Bitte warten...

Ehrung für argentinischen Schriftsteller in Mainz Manguel mit Gutenberg-Preis ausgezeichnet

Am 25.6.2018 von Alexander Wasner

Vor vier Jahren erhielt Umberto Eco den Mainzer Gutenberg-Preis. Damals staunten viele darüber, dass es einen Preis dieses Namens überhaupt gab. Und noch mehr darüber, dass sich Umberto Eco geehrt fühlte, ihn zu erhalten. Den Gutenberg-Preis widmet die Fachwelt denen, die erfolgreich die Sache des Buches vertreten. Zu den würdigen Preisträgern gehört deshalb fraglos auch der argentinische Schriftsteller Alberto Manguel, der jetzt in Mainz die Auszeichnung erhielt.

Jeden Morgen zur Lektüre ein Gesang von Dante

Alberto Manguel ist 70. Er ist Direktor der argentinischen Nationalbibliothek und Besitzer einer eigenen Bibliothek von 40.000 Bänden. Einige davon hat er selbst geschrieben, unter anderem den Bestseller: „Die Geschichte des Lesens“.

Darin beschreibt er weit übers Historische hinaus, welche Bedeutung Lesen als Kulturtechnik hat. 35 Millionen mal wurde das Buch weltweit verkauft, eine stolze Zahl. Lesen bedeutet Manguel alles, jeden Morgen liest er einen Canto aus Dantes berühmter "Göttlicher Komödie", wie andere Leute Liegestütze oder Yoga machen.

Buchcover: Alberto Manguel "Eine Geschichte des Lesens"

Der große Bestseller von Alberto Manguel: "Eine Geschichte des Lesens" wurde 35 Millionen mal weltweit verkauft.

"Ich bin erstaunt und beschämt"

Den Gutenberg-Preis nahm er mit einer Begeisterung entgegen, die geradezu rührend war: "Für jemanden, der wie ich an Büchern, am Lesen und Schreiben interessiert ist, ist es das außergewöhnlichste Ereignis der Welt, den Gutenberg-Preis zu bekommen. Egal was Johannes Gutenberg eigentlich wollte – er ist nun einmal der Nationalheilige des Buchs. Wir hätten nicht die Welt, die wir haben, ohne Gutenberg. Ich bin erstaunt und beschämt."

Gutenberg-Museum mit Besucherrekord

Michael Ebling, Mainzer Oberbürgermeister, ging natürlich auch auf die Probleme rund um Gutenberg ein. Bekanntlich haben die Bürger ja mit 80 Prozent Mehrheit gegen den von Stadt und Museum geplanten Erweiterungsbau gestimmt.


Ebling wies daraufhin, dass die Entscheidung gegen den Turm keine gegen das Museum sei und man gerade neue Pläne schmiede, wie man in Mainz sein Welterbe bewahren will. Und er wies darauf hin, dass dessen ungeachtet das Gutenberg-Museum im vergangenen Jahr einen Besucherrekord zu verzeichnen gehabt hätte: 145.000 Besucher erreicht kein anderes Museum in Rheinland-Pfalz.

"Manguel spendet Trost in schwierigen Zeiten für das Buch"

Auch der Leiter des Hamburger Literaturhauses Rainer Moritz würdigte Manguel. Der sei jemand, der Trost spende in Zeiten, in denen sich das Buch und die Welt insgesamt in fragwürdiger Verfassung präsentieren.

Diese Welt kennt Alberto Manguel also ziemlich gut. Er lebte in Paris, Tahiti und Buenos Aires. Unter anderem davon handelt sein neues Buch. Es heißt „Die verborgene Bibliothek“.

Der argentinische Schriftsteller Alberto Manguel vor einer Bücherwand

Alberto Manguel lebte in Paris, Tahiti und Buenos Aires. Über Gutenberg sagt er: "Er war ein Erfinder, ein Geschäftsmann, er war kein Intellektueller. Aber er erleichtertet Wissensweitergabe und steht deshalb in hohem Ansehen."

"Gutenberg war ein Erfinder, kein Intellektueller"

Der Essayroman erzählt, wie er seine Bibliothek von 40.000 Bänden aus Paris nach Kanada umziehen muss. Eine tragische Erfahrung, die er durchaus gut gelaunt und nachdenklich erzählt - seine Grundhaltung.

Am Ende zitierte Manguel einen Satz von Martin Luther. Gutenbergs Erfindung sei das letzte Auflodern vor dem Erlöschen der Welt. Aber er kann auch weniger rätselhaft über den Namenspatron seines Preises reden: "Gutenberg war ein Erfinder, ein Geschäftsmann, er war kein Intellektueller. Aber er erleichtertet Wissensweitergabe und steht deshalb in hohem Ansehen."

Es gibt keine Welt, wenn nicht in Büchern

In seiner Dankesrede ging Manguel auf ein altes Problem ein: Beschreiben Bücher die Welt, in der wir leben? Oder ist die Welt so etwas wie ein Buch, weil wir sie nur in immer neuen Fassungen lesen und interpretieren?

Das ist der Stoff, aus dem Umberto Eco, Jose Luis Borges und Franz Kafka Weltliteratur gemacht haben. Dementsprechend war die anspruchsvolle Dankesrede Manguels keine Verteidigung des Buchs, sondern ein sehr selbstbewusstes Statement: Es gibt keine Welt, wenn wir sie nicht im Buch beschreiben.


Der Gutenberg-Preis wird alle zwei Jahre von der Gutenberg-Gesellschaft verliehen und ist mit 10.000 Euro dotiert. Er wurde im Rahmen der Mainzer Johannisnacht dem argentinischen Schriftsteller Alberto Manguel verliehen.

Weitere Themen in SWR2