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Eine Frau hält sich das Knie

Knorpelschaden Alternativen zur Prothese

Vor allem bei sportlich aktiven Menschen kommt es nicht selten zu Knorpelverletzungen aufgrund einer massiven Verdrehung des Gelenks. Jede Bewegung löst dann Schmerzen aus. Unbehandelt wird der Knorpeldefekt mit der Zeit aber immer größer. Die meisten Betroffenen lassen sich im Verlauf der Erkrankung ein künstliches Gelenk einsetzen. Doch es gibt Alternativen: Je nach Größe des Knorpeldefekts stehen mehrere Verfahren zur Verfügung.

Ist der Knorpel gesund, federt er Stöße ab und sorgt für ein reibungsloses Gleiten zwischen den Knochenenden, erklärt Karl-Dieter Heller, Orthopäde am Herzog Elisabeth Hospital Braunschweig.

Heller: "Der Knorpel ist der Überzug über den Knochenenden, die ein Gelenk bilden." Ist deren Oberfläche verletzt, rau oder abgenutzt, reiben die Knochenende ohne schützenden Puffer aneinander. So schreitet der Knorpelschaden immer weiter fort, da das "reibungslose Gleiten" fehlt, und es so zu immer mehr "Abrieb im Gelenk" kommt. "Diese Knorpelfragmente, die sich lösen, führen zu einer entzündlichen Veränderung im Gelenk." Und das verursacht Schmerzen.

Um den fortschreitenden Schaden einzudämmen gibt es, je nach Größe des Defekts, drei Verfahren. So will man "im Endeffekt das künstliche Gelenk vermeiden und natürlich auch Schmerzlinderung zu betreiben", erklärt Heller. "Wir haben als gängige Verfahren für die Knorpeltherapie drei Methoden: einmal die Mikrofakturierung, dann das ACT-Verfahren und die richtige Knorpeltransplantation."

Mikrofrakturierung

Die Mikrofrakturierung kommt bei kleinen abgegrenzten Knorpelschäden in Frage. Während einer Arthroskopie, einer Kniespiegelung, werden in regelmäßigen Abständen Löcher in den Knochen und ins Knochenmark gebohrt. Aus dem Knochenmark blutet es dann in die Bohrlöcher und so gelangen Stammzellen in den Defekt, aus denen sich dann neuer Knorpel entwickelt. "Vorteil der Mikrofakturierung ist, dass sie sehr einfach anzuwenden ist. Nachteil ist, dass die Knorpelqualität nicht so gut ist, wie man es gerne hätte. Es ist nicht der gute, gesunde Knorpel, sondern Ersatzknorpel der sich bildet."

ACT-Verfahren

Ist ein Knorpeldefekt größer, wird das so genannte ACT-Verfahren durchführt. Bei diesem auch als autologe Chondrozyten-Transplantation bezeichneten Verfahren werden eigene Knorpelzellen aus dem Knochen herausgestanzt. Diese kleinen Knochen-Knorpel-Zylinder werden dann im Labor auf ein Kollagen-Fließ, einer Anzuchtmatrix mit Nährlösung, geimpft um neue Knorpelzellen zu züchten. Nach drei Wochen sind genügend neue Knorpelzellen gewachsen. Die werden dem Patienten in einer zweiten OP transplantiert.

"Der Vorteil ist die hohe Qualität des neuen Knorpels, der sich bildet", so Heller. Doch es gibt auch Nachteile: "Ich brauche zwei Operationen: Einerseits die Entnahme und dann auch wieder den Einbau. Und zweitens, dass der Einbau als offene Operation stattfinden muss."

Mosaikplastik

Das dritte Verfahren ist die Mosaikplastik, bei der gesunder Knorpel den defekten Knorpel ersetzt. Dabei wird aus gesunden Knorpelstellen, zum Beispiel nahe des Kreuzbandes, Knorpel-Knochen-Stanzzylinder entnommen. Dann stanzt der Operateur die Knorpeldefekte aus. Als nächstes werden genau diese Stanzlöcher mit den vorher entnommen Zylindern aus dem gesunden Knorpel-Gewebe aufgefüllt. Nur bei dieser Methode wird also echtes Knorpelgewebe transplantiert. Aber hier entsteht ein neuer Knorpelschaden an der Entnahmestelle. Hinzu kommt, dass man "nur relativ kleine Knorpelschäden damit behandeln kann. Daher wird dieses Verfahren relativ selten angewandt."

Ob eine Knorpelzelltransplantation durchgeführt werden kann oder nicht, hängt auch von der so genannten Beinachse ab, erklärt Heller weiter: "Es darf kein schweres O-oder X-Bein sein, sonst müssen sie die Achse vorher korrigieren." Hinzu kommt auch, dass der "gegenüberliegende Knorpel nicht auch kaputt sein darf, sonst kann man diese Methode nicht wählen. Das Kreuzband muss intakt sein und der Meniskus, der als Lastverteiler dient, muss zumindest hälftig noch vorhanden sein."

Nach dem Eingriff, egal ob Mikofrakturierung, ACT- Verfahren oder Mosaik-Plastik, darf das Gelenk sechs Wochen lang nicht belastet werden. Man ist auf Krücken angewiesen. Nach dieser Schonzeit erfolgt dann langsam ein Belastungsaufbau, um wieder fit zu werden.

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