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"Asterix in Italien" Wagenrennen mit schwäbischen Markomannen

Kulturgespräch mit Denis Scheck am 19.10.2017

Der neue Asterix ist da. SWR-Literaturkritiker Denis Scheck gehört zu den wenigen Auserwählten, die den Band vorab lesen durften. Er ist begeistert. Asterix liefert sich in Italien ein Wagenrennen. Mit von der Partie: Markomannen, die stark an schwäbische Autobauer erinnern.

SWR2: Es ist ein gewaltiges Medienereignis, strategisch vorbereitet. Schon Anfang des Monats hatten die Asterix-Macher streng vertraulich zu einer Pressekonferenz eingeladen. Auch bei der Frankfurter Buchmesse wurde heftig die Werbetrommel gerührt. Aber ab heute gibt's die heiße Ware nun in den Läden. SWR-Literaturkritiker Denis Scheck, machen wir es erstmal wie die Römer bei den Gladiatorenkämpfen: Daumen rauf oder runter?

Denis Scheck: Da muss ich erstmal sagen: ,Morituri te salutant', ich grüße Sie! Mein Daumen geht extrem nach oben. Das zeichnete sich aber auch schon ab, schon der letzte Asterix, "Der Papyrus des Cäsar", eine Satire auf den Literaturbetrieb mit Cäsar als Bestsellerautor von "De bello gallico", war ja wirklich nach langen Jahren der Ödnis ein Vergnügen. Als Goscinny starb und Uderzo die Verantwortung für die Reihe alleine stemmen musste und seine eigenen Szenarios schrieb, war das schon eine lange Abenddämmerung eines Mythos.

Und da ist es jetzt ein Vergnügen, dass der Szenarist Jean-Yves Ferri und der Zeichner Didier Conrad die Serie auf einen neuen Höhepunkt zugesteuert haben, und das ist "Asterix in Italien" auf jeden Fall.

SWR2: Und was ist daran neu? Der Titel "Asterix in Italien" klingt ja erstmal nicht sehr originell?

Denis Scheck: Naja, wenn man genau hinschaut - und die Asterix-Bände sind ja meine Kindheitslektüre, ich habe mich regelrecht gekloppt um die ersten Asterix-Comics in öffentlichen Bibliotheken, wer die wann ausleihen durfte, das kommt ja auch selten vor -, also wenn man genau hinschaut, dann merkt man, dass Asterix bisher zwar sehr wohl in Rom war, aber so gut wie nie in Italien. Und das haben die Zeichner eben auch gemerkt und veranstalten ein großes Wagenrennen. Obelix wird Aurige, also Wagenlenker, und es geht um ein Wagenrennen zwischen Monza und Neapolis, also Neapel.

Wir bekommen sehr viel von Italien zu sehen, sogar Venedig vor seiner eigentlichen Entstehung. Es ist ein großes Vergnügen, weil die Barbarenstämme an diesem Wagenrennen teilnehmen, darunter auch die Markomannen. Das sind die Vorläufer von uns Schwaben. Der Markomanne sagt dabei: ,Er lässt uns die Drecksarbeit erledigen, weil wir Südgermanen in der Wagentechnik nicht ganz unbeleckt sind'. Und diese Markomannen lässt der wunderbare Übersetzer dann auch ein bisschen schwäbeln. Die sagen dann solche Sätze wie: "Es pressiert!"

SWR2: Die Asterix-Comics sind ja auch bekannt für solche kleinen Anspielungen oder Seitenhiebe auf den Zeitgeist. Was bietet da der neue Band - außer Schwaben?

Denis Scheck: Naja, der favorisierte römische Wagenlenker trägt eine Maske mit Dauergrinsen, die ein bisschen an Guy Fawkes denken lässt, und ich wäre natürlich jetzt ein Hundling von einem Kritiker, wenn ich den Hörerinnen und Hörern verraten würde, wer darunter steckt - aber es endet mit einer Überraschung, so viel sei gesagt. Es gibt alle möglichen Andeutungen und Wortspielen, natürlich auf die Autoindustrie, die Cebit kommt vor - allerdings als Akronym auf das ,Keltische Brauchtum und innovative Technik', ein Erlkönig gibt sich die Ehre und so weiter. Meine Lieblingsfiguren waren zwei Prinzessinnen aus dem Königreich Kusch, Etepetete und Rakete mit Namen, die sich - so glaubt Obelix - in ihn verlieben. Aber sie lieben nur seinen Hund. Insofern ist es auch etwas für gebrochene Herzen.

SWR2: Die Macher, Jean-Yves Ferri und der Zeichner Didier Conrad, haben gesagt, dieser Asterix sei ungewollt ein Gleichnis auf die europäische Einigung geworden. Können Sie damit etwas anfangen?

Denis Scheck: Natürlich, zum Beispiel wenn einer der Barbaren sagt ,Wir sind doch keine Barbaren!', dann ist das im Grunde das tägliche Brot, das uns Brüssel zu essen gibt. Es gibt auch das Machtspiel ,Rom gegen den Rest der Welt', und da wollen wir doch einmal abwarten, wer gewinnt.

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