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Heinrich Schmidt-Pecht in der Wessenberg-Galerie Der malende Kunstsammler von Konstanz

Von Barbara Paul

Mit der Wessenberg-Galerie hat sich Konstanz über Jahrhunderte einen bedeutenden Kunstschatz erworben. Basis war die Sammlung des Theologen Heinrich Ignaz von Wessenberg aus dem frühen 19. Jahrhundert. Dank Stiftungen und städtischer Ankäufe wuchs sie weiter kontinuierlich. Von 1889 bis 1945 war dafür der Maler Heinrich Schmidt-Pecht verantwortlich. Seiner einflussreichen Tätigkeit widmet die Wessenberg-Galerie erstmals eine Ausstellung, die Licht und Schatten zeigt.

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Ausstellung in der Wessenberg-Galerie

Der Konstanzer Kunstsammler Heinrich Schmidt-Pecht

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Egal, ob der Chorknabe oder die feine adelige Dame: Heinrich Schmidt-Pecht stattete die Protagonisten seiner Gemälde mit prächtigen Gewändern aus. Sein Frühwerk der 1880er Jahre steht ganz im Zeichen des Historismus: pathetische Inszenierungen mit barocker Opulenz.

Heinrich Schmidt-Pecht: Chorknabe im Überlinger Münster, 1879, Öl auf Leinwand; 144 x 66,5 cm. Und: Bemaltes Photoalbum, ohne Jahresangabe. Einband aus gepresstem und bemaltem Leder, 34,5 x 20 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz.

Egal, ob der Chorknabe oder die feine adelige Dame: Heinrich Schmidt-Pecht stattete die Protagonisten seiner Gemälde mit prächtigen Gewändern aus. Sein Frühwerk der 1880er Jahre steht ganz im Zeichen des Historismus: pathetische Inszenierungen mit barocker Opulenz.

Heinrich Schmidt-Pecht: Chorknabe im Überlinger Münster, 1879, Öl auf Leinwand; 144 x 66,5 cm. Und: Bemaltes Photoalbum, ohne Jahresangabe. Einband aus gepresstem und bemaltem Leder, 34,5 x 20 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz.

Mit diesem Malstil kehrte Schmidt-Pecht von seinem Kunststudium in Karlsruhe zurück nach Konstanz. Dort übernahm er den elterlichen lithographischen Betrieb. Doch mit seiner Frau Elisabeth, die er beim Studium kennenlernte, ging er schnell andere Wege und rückte dafür die Druckgraphik in den Hintergrund.

Heinrich Schmidt-Pecht: Bildnis von Elisabeth Schmidt-Pecht, 1889, Pastell auf Karton, 46,3 x 39,4 cm.

Gemeinsam entwarfen sie Kunstkeramik. Neben Stilleben sind auch einige Vasen, Teller und Krüge ausgestellt, mit denen sie als Keramiker auf den Weltausstellungen wie etwa in Paris vertreten waren. Elisabeth und Heinrich arbeiteten nicht nur künstlerisch erfolgreich zusammen, sondern hatten auch einen großen gemeinsamen Bekannten- und Freundeskreis, wobei Elisabeth die Kontakte pflegte.

Heinrich Schmidt-Pecht: Hortensien in einer Vase, 1915, Öl auf Leinwand, 47,5 x 56,5 cm.

Im Haus von Schmidt-Pecht ging auch der Kunstförderer Großherzog Friedrich I. von Baden ein und aus, der oft auf der nahen gelegenen Insel Mainau weilte. Durch ihn kamen die Schmidt-Pechts wiederum mit dem Karlsruher Künstler Hans Thoma in Kontakt. Eine Zeichnung zeigt gemeinsame Bootstouren auf dem Bodensee.

Hans Thoma: ohne Titel (Kahnfahrt), Bleistift auf Papier. 22,5 x 29,5 cm.

