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Baden-Württemberg will Restitution vorantreiben Erste koloniale Güter gehen an Namibia zurück

Von Susanne Kaufmann

Ein Neues Testament und eine Peitsche aus dem Besitz des namibischen Nationalhelden Hendrik Witbooi sind die ersten kolonialen Güter, die das Land  Baden-Württemberg zurückgibt. Die baden-württembergische Wissenschaftsministerin Theresia Bauer hat mitgeteilt, dass sie die beiden Objekte aus dem Stuttgarter Lindenmuseum im Februar 2019 persönlich der namibischen Regierung überbringen wird.

„Ein wichtiger Prozess der Versöhnung“

Die Verhandlungen über diese Rückgabe liefen seit dem Jahr 2013, und auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann zeigte sich heute erleichtert darüber, diesen Streit nun beilegen zu können.

Baden-Württemberg stelle sich seiner historischen Verantwortung, so Kretschmann: „Diese Rückgabe ist ein wichtiger Prozess der Versöhnung. Ich will aber sagen, dass jetzt bei der Rückgabe von Kulturgütern aus dem kolonialen Erbe der Diskurs am Anfang ist und hier gilt es, einen gesamtgesellschaftlichen Dialog anzustrengen, in dem sich die Länder, Bund und Kommunen, die Museen und Archive in gleicher Weise beteiligen.“

Bibel und Peitsche von Hendrik Witbooi für Namibia symbolisch bedeutend

Das klingt kompliziert - und ist es auch. Baden-Württemberg zeigt Kante und ist ganz vorn. Kulturstaatsministerin Monika Grütters hatte bereits bekannt gegeben, dass sich auf Bundesebene ab dem Frühjahr eine Arbeitsgruppe um das Thema kümmern soll. Unabhängig davon beschloss das Kabinett in Stuttgart heute schon die Rückgabe der zwei fraglichen Objekte an die Republik Namibia.

Theresia Bauer: „Wir sind uns der Tatsache sehr bewusst, dass die Familienbibel mit handschriftlichen Bemerkungen von Hendrik Witbooi versehen, zusammen mit der Peitsche, von höchster symbolischer und historischer Bedeutung für Namibia sind. Witbooi ist so etwas wie ein Nationalheld Namibias im Kampf gegen den Kolonialismus. Er ziert Geldscheine dort und Denkmäler sind ihm gewidmet.“

Die Familienbibel von Hendrik Witbooi. Baden-Württemberg will die in der Kolonialzeit geraubte Bibel des namibischen Nationalhelden Hendrik Witbooi an den afrikanischen Staat zurückgeben.

Die Familienbibel von Hendrik Witbooi. Baden-Württemberg will die in der Kolonialzeit geraubte Bibel des namibischen Nationalhelden Hendrik Witbooi an den afrikanischen Staat zurückgeben.

Haushaltsrechtliche Einzelermächtigung zur Rückgabe

Auch diplomatisch gesehen bestand dringender Handlungsbedarf. Zumal die Bundesregierung schon im August Schädel und Gebeine an eine Delegation aus Namibia übergeben hatte. Die Bibel fehlte – und das wurde auch bemerkt.

Um die Rückgabe zu ermöglichen beschloss das baden-württembergische Kabinett am Morgen eine haushaltsrechtliche Einzelermächtigung, weil der Bestand des Lindenmuseums hälftig der Stadt und dem Land gehört. Um Landeseigentum herauszugeben, braucht es die entsprechende Genehmigung.

Keine Verstimmung zwischen Bund und Baden-Württemberg

Auch wenn das Kabinett die Rückgabe entschied: Zuvor hatten CDU-Politiker die kritische Frage aufgeworfen, ob nicht zunächst auf Bundesebene über den Umgang mit kolonialen Kulturgütern entschieden werden müsse.

Theresia Bauer verwahrte sich gegen den Vorwurf, Baden-Württemberg sei zu forsch vorgeprescht und betonte, zwischen dem Land und Berlin gebe es keinerlei Verstimmungen.

Namibia wartet auf Ende der Prüfungen und konkrete Taten

Die Ministerin wörtlich: „Wir sind im engen Gespräch und Austausch mit dem Außenministerium. Es ist eher umgekehrt der Fall, dass es Sorge gibt, dass entsprechende Debatten zu Verstörungen im deutsch-namibischen Verhältnis führen könnten, denn dort wird mit großer Aufmerksamkeit gesehen, wann wir endlich so weit sind, unsere Prüfungen abzuschließen und der ganzen Prüfung Taten folgen zu lassen.“

Derzeit liegen dem Land Baden-Württemberg noch mehrere Anträge vor, wonach Objekten an ehemalige deutsche Kolonien restituiert werden sollen. Dabei handelt es sich ausschließlich um Schädel und Gebeine, etwa aus der Sammlung des Universität Freiburg. Eines der fraglichen Objekte befindet sich auch im Stuttgarter Lindenmuseum.

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