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Der Heidelberger Tiegel (Buchdruckmaschine) lässt sich durchaus als Rhythmusmaschine verstehen: deutlich wahrnehmbare, zum Teil komplizierte Rhythmen strukturieren seine Arbeitsgeräusche. Was nun im Sinne ästhetischen Handelns wichtig wurde, war die Frage, wie die vorliegenden akustischen Materialien aus ihrem Kontext herausgenommen werden konnten und welchen klanglichen Transformationen sie unterworfen werden sollten. Den rhythmischen Strukturen zu folgen, lag zu sehr auf der Hand, wäre eine allzu plakative Lösung gewesen. Auch wollte ich nicht die "Seele" der Maschine zum Klingen bringen; gern überlasse ich den Versuch, die Maschine zu transzendieren, kompetenteren Schwarmgeistern.

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Die rhythmischen Strukturen der Tiegelgeräusche wurden zugunsten eher flächigen und/oder impulsartigen Klanggeschehens umgewandelt, um so eine Ebene jenseits der starren Rhythmik zu schaffen. Infolgedessen sind die "Sechs Heidelberger Studien" dem ursächlichen Geräuschkontinuum völlig entrückt. Ich zielte dabei weder auf Verblüffung, noch auf eine elektro-akustische Märchenstunde ab, sondern wandte mich dem Material selbst zu, um einige (von vielen) kombinatorische Möglichkeiten seiner klanglichen Bearbeitung und Neustrukturierung durchzuführen. Ästhetische Entscheidungen traf ich erst, nachdem die formalen und akustischen Eigenschaften des Basismaterials gründlich untersucht waren.

Werkbeschreibung von Asmus Tietchens

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