SWR2 Hörspiel-Studio Die Staatsräte

Nach dem gleichnamigen Buch von Helmut Lethen

Dieses Hörspiel steht für ein Jahr zum Download bereit

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Der Staatsrat

Der Artikel 31 der Preußischen Verfassung von 1920 besagte: "Zur Vertretung der Provinzen bei der Gesetzgebung und Verwaltung des Staates wird ein Staatsrat gebildet." Seine Mitglieder wurden durch die Provinziallandtage gewählt.

1933 wird dieser Staatsrat zu einem "Ehrenrat" des NS-Regimes und einer Institution von Görings Gnaden, deren Präsident er selbst war. Ihm anzugehören erzeugt die Illusion von Teilhabe an den neuen Machtverhältnissen. Ihn abzuschaffen bedeutet für die politische Praxis nichts.

Frank Hertweck zum Hörspiel (Hörspielbearbeitung und Regie)

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Die Personen

Neben Parteigrößen verleiht Göring vier Männern der deutschen Elite diesen Titel. Sie dienen der neuen Ordnung. Ihre Karrieren und ihr internationaler Ruhm enden nicht 1945. Der Jurist Carl Schmitt gilt als Klassiker des politischen Denkens; der Chirurg Ferdinand Sauerbruch blieb als "Halbgott in Weiß" ein Idol der Ärzte; der Theatermann Gustaf Gründgens spielte die Masken des Bösen bis in die 1960er-Jahre; der Dirigent Wilhelm Furtwängler ist auch in der Bundesrepublik ein Star der klassischen Musikszene.

Ein Treffen der vier ist nirgends dokumentiert. In Helmut Lethens 2018 erschienenem Buch "Die Staatsräte" kommen sie zu mehreren fiktiven Herrengesprächen zusammen.

Das Hörspiel

Das Hörspiel nimmt das Geistergespräch von 1955 in Düsseldorf – Sauerbruch und Furtwängler sind eigentlich schon gestorben – als szenische Rahmenhandlung, in der sie sich an die Zeit erinnern, als sie Teil der Kulturelite des III. Reiches waren. Es waren Treffen kurz nach den olympischen Spielen 1936, vor Beginn des Polenfeldzugs 1939, nach der Niederlage von Stalingrad 1943 und nach D-Day wie Hitlerattentat 1944. Daneben werden historische Infos als Fragmente aus ihren fiktionalisierten Entnazifizierungsverhören zwischen eingebaut.

Helmut Lethen, geboren 1939 in Mönchengladbach, ist ein deutscher Germanist und Kulturwissenschaftler. Nach Professuren an der Universität Utrecht und Rostock war er nach seiner Emeritierung von 2007 bis 2016 Direktor des Internationalen Forschungszentrums Kulturwissenschaften in Wien. Seit 2016 ist er Professor an der Kunstuniversität Linz. Bekannt wurde Lethen durch sein Buch "Verhaltenslehren der Kälte. Lebensversuche zwischen den Kriegen" (1994). 2014 erhielt er den Preis der Leipziger Buchmesse in der Sparte Sachbuch/Essayistik für "Der Schatten des Fotografen. Bilder und ihre Wirklichkeit".

Wilhelm Furtwängler: Jens Wawrczeck
Gustav Gründgens: Patrick Güldenberg
Ferdinand Sauerbruch: Christian Redl
Carl Schmitt: Werner Wölbern
und Cellosatz von Beethovens 5. Symphonie: Pia Maisch

Hörspielbearbeitung und Regie: Frank Hertweck, Manfred Hess
(Produktion: SWR 2019 - Ursendung)

Buchausgabe: Rowohlt

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