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Ausstellung Copy & Paste in der Kunst: „Inspiration Meisterwerk“ in der Villa Rot

Von Anita Schlesak

Früher mussten Künstler reisen, um berühmte Meisterwerke wie die Mona Lisa zu studieren. Heute können sie sich die Ikonen der Kunstgeschichte millionenfach im Netz anschauen. Und die digitale Vervielfältigung lässt völlig neue Formen der Kunst entstehen: Alte Meisterwerke zu kopieren und in einen neuen Zusammenhang zu stellen. Wie viele Möglichkeiten es dazu gibt, zeigt das Museum Villa Rot bei Ulm in der Ausstellung „Inspiration Meisterwerk“.

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Ausstellung

Bilder zur Ausstellung „Inspiration Meisterwerk“

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Eine Büste mit hohem Kopfputz und elegant geschwungenem Nacken, die nur aus 20 Flächen besteht und doch unverwechselbar ist. Der Rottweiler Bildhauer Jürgen Knubben zitiert eine Prominente der Kunstgeschichte. Museumsleiter Marco Hompes: „Sie muss gar nicht Nofretete heißen, weil sie in unserem kulturellen Gedächtnis so verankert ist, dass wir sie sofort erkennen.“

Auf dem Bild: Jürgen Knubben - Tête á tête, 2011, Grauguss

Eine Büste mit hohem Kopfputz und elegant geschwungenem Nacken, die nur aus 20 Flächen besteht und doch unverwechselbar ist. Der Rottweiler Bildhauer Jürgen Knubben zitiert eine Prominente der Kunstgeschichte. Museumsleiter Marco Hompes: „Sie muss gar nicht Nofretete heißen, weil sie in unserem kulturellen Gedächtnis so verankert ist, dass wir sie sofort erkennen.“

Auf dem Bild: Jürgen Knubben - Tête á tête, 2011, Grauguss

Ein Aha-Erlebnis ist auch der Leuchtkasten der britischen Künstlerin Emily Allchurch. Auf den ersten Blick sieht ihre Fotocollage dem Turmbau zu Babel von Bruegel verblüffend ähnlich. Doch „Babel London“ ist keine flämische Malerei, sondern ein Wimmelbild aus fotografierten Hochhäusern vor industrieller Kulisse, in der sich vereinzelt winzige Passanten, Bauarbeiter oder Obdachlose verlieren.  

Auf dem Bild: Emily Allchurch, Babel London (after Bruegel), 125 x 149 x 8cm, Leuchtkasten.

Kritik an unserer Welt taucht in den ausgewählten Werken der letzten zehn Jahre immer wieder auf. Es sei aber keine Kritik an der Kunst oder den alten Meistern selbst, so Museumsleiter Marco Hompes: „Es ist für die Künstlerinnen und Künstler einfach Werkstoff. Es ist Material, hat nichts mit einer kritischen Auseinandersetzung oder tiefer Ehrfurcht zu tun. Es ist einfach Interesse an dem, was schon da ist.“

Auf dem Bild: Chantal Michel, Aus der Serie: Die Unwiderruflichen, 2007, Fotografie hinter Plexiglas. Die Künstlerin porträtiert sich als Wiedergängerin des Malers Vincent van Gogh.

Künstler wie der aus Italien stammende Amerikaner Quayola oder Margret Eicher scannen Meisterwerke der Renaissance ein, benutzen Motive von Botticelli als Rohstoff für den eigenen PC. Dieser errechnet anhand des Originals völlig neue kristalline Formen, die sich ineinander verschachteln.

Auf dem Bild: Margret Eicher - Geburt der Venus 2 (Nach Botticelli), 2018, Digitale Montage.

Auf Abstraktion setzen auch der Frankfurter Künstler Janus alias Jan Ulrich Schmitz oder der Japaner Hiroyuki Masuyama. Sie speisen spezielle Computerprogramme mit Landschaften von Caspar David Friedrich. Marco Hompes: „Diese Programme rechnen die Farben nach ihrer Häufigkeit aus und sortieren sie. Sie räumen das Gemälde auf.“

Auf dem Bild: Hiroyuki Masuyama - Kreidefelsen auf Rügen (nach Caspar David Friedrich, 1818), 2017, Diasec/LED Lightbox

Andere Künstler verarbeiten im verspielt feudalen Ambiente der Villa Rot „Das Eismeer“, ebenfalls von Caspar David Friedrich. Warum gerade dieser deutsche Romantiker als Vorlage? Für Marco Hompes ist er nicht ohne Grund so inspirierend: „Vor allem ist es die Arbeitsweise von Caspar David Friedrich, der ja in seinem Atelier die Landschaften komponiert hat, aus Einzelstücken zusammengesetzt. Das ist im Prinzip ein Vorläufer von Photoshop.“

Auf dem Bild: Mathias Kessler: Sea of Ice, 2013, C-Print, 97 x 127 cm.

Das Prinzip, das sich hinter der digitalen Bildbearbeitung verbirgt? „Die Wirklichkeit wird schöner dargestellt, als sie ist“, meint Marco Hompes. „Dieses Manipulieren von Wirklichkeit ist etwas, das unsere Zeit heute absolut widerspiegelt.“

Auf dem Bild: Heidi Sill: cut #49, 2007, Offset-prints, Aquarell

Auch dank neuer Medien sind die von Kunst inspirierten Kunstwerke unglaublich vielfältig und fantasievoll. Und manchmal ist die neu geschaffene Form sogar wirkungsmächtiger als das Original.

Auf dem Bild: Susi Gelb - Capri-Batterie EU-Standard (Update für Joseph Beuys), 2009.

Ein Beispiel für eine neue, wirkungsmächtige Form: „Das Mädchen mit der Taube“ des Schweizer Künstlers Marck. In seinem Videoloop nach Picasso steht ein Mädchen im weißen Kleid wie gemalt vor zeitlos grauen Kriegsruinen. Wenn eine Bombe explodiert, zuckt es zusammen und streichelt dann - wie um sich selbst zu trösten - die  Friedenstaube in der Hand: das geht unter die Haut.

Hier auf dem Bild: Susanne Wehr - ultraimage – survival rifle, 2018/19, Fineartprint auf Hahnemühle.

Museumsleiter und Kurator Marco Hompes über „Inspiration Meisterwerk“

5:56 min | Fr, 1.3.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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3:40 min | Di, 26.3.2019 | 12:33 Uhr | SWR2 Journal am Mittag | SWR2

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