Nazif und der silberne Bär Besuch beim Schrotthändler

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Folge 1

Das Leben von Nazif Mujić und Senada Alimanović ist mühsam, der Schrotthandel bringt wenig ein und als Roma werden sie in Bosnien diskriminiert. Im Krankenhaus werden sie zwei Mal abgewiesen, weil sie nicht das Geld für die Operation aufbringen können. Doch der Besuch eines Filmregisseurs weckt Hoffnungen auf ein anderes Leben.

Roma in Bosnien

Zwischen 50.000 bis 80.000 Roma leben derzeit in Bosnien-Herzegowina, die meisten im Kanton Tuszla. Viele siedeln in Dörfern, die auf öffentlichem Grund und Boden errichtet wurden, aber nicht in Grundbüchern und Katasterämtern registriert sind und Besitznachweise haben die wenigsten. Staatlich angeordnete Räumungen und Umsiedlungen sind daher keine Seltenheit. Roma haben auf vielerlei Weise im eigenen Land unter Diskriminierung zu leiden.

Zwar gibt es seit 2003 ein Gesetz zum Schutz der Rechte von Minderheiten, das ihnen erlaubt, ihre Kultur, Sprache und Religion weiter zu pflegen, doch gilt dieses Recht nur für Staatsbürger von Bosnien und Herzegowina. Viele Roma haben aber keinen Pass und gelten als staatenlos. Die Chancen auf gesellschaftliche Teilhabe sind gering, Arbeitslosigkeit und Analphabetismus dagegen hoch. Und wer keine Arbeit hat, hat in der Regel keine Krankenversicherung und kann den Schulbesuch nicht bezahlen.

Die schweren Überschwemmungen auf dem Balkan 2014, bei denen auch viele Bosnier ihre Häuser verloren, trafen die Roma besonders schwer, vielen wurde selbst der Zugang zu Auffanglagern verwehrt. Armut und Perspektivlosigkeit unter Roma ist ein bekanntes Problem in Europa, Lösungsansätze sind kaum zu erkennen. Wer es sich leisten kann, versucht zu fliehen, nach Deutschland z.B.. Seit 2014 gilt Bosnien und Herzegowina als „sicheres Herkunftsland“, die Chancen auf Asyl sind daher nahezu aussichtslos.

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