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Ausstellung Die ironischen "Congo Stars" in Tübingen

Von Karin Gramling

Wird es auf die eine Art schlecht - oder auf die andere? In prägnanten, ironischen Bildern setzen sich kongolesische Künstler mit der Krisengeschichte ihrer Heimat auseinander. Die großartige Ausstellung „Congo Stars“ in der Kunsthalle Tübingen zeigt populäre Malerei aus dem Kongo von den 1960er-Jahren bis heute.

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Ausstellung

Bilder zu "Congo Stars" in der Kunsthalle Tübingen

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„Der Kongo an der Wegkreuzung“ - an zentraler Stelle hängt eines der Bilder des Künstlers SAPINart. Es beschreibt die derzeitige Situation der Demokratischen Republik Kongo. Ein Kongolese steht an dieser Kreuzung. Geht er auf die Europäer zu, die ehemaligen Kolonialmächte? Oder bewegt er sich in Richtung eines in grellen Farben gemalten Chinesen, mit überdimensioniertem Haifisch-Lachen, der ihm einen Stapel Geldscheine hinhält?

Hier auf dem Bild von SAPINart: Bild eines reichen Kongo und der Hoffnung, L'image d'un Congo prospère et d'espoir, 2006. Acryl auf Leinwand, 120 x 200 cm.

„Der Kongo an der Wegkreuzung“ - an zentraler Stelle hängt eines der Bilder des Künstlers SAPINart. Es beschreibt die derzeitige Situation der Demokratischen Republik Kongo. Ein Kongolese steht an dieser Kreuzung. Geht er auf die Europäer zu, die ehemaligen Kolonialmächte? Oder bewegt er sich in Richtung eines in grellen Farben gemalten Chinesen, mit überdimensioniertem Haifisch-Lachen, der ihm einen Stapel Geldscheine hinhält?

Hier auf dem Bild von SAPINart: Bild eines reichen Kongo und der Hoffnung, L'image d'un Congo prospère et d'espoir, 2006. Acryl auf Leinwand, 120 x 200 cm.

Kurator Günter Holler-Schuster: „Man erkennt die eigene Situation im Land, die Möglichkeit, sich jetzt zu entscheiden. Wird es gut, oder wird es schlecht? Wird es auf die eine Art schlecht, oder wird es auf die andere Art schlecht? Es ist eine sehr prägnante, sehr klischeehafte und sehr deutliche Sprache.“

Auf dem Bild: Gosette Lubondo, An Imaginary Trip, #11, 2016. C-prints, je 40 x 60 cm.

Gesellschaftskritik mit Witz und Selbstironie, verpackt in farbenprächtige Bilder, das zeichnet die meisten Werke aus. Oft erinnern die Arbeiten an Comics. Die Künstler arbeiten mit Schrift und Sprechblasen. Kein Wunder, denn viele von ihnen kommen aus der Werbebranche.

Auf dem Bild: Monsengo Shula, Roi satellite, 2012. Acryl auf Leinwand, 140 x 140 cm.

Allen Bildern gemeinsam ist ihr realistischer Stil. Thematisch geht es um Ausbeutung, Promiskuität, Aids, Mythologie, traumatische Erlebnisse, wie Vergewaltigung durch Rebellengruppen oder um den ehemaligen Diktator Mobutu, der das Land, das damals noch Zaire hieß, über Jahrzehnte knechtete.

Auf dem Bild: Maître SYMS, Article 15, 1992. Acryl auf Leinwand, 89 x 81 cm.

Aber auch ganz alltägliche Szenen sind zu sehen, wie zum Beispiel das fröhliche Treiben in den Bars. Moke, einer der berühmtesten Künstler seines Landes, malte sie mit Vorliebe. Wilde, pralle Tanzszenen, in denen sich buntgekleidete Leiber aneinander reiben.

Auf dem Bild: Moke - Nganda Tika Muana, 1992. Öl auf Leinwand, 137x159,5 cm.

Kurator Günter Holler-Schuster: „Bars sind, laut Moke, auch eine Form der Beruhigung des Volkes, die von der Obrigkeit sehr gern gesehen und unterstützt wird. Denn wenn sich die Menschen amüsieren, kommen sie scheinbar nicht zum Politisieren. Für Moke ist es auch wichtig, diesen Aspekt zu zeigen, dass das Volk im Amüsement gehalten werden soll.“

Hier auf dem Bild: Kayembe F, Mami Wata, Kinshasa, DRC, 1962. Öl auf Leinwand, 40 × 55,5 cm.

Der Stellenwert der Maler in der Demokratischen Republik Kongo ist seit jeher erstaunlich. Sie gehören genauso zu den Berühmtheiten ihres Landes, also zu den Congo Stars, wie bekannte Sportler oder Musiker. „Wir sind der Spiegel unserer Gesellschaft, die Boten unseres Landes“. sagt der Maler Ange Kumbi.

Auf dem Bild: Chéri Chérin, Los Galacticos, 2010. Acryl auf Leinwand, 144 x 220 cm.

In Windeseile greifen die Künstler seit jeher politische Ereignisse auf und kommentieren sie. Die bewegte Geschichte des Landes zieht sich wie ein roter Faden durch die Schau. Schautafeln erzählen von endloser Diktatur, Korruption und staatlichem Terror, dem die Kongolesen zu entkommen versuchen – oft mit Phantasie.

Auf dem Bild: Chéri Samba, Le Marche de soutien contre le SIDA, 2006. Acryl auf Leinwand, 200 x 288,5 cm.

Die Hoffnung liegt derzeit aber auch in der Digitalisierung und den Möglichkeiten, die sie bietet. Der Glaube an ein besseres Leben ist da. Kurator Günter Holler-Schuster: „Es geht um Details, die auch im Westen für Luxus stehen. Mit ihnen hat man's geschafft, hat man den Erfolg. Aus der Geschichte eines „failed state“ heraus ist das natürlich eine mächtige Imagination in die Zukunft, die wichtig ist und wieder neue Legenden erzeugt.“

Auf dem Bild: Bodys Isek Kingelez, Tokyo yéyé, 1993. Papier, Karton, Plastik, verschiedene weitere Materialien, 54 x 50 x 50 cm.

„Congo Stars“ ist eine großartige Ausstellung, die einen differenzierten Blick auf die heutige Demokratische Republik Kongo wirft.

Auf dem Bild: Gosette Lubondo, An Imaginary Trip, #1, 2016. C-prints, je 40 x 60 cm.

3:57 min | Fr, 8.3.2019 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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Die ironischen "Congo Stars" in Tübingen

Karin Gramling

Die großartige Ausstellung „Congo Stars“ in der Kunsthalle Tübingen zeigt, wie sich kongolesische Künstler seit den 1960er Jahren mit der Geschichte ihrer Heimat auseinandersetzen.


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