Bitte warten...

Ausstellung Selbstbewusstsein im Körper: Maria Lassnig in Stuttgart

Von Silke Arning

Zum bevorstehenden 100. Geburtstag von Maria Lassnig zeigt die Staatsgalerie Stuttgart eine große Ausstellung über die 2014 verstorbene Künstlerin. Die in Kärnten geborene Lassnig gehört zu den größten malerischen Begabungen des 20. Jahrhunderts. Mit ihren „Körperbewusstseinsbilder“ hat sie einen eigenen Weg zwischen Figuration und Abstraktion gefunden.

1/1

Ausstellung

Bilder zur Ausstellung Maria Lassnig in Stuttgart

In Detailansicht öffnen

Maria Lassnig hat Humor, auch wenn ihr oft nicht zum Lachen zumute ist. Die Studienjahre an der Wiener Kunstakademie 1941 finden ein jähes Ende, weil die Nazis ihre Bilder als „entartet“ diffamieren.

Auf dem Bild: Alpenbegegnung, 1998.

Maria Lassnig hat Humor, auch wenn ihr oft nicht zum Lachen zumute ist. Die Studienjahre an der Wiener Kunstakademie 1941 finden ein jähes Ende, weil die Nazis ihre Bilder als „entartet“ diffamieren.

Auf dem Bild: Alpenbegegnung, 1998.

In den 50er Jahren geht sie nach Paris, bleibt später ganz dort, um ihren eigenen Stil zu entwickeln, der in der Kunstwelt allerdings überhaupt keine Zustimmung findet, erzählt Kuratorin Nathalie Frensch: „Man hat es als morbide, als grotesk empfunden. Es gibt Zitate wonach diese Zerlegung des Körpers als abstoßend empfunden wurde.“

Auf dem Bild: Sanfter Schlaf, 1983.

Tatsächlich sind es drastische Werke: überlebensgroße, massive Körper, nicht zu definierende Fleischfelsen, mal klobig klotzend, dann wieder schmale, embryonenhafte Wesen. In den 80er Jahren hat Christiane Lange, Direktorin der Staatsgalerie, als Studentin Maria Lassnigs Werke entdeckt.

Auf dem Bild: Brettl vorm Kopf, 1967

Diese Werke sind zum Teil jetzt auch in der Staatsgalerie zu sehen: Es sind – im wahrsten Sinne des Wortes – überwältigende Bilder. Auch weil die Farben den Betrachter geradezu anspringen. Lassnig Farben: grell, intensiv, ein schrilles Grün, ein stechendes Türkis, viel Rosa. Farben, die sich wie eine Leuchtspur durch alle Bilder ziehen und nichts Reales haben.

Auf dem Bild: Herzselbstporträt im grünen Zimmer, 1968, Öl auf Leinwand, 127 x 92 cm

Vom Realismus fühlt sich Maria Lassnig in diesen Pariser Jahren ohnehin eingeengt. Die ausgestellten Zeichnungen und Aquarelle in der Staatsgalerie verdeutlichen ihr Ringen um einen ganz persönlichen Stil. Immer wieder kreisen diese Werke der 60er Jahre vor allem um ein Thema, um den eigenen Körper. Körperbewusstseinsbilder nennt sie diese Arbeiten, mit denen sie ihr Innerstes auszuloten versucht. Spuren eines Lebens, das von Sehnsucht und Einsamkeit gekennzeichnet ist.

Auf dem Bild: Selbstporträt hinter Gitter, 1976.

Als uneheliches Kind 1919 in Kärnten geboren, wächst Maria Lassnig bei der Großmutter auf. Sie giert nach Liebe und Berührung, doch diese Zuwendung bleibt ihr versagt. Dieselbe Zurückweisung erfährt sie später erneut durch Kunstgelehrte und Galeristen. Und so malt sie Selbstportrait um Selbstporträt: Maria Lassnig hinter Gittern, Maria Lassnig als Zitrone, als Rasenmäher. Immer wieder fragmentierte Körper, weder abstrakt noch figürlich, aber von enormer Kraft.

Auf dem Bild: Amerika will überleben, Europa will ideal sein, ohne Datum.

3:39 min | Mi, 13.3.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

Mehr Info

Ausstellung

Körperliches Selbstbewusstsein: Maria Lassnig in Stuttgart

Silke Arning

Zum bevorstehenden 100. Geburtstag von Maria Lassnig zeigt die Staatsgalerie Stuttgart eine große Ausstellung über die 2014 verstorbene und hochgeschätzte Künstlerin.


Weitere Themen in SWR2