sie zum Superstar in ihrer Heimat Island. Heute ist Björk 52 und hat noch immer den Mut, ungewöhnliche Musik zu schreiben.

Vorbei die Zeit des Trauerns! Björk scheint sich befreit zu haben vom Trennungsschmerz, der ihr letztes Album „Vulnicura“ bestimmte. Sie hatte es nach dem Ende ihrer 13jährigen Beziehung aufgenommen. Diesmal trägt Björk auf dem CD-Cover eine Vulva auf der Stirn, erklärt diese zum emotionalen Muskel, der trainiert werden müsse. So werde das Herz gestärkt, es komme wieder Licht und Neues ins Leben.

"Utopia" futuristischer Umsetzungsformen

Esoterik? Nein, Björk bleibt ihrem experimentellen Stil treu: Sie betont und klingt anders als alle anderen Sängerinnen, sucht nach modernen, sogar futuristischen Umsetzungsformen und paart diese mit analogen Sounds. So tauchen Vogelgesänge aus Venezuela auf, die elektronisch klingen, tatsächlich aber von einer Schallplattenaufnahme der 70er stammen, dazu kommen verschiedene Flöten von Blockflöte über Alt- und Querflöte bis hin zur Panflöte.

Weibliche Welt im zehnten Album

Für „Utopia“ gründete Björk ein Flötenorchester aus 12 Frauen, deren Aufnahmen sie arrangierte und aufnahm, um sie dann am Computer zu zerlegen und neu zu arrangieren. Für das Mixen und Mastern von „Utopia“, nahm sie die Hilfe von drei Frauen in Anspruch, alle Meisterinnen ihres Fach. Nicht nur in diesem Punkt wird klar: Die Welt von „Utopia“ ist weiblich.

Die isländische Musikerin Björk auf der Bühne

Die isländische Musikerin Björk auf der Bühne

Postapokalyptische Insel

Der britischen Zeitung „The Guardian“ erklärte Björk, „Utopia“ sei eine Art postapokalyptische Insel. Dort lebten Frauen einen Alltag ohne Männer und mit ökologisch nachhaltigen Technologien. Wer Schwierigkeiten hat, sich dieses Szenario vorzustellen, kann das Video zur Single „The gate“ ansehen. Animiertes Gras, ein Hügel, auf dem Björk steht, ihr Gesicht wird von einer Maske verdeckt, sie spielt Flöte und drum herum schweben einäugige Unterwasserwesen.

Glück am Ende der 14 Level

Zuweilen erinnern die Sounds an ein Computerspiel. Björk könnte die weibliche Hauptfigur und Heldin sein, die Songs wie verschiedene Level, die sich in Stimmung und Aufmachung unterscheiden, aber ein harmonisches Ganzes ergeben. Am Ende der 14 Level beziehungsweise Songs ist man von den ungewohnten Klängen erschöpft, aber glücklich.

Björk erklärt kämpferisch, man müsse sich von den Ketten der Vergangenheit lösen: „Break the chains of the fuck-ups of our fathers.“ Genau das scheint ihr im eigenen Leben gelungen zu sein. Als Künstlerin ist sie erneut in Welten unterwegs, die sich keine andere so ausdenken und kreieren könnte. Passenderweise dazu ist sie die erste Musikerin, deren Album man auch in Kryptowährungen wie Bitcoin kaufen kann.

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