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Das Erste-Fernsehdoku: Das verrohte Land Der Hass auf die Helfer

Interview am 23.7.2018 mit Filmemacherin Katja Riha

Was ist los in diesem Land? Momentaufnahmen zeigen Formen der Verrohung gegenüber Feuerwehr, Polizei, Rettungskräften, öffentlichen Angestellten: Nach einer Schlägerei bei einem Musikfestival in Darmstadt gibt es über 100 Festnahmen. Ein Bürgermeister im Sauerland wird mit dem Messer attackiert, ein Busfahrer in Frankfurt ist nach einer Schlägerattacke auf einem Auge erblindet. Solche Übergriffe sind Thema der ARD-Fernsehdokumentation "Das verrohte Land".

Was steckt hinter Attacken auf Feuerwehr und Rettungskräfte?

Die Nachrichten häufen sich, über Attacken auf Feuerwehrleute, Rettungskräfte und die Polizei. "Wir wollten sehen, was ist da los in diesem Land", sagt die Filmemacherin Katja Riha über die ARD-Dokumentation "Das verrohte Land".

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Das Erste-Fernsehdokumentation "Das verrohte Land"

Wie Behörden auf Gewalt reagieren

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Es sind Beispiele der Verrohung gegenüber Beamten. Am Hannoveraner Hauptbahnhof wird ein Bundespolizist von einem Mann niedergestreckt. Schnell umringt eine Menschenmenge den Polizisten, filmt mit dem Handy und feuert den polizeilichen Gegner an. Filmautorin Katja Riha: "Überrascht hat uns die Massivität solcher Attacken."

Es sind Beispiele der Verrohung gegenüber Beamten. Am Hannoveraner Hauptbahnhof wird ein Bundespolizist von einem Mann niedergestreckt. Schnell umringt eine Menschenmenge den Polizisten, filmt mit dem Handy und feuert den polizeilichen Gegner an. Filmautorin Katja Riha: "Überrascht hat uns die Massivität solcher Attacken."

Feuerwehren rüsten auf, denn die Gaffer werden immer aggressiver. Sie betreten die Unfallstelle, rücken mit ihrem Smartphone Einsatzkräften und Opfer nach. Verhindern sollen das nun eigens angeschaffte Sichtschutzwände. Katja Riha: "Erschüttert hat uns, dass bei den Feuerwehren insbesondere auch freiwillige Helfer attackiert, angepöbelt, bespuckt werden."

Sicherheitspersonal in deutschen Krankenhäusern gehört inzwischen zum Alltag. Hier eine Notaufnahme in Mönchengladbach. Wenn ein Patient zu schimpfen beginnt oder das Personal bedroht, rufen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter den Sicherheitsmann. Auch Hausverbote sind mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Wegen der vielen Übergriffe ergreifen viele deutsche Ordnungsämter Maßnahmen zur Selbstverteidigung, bieten ihren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Selbstverteidigungskurse an, schulen im Gebrauch von Schlagstock und Pfefferspray. Regelmäßig wird Selbstverteidigung gegen Angreifer geprobt, auch gegen Messerattacken. Katja Riha: "Die Bereitschaft, mit uns darüber zu sprechen, war allerdings gleich Null."

Seit einigen Monaten sitzt die Mitarbeiterin am Empfang des Bonner Rathauses hinter fingerdickem Glas. Ein Bürger hatte sie angegriffen und war sogar über die Theke gesprungen. Die Stadt sah keine andere Möglichkeit mehr, die Mitarbeiterin zu schützen. Katja Riha: "Bei den Recherchen ist uns klargeworden, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Wir haben Behörden angeschrieben. Alle haben bestätigt, dass Mitarbeiter angegriffen und bepöbelt werden."

Allgemeiner Hass auf den Staat wird abreagiert

Die Qualität der Gewalt habe sie am meisten überrascht und auch wer alles angegriffen wird, nämlich auch Behördenmitarbeiter, Zugbegleiter und Menschen, die in Kliniken arbeiten.

Oft ist da von Einzelfällen die Rede. "Es sind aber keine Einzelfälle", sagt Katja Riha. Obwohl die Zahl der Gewalttaten insgesamt zurückgehe, nähmen diese Attacken zu. Eine Erklärung sei, dass viele Bürger mittlerweile einen regelrechten Hass auf diesen Staat hätten und die Gewalt dann die Menschen trifft, die als Vertreter des Staates angesehen werden.


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