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Komponieren für Computerspiele Von Pacman bis Champions of Anteria

In Video- und Computerspielen übernimmt die Musik eine herausragende Rolle, weil sie den Spieler in fremde Welten versetzt. Linear komponieren kann man dabei nicht.


Beispiel: "Champions of Anteria"

Ein gutes Beispiel für Computerspiel-Musik ist die von "Champions of Anteria". Sie klingt wie Filmmusik. Die Aufgabe des Komponisten war: "Komponiere mir ein Stück, das völlig überladen ist!", sagt Stefan Randelshofer. Er ist Audio-Direktor, man könnte auch sagen Ton- und Musikchef bei Bluebyte/Ubisoft in Düsseldorf.

Die Musik ist sowohl auf die verschiedenen Charaktere, die man als Spieler übernehmen kann - z.B. den Beastmaster - als auch auf die drei Gegenden, in denen die Helden von „Champions of Anteria“ kämpfen, zugeschnitten.


In "Nordland" hört man z.B. gläserne Streicher. Sobald man aber mit seinem Beastmaster dort einzieht, folgt dessen schwerer Sound und legt sich über die Basismusik. Dahinter stecken keine Samples sondern reale Orchester- und Chorstimmen.

Die Komponisten denken in Ebenen, nicht linear

Stefan Randelshofer hatte für diese üppige, vielschichtige Komposition den Amerikaner Jeff Broadbent eingekauft. Broadbent denkt und arbeitet, wie alle Fachleute für Computerspielemusiken, nicht linear, sondern in Ebenen: Der Komponist einer Tatort-Musik weiß, bei 2 Minuten 33 Sekunden wird die erste Leiche zu sehen sein, also komponiert er sich dahin, indem er Spannung aufbaut, die dann, zum Beispiel mit einem einzelnen hohen Ton aufgelöst wird. Bei Computerspielen hat es der Spieler, nicht der Hersteller in der Hand, was nach 2 Minuten 33 Sekunden passiert.

Im kollektivem Musikgedächtnis: Die Pacman-Melodie

Noch Mitte der 1980er Jahre gab es das ganze Spiel über nur einen einzigen Soundtrack, der sich wegen dieser Penetranz nicht nur zum temporären Ohrwurm entwickelte, sondern oft auch ins kollektive Musikgedächtnis wanderte. Wer die Melodie von Pacman hört, wird wahrscheinlich ein Labyrinth mit einer gelben Fresspille vor sich sehen.

Im Programm

1. Preisträgerkonzert des 68. ARD Musikwettbewerb 2019,
ausgetragen in den Fächern Klarinette, Violoncello, Fagott und Schlagzeug
Münchner Rundfunkorchester
Leitung: Valentin Uryupin
(Konzert vom 18. September im Münchner Prinzregententheater)

Musikliste:

Ferran Cruixent:
Focs d'artifici
Aurélien Gignoux (Frankreich/Schweiz, 2. Preis Schlagzeug)
Carl Maria von Weber:
Fagottkonzert F-Dur op. 75
Theo Plath (Deutschland, 3. Preis Fagott)
Elliott Carter:
Klarinettenkonzert
Han Kim (Südkorea, 2. Preis Klarinette)
Robert Schumann:
Klarinettenkonzert a-Moll op. 129
Sihao He (China, 3. Preis Cello)

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