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Technik Museum Speyer zeigt mit Autos Zeitgeist der 70er Alte Autos wecken alte Gefühle

Kultur Regional am 12.10.2017 von Theo Schneider

Das Technik Museum in Speyer präsentiert in einer Sonderausstellung Autos aus den 70er Jahren. Getunt mit einer Handvoll Motorrädern, Zubehör und einigen zeitgenössischen Accessoires vom Strandkleid bis zu Musikkassetten.

Blechbox auf vier Rädern

Im Vergleich zum ersten Golf sah der Kadett noch gut aus - fast ein Hauch von Coupé! Der Golf dagegen: quadratisch, praktisch, kurz. Eine Blechbox auf vier Rädern. Das Armaturenbrett so aufregend wie das Bedienfeld einer Spülmaschine. Und der Verbrauch: Bloß acht Liter auf 100 Kilometer. Soviel schluckt heute der Geländewagen, mit dem Sie ihre Kinder in die Schule fahren. Apropos Verbrauch: Beim Anblick der alten Aral-Zapfsäule fällt mir ein, wie empört wir waren, als 1973 der Liter Sprit erstmals mehr als 1 D-Mark gekostet hat.

Ein ganz anderes Lebensgefühl

Fotos mit leeren Autobahnen am Sonntags-Fahrverbot, mit Schleyer-Entführung, RAF und dem Weltraumlabor Skylab, das gleich daneben übrigens auch im Original seiner Testvariante zu bestaunen ist, erinnern daran, dass die 70er nicht nur aus Auto-Verkehr bestanden - meint auch ein Besucher: Auch aus "Rock`n`Roll natürlich! Ein ganz anderes Lebensgefühl. Diskutieren war immer 'in'. Wenn unsere Eltern gefragt haben: Was habt ihr gemacht? Diskutiert! Also viel mehr geredet. Das ist ja der Unterschied zu der heutigen Jugend. Man hat sich ständig getroffen. Man brauchte nicht viel, um Partys zu schmeißen. Da reichte ein Keller mit Matratzen und ein paar roten Lämpchen und ein bisschen Rock 'n' Roll Musik."

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Bis 8.4.2018 im Technik Museum Speyer

Ausstellung "Deutschland in den 70ern"

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Schlaghosen, Fototapeten und Ölkrisen - die 70er Jahre stehen für ein Lebensgefühl, für wirtschaftliche und politische Probleme aber auch für bunte Farben und skurrile Muster.

Schlaghosen, Fototapeten und Ölkrisen - die 70er Jahre stehen für ein Lebensgefühl, für wirtschaftliche und politische Probleme aber auch für bunte Farben und skurrile Muster.

Da sind auch die schrillen Fahrzeuge nicht wegzudenken.

Das Technik Museum Speyer zeigt mit seiner neuen Sonderausstellung "Deutschland in den 70ern – Ein kunterbuntes Kultjahrzehnt" einen motorisierten Querschnitt dieser Zeit.

Ob Papas erstes Auto, oder das eigene, präsentiert werden 16 Retro-Fahrzeuge, die man heute zwar nur noch selten auf der Straße sieht, zu denen es jedoch viele persönliche Geschichten oder Erinnerungen gibt.

In der Raumfahrthalle stehen unter anderem ein Mercedes „Strich 8“, ein Ford Capri RS, ein Golf I GTI und ein Opel Admiral V8 aber auch ein Porsche 924, ein VW Bus T2 „Camper“ und ein NSU RO 80.

Ecken und Kanten

Zum Beispiel mit dem Titel 'Autobahn' von der Band 'Kraftwerk', der sogar in die amerikanischen und britischen Charts kam. Die zerkratzten Singles von damals baumeln in Vitrinen über Radiorecordern und Musikkassetten.

"Deutschland in den 70ern" Ausstellung Technik Museum Speyer, Oktober 2017

"Deutschland in den 70ern" Ausstellung Technik Museum Speyer, Oktober 2017

Sehr eckig geriet auch der Versuch von Opel, mit Modellen wie Diplomat und Admiral im Stil der amerikanischen Blechbadewannen, Mercedes Konkurrenz zu machen. Gegen den 280er SE mit 200 PS aus einem 3,5 Liter Motor hatten sie keine Chance. Ebenso wenig wie der 'RO 80', der ein schickes Auto und dessen Zwei-Scheiben-Wankelmotor eine revolutionär neue Konstruktion war, aber dann doch zu reparaturanfällig, um dauerhaft Erfolg zu haben.

Zwar zeigt die Ausstellung auch einige Traumautos wie den RO 80 oder einen knallroten Porsche Turbo und Zweiräder vom Mofa bis zur legendären 'Münch 4', hauptsächlich aber sagt Michael Stiller vom Technik Museum: "Autos, die damals die Massen gefahren haben. Autos, die sich damals viele leisten konnten. Da kommen einfach wieder Geschichten von früher hoch. Mit dem Auto verbindet man viele Erinnerungen. Man nutzt es täglich. Viele Leute, die durch die Ausstellung gehen, fühlen sich zurückversetzt in die 70er Jahre."´

Flower Power Autolack

Dieses Konzept geht auf. Für Besucher jenseits der 50 sind diese Autos nicht nur Fortbewegungsmittel, sondern Maschinen für Zeitreisen zurück in Kindheit und Jugend. Als die Autolackierungen so bunt waren wie die Flower-Power-Klamotten im Camping-Vorzelt für den VW-Bus - und Frauen, die nie so genau wussten, wo nun der Motor war.

Besucher sind begeistert: "Ganz toll der Kleine. Die Knutschkugel - so wurde sie genannt." Er: "Da war der Motor noch hinten!" Sie: "Bis ich das gemerkt hatte, das hat ein bisschen gedauert - als Frau. Ich wurde mal angehalten und bin dann nach vorne gegangen - ja, das war der Lacher der Nation."

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