Bitte warten...

Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz Marilyn Monroes einsamer Kampf

Von Maja Hattesen

Marilyn Monroe gilt als Sexgöttin, Pin-Up-Star und blondes Gift. Das Historische Museum der Pfalz in Speyer zeigt das Leben der berühmten Schauspielerin von einer ganz anderen Seite. Unter dem Titel „Marilyn Monroe: Die Unbekannte“ erlaubt eine Schau mit 400 Ausstellungstücken den Blick auf eine Frau, die sich leidenschaftlich dagegen wehrte, vereinnahmt und ausgebeutet zu werden.

Posthumes Lob von Alice Schwarzer

Die Überraschung zu Beginn der Ausstellung besteht aus einer kleinen Notiz: Alice Schwarzer sei ein großer Fan von Marilyn Monroe, denn sie habe sich mit „Mut und Verstand“ einen Platz in der Männerdomäne Film erkämpft. Die Feministin adelt posthum den Männertraum Marilyn.

Das ist auch der rote Faden der Ausstellung, die sich vor allem an privaten Hinterlassenschaften der Filmikone orientiert. Hauptleihgeber ist der private Sammler Ted Stampfer aus Mannheim, der die Devotionalien im Laufe seines Lebens in der ganzen Welt ersteigert und sie dem Museum nun zur Verfügung gestellt hat.

1/1

Ausstellung im Historischen Museum der Pfalz

"Marilyn Monroe. Die Unbekannte"

In Detailansicht öffnen

Ikonisches Bild von Marilyn Monroe während des Drehs zum Film „Das verflixte 7. Jahr“. Sie steht über dem Luftschachtgitter der Untergrundbahn, ihr weißes Kleid weht hoch, neben ihr Schauspieler Tom Ewell. Natürlich ist sie umgeben von Schaulustigen. September 1954, Ecke 51st Street and Lexington Avenue in New York.

Ikonisches Bild von Marilyn Monroe während des Drehs zum Film „Das verflixte 7. Jahr“. Sie steht über dem Luftschachtgitter der Untergrundbahn, ihr weißes Kleid weht hoch, neben ihr Schauspieler Tom Ewell. Natürlich ist sie umgeben von Schaulustigen. September 1954, Ecke 51st Street and Lexington Avenue in New York.

Marilyn Monroe 1957 mit einer Zeitung im New Yorker Central Park

Marilyn Monroe blickt 1955 von der Dachterrasse des New Yorker Ambassador Hotels auf die Park Avenue hinunter

Marilyn Monroe schminkt sich für ein Event in New York, 1955.

1954 singt Schauspielerin Marilyn Monroe für die amerikanischen Soldaten in Korea. Während der Show schreibt sie Autogramme.

Marilyn Monroe beginnt ihre Karriere als Fotomodel

Marilyn Monroe und ihr dritter Ehemann, der Dramatiker Arthur Miller. 1957 im Zuhause in Amagansett, New York.

„Im Bett trage ich nur Chanel Nr.5“ – sagte Marilyn auf die Frage, was sie nachts im Bett anhabe

Ein Porträt von 1953 in Hollywood.

Marilyn Monroes #MeToo-Welt existiert noch immer

Ihr Chanel Nr. 5, ihre Hautcreme, ihr fuchsiafarbenes Seiden-Kleid aus „Wie angelt man sich einen Millionär“, der Hauch von glitzerndem Nichts, in dem sie für John F. Kennedy „Happy Birthday“ ins Mikro hauchte – das sind die bekannten Requisiten, die in Speyer nun ausgestellt werden wie Kunstwerke.

Marilyn Monroe Portrait-Aufnahme von 1953 in Hollywood

Ein Porträt von 1953 in Hollywood.

Sie sind Zeugnisse eines Systems, das es noch immer gibt: #MeToo hat die männlich dominierte Welt der Studiobosse zwar erschüttert, aber Schauspielerinnen müssen nach wie vor vor allem schön sein, egal wie talentiert sie sind. Und verdienen trotzdem immer noch viel weniger als ihre männlichen Kollegen.

Überlebenskampf in der männlich dominierten Filmbranche

Neu ist, dass schon Norma Jean Baker, so ihr bürgerlicher Name, hartnäckig und später sehr erfolgreich bis zu ihrem frühen Tod dagegen angekämpft hat. Das erfahren wir durch die vielen kleinen Briefe, Notizen und Verträge in den Vitrinen.

Die Kindheit der jungen Norma Jean Baker muss unglücklich gewesen sein – allein 16 Pflegefamilien sollen der Tochter einer ärmlich lebenden Filmcutterin ein Ersatzzuhause schenken. Das markiert den traurigen Auftakt eines kurzen und intensiven Lebens.

Schon als Kind sah Marilyn Filme über emanzipierte Frauen

Meistens sehen wir nur die prüden Fünfziger, in denen sich Marilyn ihren Platz in den Männerherzen und in der Hall of Fame des Films eroberte. Doch gerade ihre Ziehmutter, auch eine Cutterin in Hollywood, schleppte sie in der Kindheit immer wieder in Filme mit sehr starken Frauenfiguren im Geist der Roaring Twenties.

Marlene Dietrich zum Beispiel, alles andere als ein braves Hausmütterchen. Oder Vivien Leigh in „Vom Winde verweht“ – im historischen Museum ist das grüne Samtkleid von Scarlett O'Hara in Szene gesetzt, eine Figur, die sich auch allen Rollenmustern widersetzt.

1954 singt Schauspielerin Marilyn Monroe für die amerikanischen Soldaten in Korea. Hier signiert sie während der Show Autogramme

1954 singt Schauspielerin Marilyn Monroe für die amerikanischen Soldaten in Korea. Während der Show schreibt sie Autogramme.

Wie Hugh Hefner aus Monroes Körper Kapital schlug

Die Ausstellung zeigt, dass auch Marilyn dem Role-Model des Hausmütterchens schon früh trotzte – mit ihrem Körper als Kapital, zum Beispiel als Pin Up für Soldatenspinde. Doch wie sich vom Objekt in ein Subjekt verwandeln, das sich Blicken zwar aussetzt, aber für ein höheres Ziel arbeitet?

Immer wieder litt die sensible Schauspielerin darunter, dass andere aus ihrem Körper Kapital schlugen – so wie 1953, als sie mit ihrem einzigen je geschossenen Nacktfoto in der legendären Playboy-Ausgabe Hugh Hefner eine Millionenauflage bescherte. Auch hier steckte noch der Fotograf das ganze Geld für dieses Foto ein.

Marilyn Monroe erkämpfte sich eine angemessene Bezahlung

Zwei Jahre später endlich hatte sie sich mit ihren Kassenschlagern einen Status erobert, der ihr es erlaubte, Studiobosse so unter Druck zu setzen, dass sie ihr eine angemessene Bezahlung – ähnlich der von männlichen Darstellern - gewährten. Eine absolute Ausnahme.

Und immer wieder sind herrlich witzige und kluge Sätze der Marilyn an den Wänden der Ausstellung zu sehen, die sich nach und nach zu einem vielschichtigen Bild einer Frau zusammensetzen, die in vielem so ganz anders reagierte, als man bisher über sie gedacht hat.

Kein Voyeurismus - eine sehenswerte Ausstellung

Glücklicherweise trotzen die Ausstellungsmacher auch am Ende der Versuchung, ihren Tod im selbstfinanzierten Haus allzu voyeuristisch zur Schau zu stellen. Insgesamt eine sehenswerte Sammlung über die wohl bekannteste Filmikone der Welt.


Weitere Themen in SWR2