Karl-Sczuka-Preis 2018 Preisträger: Martin Brandlmayr

Die Jury würdigt das Hörstück „Vive les fantômes“. Förderpreis an Casten Schneider für "Die Gefahren eines Jahres im Deutschlandfunk".

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"Der Karl-Sczuka-Preis 2018 geht an das Stück „Vive les fantômes“ von Martin Brandlmayr. In seinem Debüt als Radiophoniker führt der Komponist und Schlagzeuger Brandlmayr ein imaginäres Zwiegespräch mit den Phantomen seiner eigenen künstlerischen Biographie. Aus musikalischen und sprachlichen O-Tönen öffnet er uns einen poetischen Assoziationsraum, den er mit seinem Instrumentarium umspielt und kommentiert. Eine faszinierende Einladung zur Wiederbegegnung mit den eigenen Erinnerungen."

Jury des Karl-Sczuka-Preises

Der diesjährige Karl-Sczuka-Förderpreis in Höhe von 5.000 Euro wird an Casten Schneider für seine Hörcollage "Die Gefahren eines Jahres im Deutschlandfunk" vergeben.

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74 Wettbewerbsbeiträge aus 17 Ländern

Der international renommierte Karl-Sczuka-Preis wird jährlich an die „beste Produktion eines Hörwerks, das in akustischen Spielformen musikalische Materialien und Strukturen benutzt“, verliehen. In diesem Jahr wurden 74 Wettbewerbsbeiträge von 94 Bewerbern aus 17 Ländern eingereicht. Über die Zuerkennung des Preises hat am Donnerstag, 12. Juli, in Baden-Baden eine unabhängige Jury unter Vorsitz der ehemaligen Kulturstaatsministerin Christina Weiss entschieden. Weitere Jurymitglieder waren Marcel Beyer, Michael Grote, Helmut Oehring und Margarete Zander.

Das Preiswerk

Erinnerung und Wiederholung – für Martin Brandlmayr wichtige Elemente in der kompositorischen Arbeit. Auch in seinem Hörspieldebüt tauchen sie auf und geben Struktur und Form. Verwandtschaften entdeckt Bandlmayr beim Philosophen Jacques Derrida, der immer wieder zu Wort kommt. Er spricht von "Gespenstern" - Brandlmayr erinnert sich an jene, die ihn in seinem Schaffen geprägt haben: Miles Davis, Billie Holiday und Thelonious Monk - aber auch Filme wie "Sans Soleil" von Chris Marker und Hitchcocks "Vertigo".

In einer Gesellschaft, die tendenziell versucht, alles Uneindeutige und nicht Einzuordnende auszublenden oder an den Rand zu drängen, kann "Vive les fantômes" als Aufruf verstanden werden, die „Gespenster“ – die „von uns verdrängten mehrdeutigen Schwellenwesen“ – im Leben willkommen zu heißen und sich lustvoll mit ihnen zu beschäftigen.

Eine Vielzahl von akustischen Momentaufnahmen (Field-Recordings, Sprachfetzen, Musik etc.) bilden ein Netzwerk, eine in sich verwobene Struktur, in der immer wieder Motive auftauchen, sich aufeinander beziehen und Verbindungen herstellen. Eine Vielheit von Musik und Klang, ein Spiegelkabinett, eine Echokammer, die sich mit steigender Entfernung zu einem Rauschen verdichtet. Als Gespenster einer vergangenen Zeit tauchen die Tonaufnahmen in immer neuer Gestalt auf, manchmal ähnlich den Elementen einer Fuge, werden permutiert und verändert, in neuer Umgebung gesehen, aus neuer Perspektive betrachtet. Die Rhythmik und der Klang des Schlagzeugs mit seinen erweiterten Klangmöglichkeiten bilden einen Rahmen, sie verbinden, verknüpfen und stellen einen musikalischen Kontext her.

Martin Brandlmayr beim Schlagzeugspiel (Foto: SWR, (privat) - Luca Raffaello)
Martin Brandlmayr (privat) - Luca Raffaello

Der Preisträger

Martin Brandlmayr, geboren 1971 in Bad Ischl/Österreich, studierte Schlaginstrumente an der Universität für Musik und darstellende Kunst Wien. Er lebt als Schlagzeuger und Komponist in Steinbach am Attersee und ist u. a. Mitglied der Gruppen Radian, Polwechsel und Trapist. Mit Radian hat er seit Mitte der 1990er-Jahre sieben Alben veröffentlicht und tourte weltweit. Arbeitet im Grenzbereich zwischen elektronischen und akustischen Klangwelten, intensive Auseinandersetzung mit dem Schlagzeug als Groove Instrument einerseits und als erweiterter Klangkörper andererseits.

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