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Ausstellung "Lehmbruck" in der Staatsgalerie | 28.9.2018 - 24.2.2019 Stuttgart entstaubt Wilhelm Lehmbruck

Von Marie-Dominique Wetzel

2019 jährt sich der Todestag des Bildhauers Wilhelm Lehmbruck zum 100. Mal. Die Stuttgarter Staatsgalerie konnte ihre Dauerleihgaben aus dem Nachlass des Künstlers mit Hilfe der Kulturstiftung der Länder und der Ernst von Siemens Kunststiftung um drei wertvolle Plastiken sowie 69 Druckgraphiken und Zeichnungen ergänzen. Jetzt ehrt die Stuttgarter Staatsgalerie den Künstler mit einer großen Ausstellung und spürt vor allem seiner Arbeitsweise nach.

Die „Große Sinnende“ - traurig und desillusioniert

Gleich zu Beginn der Ausstellung steht sie einem gegenüber: Die „Große Sinnende“. Überlebensgroß, den Kopf leicht zur Seite geneigt, in sich gekehrt – einen leicht traurigen, desillusionierten Zug um den Mund. Einen Arm hinter dem Rücken verschränkt.

Die große Sinnende

Wilhelm Lehmbruck, Die große Sinnende, 1913-1914, Steinguss; Kunststein; Höhe: 208 cm; Breite: 41,5 cm; Tiefe: 43 cm, Staatsgalerie Stuttgart

Seit den 40er Jahren ist diese berühmte Plastik von Wilhelm Lehmbruck als Leihgabe in der Staatsgalerie. Nachdem sie im vergangenen Jahr angekauft werden konnte, durfte sie auch endlich restauriert werden. Nun ist sie kaum wiederzuerkennen.

Gereinigte Skulptur noch beeindruckender

Was auch dringend nötig war, wie die Direktorin der Staatsgalerie und Kuratorin der Ausstellung Christiane Lange, erklärt. Tatsächlich wirkt die gereinigte Skulptur noch ätherischer.

Doch bei der jetzt erfolgten Materialanalyse kam noch mehr ans Tageslicht, nämlich dass es sich gar nicht um einen Steinguss handelt, wie bisher vermutet, sondern um einen Gipsguss – ein Original aus Künstlerhand, entstanden 1913 in Paris.

Sensation: Lehmbruck goss in Gips

Eine kleine Sensation. Denn wenn man einen Originalguss hat, kann man mit Hilfe modernster Medizintechnik viel über die Arbeitsweise des Künstlers herausfinden. Die Ausstellung zeigt an vielen Beispielen, dass Wilhelm Lehmbruck gerne experimentiert hat: mit neuen Materialien wie Terrakotta, Gips und Zement und neuen Formen. Vor allem zwischen 1910 und 1914, als der Künstler in Paris lebte und begann, sich von seinen großen Vorbildern Rodin und Maillol abzusetzen.

Wahl des Materials entscheidet über Form

So sehen wir von der „Großen Sinnenden“ auch noch einen Torso, das Fragment eines Torsos sowie zwei Köpfe, einmal in Bronze und dann in Zement und Gips. Welchen Unterschied die Wahl des Materials macht, dafür gibt es viele schöne Beispiele in der Ausstellung. Allen voran die „kleine Sinnende“ oder ein „Sitzendes Mädchen“ mit seinen überlangen Beinen. Auch ein charakteristisches Merkmal von Wilhelm Lehmbruck aus seiner Pariser Zeit.

Wilhelm Lehmbruck, Sitzendes Mädchen, 1913

Wilhelm Lehmbruck, Sitzendes Mädchen, 1913

1.000 Zeichnungen, Gemälde und Druckgraphiken

Doch Wilhelm Lehmbruck schuf bis zu seinem Freitod im Jahr 1919 nicht nur rund 100 Skulpturen, sondern auch mehr als 1.000 Zeichnungen, zahlreiche Gemälde und Druckgraphiken. Ein Gemälde gibt es jetzt auch in Stuttgart zu sehen und vor allem ein Konvolut von über 70 Papierarbeiten.

Letztere werden in einem separaten Raum gezeigt, um ihre Autonomie zu unterstreichen. Mitten im Saal aber doch wieder eine Plastik: „Der Gestürzte“, der nun ebenfalls im Besitz der Staatsgalerie Stuttgart ist – und allein dieses großartige Kunstwerk lohnt schon einen Besuch der beeindruckenden Ausstellung.


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