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Hans Hildenbrand - Stuttgarter Pionier der Fotografie "Erstmals Deutschland in Farbe"

Von Andreas Langen

Als die Bilder laufen lernten, waren sie Schwarz-Weiß. Die Erfinder des Kinofilms, die Brüder Lumière, verhalfen aber einige Jahre später zumindest der Fotografie zur Farbe – 1907 brachten sie die ersten Colordias auf den Markt. Einer der ersten deutschen Fotografen, der die Möglichkeiten des neuen Mediums erkannte, war der Stuttgarter Hans Hildenbrand. Obwohl er damit extrem erfolgreich wurde und seine Bilder jahrzehntelang riesige Verbreitung fanden, ist er heute fast unbekannt. Das soll sich jetzt ändern. Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg hat Hildenbrand einen opulenten Bildband gewidmet, der auch ausführliche Texte enthält.

Farbbilder – eine unglaubliche Sensation

Winzige Kartoffelstärkekörnchen, nur 0,01 Millimeter klein, eingefärbt in blau, grün und rot. 120 Millionen davon passen nebeneinander auf eine Glasplatte in Postkartenformat – das ist die Basis der ersten industriell gefertigten Farbfotos, im Fachjargon Autochrome, erhältlich ab 1907. Der Stuttgarter Fotohistoriker Rolf H. Krauss beschreibt den damaligen Effekt dieser Innovation: „Sensationell, weil die Geschichte ja schwarzweiß ist, seit es die Fotografie im Jahr 1839 gibt. In dem Augenblick, in dem so etwas farbig wird, ist das eine unglaubliche Sensation.“

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Der Stuttgarter Fotograf Hans Hildenbrand

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Hans Hildenbrand: "Stuttgart Schlossplatz" von 1920

Hans Hildenbrand: "Stuttgart Schlossplatz" von 1920

Hans Hildenbrand: "Schloss Neuschwanstein" vor 1920

Hans Hildenbrand: "Blumenwiese", um 1910

Hans Hildenbrand: "Winterlandschaft" um 1910

Hans Hildenbrand: "Trachtenschau vor einem Brunnen in Grossbottwar", um 1920

Hans Hildenbrand "Schützengraben im Westen", 1915

Hans Hildenbrand: Rothenburg o.d.Tauber, Röderbogen mit Markusturm, um 1911

Der Fotograf Hans Hildenbrand um 1903

Hans Hildenbrand: Atelierwerbung auf einer Fotorückseite, um 1900

Reise- und Landschaftsbilder bevorzugt

Das hatte auch der junge Stuttgarter Fotograf Hans Hildenbrand rasch erkannt. Um das Potential der Autochrome zu nutzen, schließt Hildenbrand 1911 sein erfolgreiches Porträtstudio in Stuttgart. Er sattelt um auf Reise- und Landschaftsbilder, vor allem für Postkarten. Hildenbrand fotografiert Deutschland, die Alpen, Italien, den Nahen Osten.

Erste Weltkriegsbilder in Farbe

Hans Hildenbrand "Schützengraben im Westen", 1915

Hans Hildenbrand "Schützengraben im Westen", 1915

Im Ersten Weltkrieg ist er der einzige Farb-Fotograf auf deutscher Seite. Allerdings ist die Autochrome-Fotografie schwerfällig und langsam; nur arrangierte, statische Szenen lassen sich abbilden. „Die Brutalität, das Sterben spiegelt sich nicht wieder. Die Aufnahmen waren gestellt, aber es war farbig“, erklärt Thomas Schnabel, Leiter des Hauses der Geschichte Baden-Württemberg. Er ist Herausgeber des gerade erschienenen Buches über Hildenbrand.

Dass es entstehen konnte, ist auch dem Fotohistoriker Rolf H. Krauss zu verdanken. Der schenkte dem Haus der Geschichte vor einigen Jahren die einzige in Europa vorhandene Sammlung zu Hildenbrand, die ein Zufallsfund vom Flohmarkt war.

Hildenbrand – ein Unbekannter

Der Fotograf Hans Hildenbrand um 1903

Der Fotograf Hans Hildenbrand um 1903

Über den Fotografen Hans Hildenbrand sei erschreckend wenig bekannt, betont Thomas Schnabel. Dennoch ist das Buch ein fundierter Bildband mit wissenschaftlichen Aufsätzen. Besonders interessant: Krauss´ Untersuchung von Hildenbrands Bildern in „National Geographic“. Dieses Magazin erreichte damals 12 Millionen Auflage, und es pflegte ein folkloristisches Deutschland-Bild. Dazu passten Hildenbrands handwerklich hochwertige Postkartenmotive perfekt.

Bombenhagel zerstört Fotoarchiv

Auch sein letzter Auftrag für „National Geographic“ wirkt farbenfroh und optimistisch – eine Serie aus dem sommerlichen Berlin des Jahres 1937. Hildenbrand zeigt elegante Sportflugzeuge auf dem Rollfeld von Tempelhof, darüber blassblauer Himmel, effektvoll kontrastiert von kleinen roten Flaggen; die Hakenkreuze darauf sind kaum zu erkennen. Sieben Jahre später zerstört ein Fliegerangriff auf Hildenbrands Heimatstadt Stuttgart sein Archiv restlos. Nun hoffen die Autoren des Hildenbrand-Buches, dass ihre Leser nach bislang unentdeckten Spuren von Hans Hildenbrand stöbern. Schließlich war auch der Flohmarktfund seiner Autochrome vor allem eine glückliche Fügung.

Buchcover: Hans Hildenbrand: Hofphotograph und Pionier der frühen Farbfotografie, Herausgegeben vom Haus der Geschichte, verlag regionalkultur, 2018

Hans Hildenbrand. Hofphotograph und Pionier der frühen Farbfotografie

Haus der Geschichte Baden-Württemberg (Hrsg.)

Verlag:
Verlag Regionalkultur
Länge:
296 Seiten mit 265 meist farbigen Abbildungen
Preis:
24,80 Euro
Bestellnummer:
978-3-95505-096-2

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