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Ausstellung "200 Jahre Ivan Turgenev" in Baden-Baden

Wie sich Turgenev in Baden-Baden kurz als Deutscher fühlte

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Ivan Turgenev hat sich nicht neu erfunden, als er nach Baden-Baden kam. Wichtige Themen seines schriftstellerischen Werkes hatte er bereits mitgebracht, darunter die Auseinandersetzung zwischen liberaler Erneuerung in Russland und der Verteidigung der vormodernen Tradition.

Ivan Turgenev hat sich nicht neu erfunden, als er nach Baden-Baden kam. Wichtige Themen seines schriftstellerischen Werkes hatte er bereits mitgebracht, darunter die Auseinandersetzung zwischen liberaler Erneuerung in Russland und der Verteidigung der vormodernen Tradition.

Mit der Übersiedlung von Ivan Turgenev nach Baden-Baden begann ein reger Kulturaustausch zwischen Westeuropa und Russland in der Kurstadt. 1863 war der Schriftsteller seiner großen Liebe, Pauline Viardot, nach Baden-Baden gefolgt und schrieb Dostojewskij vier Jahre später, er habe sich in der Stadt endgültig niedergelassen und betrachte sich als Deutscher.

Nicht von ungefähr reklamierte Turgenev gegenüber Dostojewskij Baden-Baden als seine neue, deutsche Heimat. In der Kurstadt spielte sein Roman "Dum" ("Rauch"), eine beißende Kritik am konservativen russischen Adel, der die Stadt an der Oos als neuen Urlaubsort entdeckt hatte. Dostojewskij stieß sich an dieser Kritik. In ihrem Streit wurden die beiden Dichter zu Protagonisten des liberalen beziehungsweise konservativen Russlands.

Aber auch die Begeisterung Turgenevs für seine deutsche Wahlheimat ließ bald nach. Mit dem deutschen Kaiserreich, das gegen Frankreich Krieg führte, vermochte er nur wenig anzufangen. Nach 1871 folgte er den Viardots zunächst nach London, dann nach Bougival bei Paris.

Erst als es Turgenev deutlich schlechter ging, kehrte er phasenweise nach Baden-Baden zurück, residierte dabei in den besten Hotels am Ort und galt bereits als der berühmteste Bürger der Stadt. 1883 starb er - allerdings nicht in der Kurstadt, sondern in Bougival. Bestattet wurde er in St. Petersburg

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