1889 übernahm Schmidt-Pecht ehrenamtlich die Leitung der städtischen Galerie, plante Ausstellungen, pflegte und erweiterte die Sammlung.

Heinrich Schmidt-Pecht: Bemaltes Photoalbum, ohne Jahresangabe. Einband aus gepresstem und bemalten Leder. 38,5 x 23 cm. Rosgartenmuseum Konstanz.

Schmidt-Pecht war umtriebig und mischte sich bald an allen Stellen des Konstanzer Kunstlebens ein, saß in sämtlichen Kunstkommissionen und war auch ein eifriger Leserbriefschreiber.

Heinrich Schmidt-Pecht: Pfingstrosen in einer Vase, 1916, Öl auf Leinwand. 47,5 x 56 cm.

Mit dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs schlossen die Schmidt-Pechts ihr Keramikatelier. Schmidt-Pecht fing wieder an zu malen. Während sich andere längst mit der Erneuerung der Kunst auseinandersetzten, malte er mit einer historischen Bildsprache Pfingstrosen, eine „Kiesgrupe bei Konstanz“ und die alte Rheinbrücke – rückwärts gewandte Kunst.

Heinrich Schmidt-Pecht: Alte Rheinbrücke in Konstanz; 1915. Öl auf Leinwand; 46 x 62 cm, Privatbesitz.

In einer Zeit, in der andere Museen Impressionisten und Expressionisten ankauften und ausstellten, zeigen Schmidt-Pecht Ankäufe: Er blieb unbeeindruckt von der großen Aufbruchsstimmung, steckte fest in der Jahrhundertwende. In der Konstanzer Kunstszene rumorte es deshalb.

Hans Thoma: Mondscheingeige, 1897. Algraphie in vier Farben, mit Aluminium gehöht auf Papier, 42 x 53,5 cm.

In den 20er Jahren beschloss der Konstanzer Bürgermeister Mörike einen offenen Angriff auf das Kunstmonopol von Pecht. Eine Kunstkommission sollte jetzt mit Pecht über Kunsteinkäufe für die Sammlungen entscheiden. Damit habe sich die Kunstszene in der Stadt erheblich weiterentwickelt, so die Leiterin der Wessenberg-Galerie, Barbara Stark.

Hans Thoma: Meereserwachen; 1897, Algraphie in Olivgrün, Rot und Schwarz auf Papier; 41,7 x 53,8 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Nachlass Heinrich Schmidt-Pecht.

Das Ergebnis waren eine Aufhellung der Palette, neue Sachlichkeit, der Ankauf qualitativ hochwertiger Arbeiten wie von Karl Hofer oder dem Expressionisten Waldemar Flaig, die die Sammlung bis heute auszeichnen.

Waldemar Flaig: Am Meersburger Hafen; ohne Jahr, Öl auf Malpappe; 25 x 28,5 cm, Städtische Wessenberg-Galerie Konstanz, Nachlass Heinrich Schmidt-Pecht.

Ankäufe der Werke von Malern wie Hans Purrmann, Rudolf Wacker oder Walter Waentig änderten nichts daran, dass Heinrich Schmidt-Pecht seiner konservativen Orientierung treu blieb.

Rudolf Wacker: Kleiner Hafen, 1928. Öl auf Holz, 59 x 63 cm.

Auch im Nationalsozialismus blieb Heinrich Schmidt-Pecht als Sammler aktiv. Auf einigen der Bilder, die er entsprechend dem verordneten Kunstgeschmack im Dritten Reich für die Sammlung erwarb, flattern Hakenkreuzfahnen. In der Ausstellung bilden sie den Abschluss. Auf beeindruckende Weise dokumentiert sie eine Etappe der Konstanzer Stadt- und Kunstgeschichte.

Heinrich Schmidt-Pecht: Ruine am Meer, ohne Jahresangabe. Öl auf Leinwand. 47,6 x 71,8 cm.

3:29 min | Fr, 18.1.2019 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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