SWR2 Ohne Limit - Hörspiel

Sodom und Gomorrha

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Dreiteiliges Hörspiel nach dem gleichnamigen Roman von Marcel Proust
Aus dem Französischen von Bernd-Jürgen Fischer

Dieses Hörspiel kann bis zum 9.1.2023 auf dieser Seite und in der SWR2 App angehört werden.

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Vor 100 Jahren, am 18. November 1922, starb Marcel Proust. Im Jubiläummonat November 2022 schließt SWR2 mit zwei Ursendung sein Proust-Projekt ab. Zuvor leitet es das Proust-Jahr mit der Wiederholung seiner zwei bisherigen jeweils dreiteiligen Proust Adaptionen ein. Den Anfang macht "Sodom und Gomorrha". Zwischen 1890 und 1912 spielend, entdeckt der Erzähler Marcel die Welt von Sodom als die der männlichen und die von Gomorrha als die der weiblichen Homosexualität. Ab da dechiffriert er die Menschen als Leidende und Lächerliche im Maskenspiel ihres Begehrens.

Teil 1: Die Unstetigkeiten des Herzens 

Zu Beginn von „Sodom und Gomorrha“, ist das Stadtpalais der hochadligen Familie de Guermantes Ausgangspunkt von Marcels Entdeckung der Welt der Inversion – wie Proust die Welt der gleichgeschlechtlichen Sexualität und Liebe nennt. Das Hörspiel beginnt wie der Roman mit der Rückerinnerung des Erzählers Marcel an eine Szene, deren Voyeur er als Kind war: Monsieur de Charlus, Mitglied des Adelsgeschlechts der Guermantes, begegnet zufällig im Hof des Palais‘ dem Westenmacher Jupien. Trotz aller Standesunterschiede erkennen sie einander und nutzen die Gelegenheit sofort zu wildem Sex, aus dem sich in späteren Jahren treusorgende Liebe entwickeln wird.

Diese Erinnerung lässt Marcel auf der Soirée der Prinzessin de Guermantes - und auch später - seine Bekannten und Freunde als Leidende und Lächerliche im Maskenspiel ihres Begehrens erkennen. Hier trifft er wieder Charlus, aber auch den vom Tode gezeichneten jüdischen Weltmann Charles Swan. Es wird die Dreyfuss-Affäre diskutiert. Marcel leidet noch unter dem Tode seiner Großmutter, sein Freund aus Jugendjahren, Robert de Saint Loup, versucht ihm hingegen die erotischen Vorzüge von Dienstmädchen nahe zu legen. Marcel befindet sich hingegen schon mitten im Eifersuchtsdrama um die junge und kokette Albertine Simonet, deren Rückkehr vom Theater er nach der Soirée sehnsüchtig erwartet.

Allem überdrüssig reist Marcel nach Balbec, ein mondäner Badeort in der Normandie, wo er in seinen Jugendjahren den Urlaub verbrachte. Er trauert um den Tod seiner Großmutter, seinen Erinnerungen ergeben, einzig vom Hotelpersonal umsorgt. Die beginnende Feriensaison im Frühling mag er noch nicht genießen, auch wenn sich die feine Pariser Gesellschaft mittlerweile eingefunden hat – und mit ihr Albertine. 

Teil 2: Die Küsten von Balbec 

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Marcels Trauer um seine Großmutter wird schwächer. In seiner wieder aufkeimenden Eifersucht lässt er zuerst den Liftboy Erkundigungen über Albertine einholen und erwägt, Einladungen zu folgen, wie der der neureichen Madame Verdurin, die das dem finanzschwachen Hochadel de Cambremer gehörende Anwesen La Raspelière angemietet hat. Sie führt einen den modernen Künsten gewidmeten Salon dem u. a. der Universitätsprofessor Brichot oder der renommierte Dr. Cottard angehören. Der Arzt öffnet Marcel bei einem Casinobesuch die Augen für das erotische Spiel von Albertine mit ihrer Freundin André und mit der Schwester von Marcels jüdischen Freund Bloch. Marcels Eifersucht steigert sich, Albertine aber reagiert ausweichend auf den Verdacht.

Auf dem Bahnhof der Regionalbahn, die „Transatlantische“ genannt, trifft Marcel zufällig Charlus bei der Abreise. Als Marcel den hier stationierten Soldaten und Violinisten Morel, Sohn eines Verwalters im Dienst seiner Eltern, begrüßt, entflammt unwiderstehlich Charlus‘ Begehren zu dem jungen Mann. Er, ein Baron und Guermantes, sucht sogar die Nähe zum Salon der Aufsteigerin Madame Verdurin, um Morels Geigenkunst zu fördern und ihn gesellschaftsfähig zu machen. 

Teil 3: Betrübnisse von Monsieur de Charlus 

 

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Marcel erschöpfen die Besuche bei den Verdurins. Er mietet für Albertine, um deren Liebe er wirbt, wie er ihr immer noch misstraut, ein Auto, mit dem er die Landschaft der Normandie erkundet und die Veränderung der Erfahrung durch die moderne Geschwindigkeitstechnik reflektiert.

Zugleich wird er Zeuge, wie Charlus sich für Morel immer stärker erniedrigt, sogar aus Eifersucht ein Duell erfindet. Er holt Jupien aus Paris, um Morels für gutes Geld verabredeten Bordellbesuch mit dem Prinzen von Guermantes zu verhindern.

Parallel dazu nimmt Marcel die Koketterie von Albertine am Strand und auf den Bahnfahrten der „Transatlantischen“ wahr. Albertine kennt die lesbische Madame Vinteuil. Eine Heirat erscheint Marcel somit unmöglich, er will mit ihr brechen, schlägt ihr jedoch am Ende eines langen Abends vor, mit ihm nach Paris fahren und dort gemeinsam zu leben. Er will sie doch heiraten. 


Mit: Michael Rotschopf, Lilith Stangenberg, Gerd Wameling, Corinna Kirchhof, Mattthias Habich u. v. a.
Hörspielbearbeitung: Manfred Hess, Hermann Kretzschmar
Komposition: Hermann Kretzschmar
Musik: Ensemble Modern
Regie: Iris Drögekamp
Produktion: SWR/DLF 2018

Essay: Erotik und Poetik der Inversion in Prousts Sodom und Gomorrha

Die Autorin, Uta Felten, lehrt und forscht als Professorin für romanische Literaturwissenschaft und Kulturstudien an der Universität Leipzig. 

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Sprecherin Isabelle Demey
Produktion: Südwestrundfunk 2018 


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