STAND
AUTOR/IN

Der Pop- und Theatermusiker Albrecht Kunze lässt zwei Frauenstimmen, die sich in eine absolute Zurückgezogenheit begeben, ihre körperlich-geistige Wirklichkeit erkunden.

Dieses Hörspiel kann bis zum 16.12.2021 auf dieser Seite, in der SWR2 App, im Podcast SWR Hörspiel und in der ARD Audiothek angehört werden.

Audio herunterladen (101,3 MB | MP3)

In seinen Hörstücken beschäftigt sich Albrecht Kunze (Komponist für Popmusik und Theater, seit 1998 v.a. für die freie Theatergruppe Showcase Beat Le Mot) mit Erscheinungsformen von Krisen und Konflikten. Er stellt dabei das jeweilige Personal in unübersichtliche bis unerklärliche wie stets bedrohliche Situationen - Situationen, die es erfordern, innezuhalten, das Geschehen zu besehen und, wenn möglich, zu verstehen, um zu überleben.

„Alles beginnt mit Verletzungen, die ich unmöglich mir selber zugefügt haben kann. Beginnt - mit Schnitten bis tief in die unteren Hautschichten und mit Prellungen von unterschiedlicher Größe und Form ...“

In „Das Unsichtbare Dritte“ erkundet eine Frauenstimme in einem abgedunkelten Raum die Wahrnehmung ihrer körperlich-geistigen Situation. Sie gerät über minimalistisch sich verschiebende Text- wie Sound-Strukturen in ein paranoides Verweissystem. Eine zweite Frauenstimme erscheint plötzlich. Ist der Dialog die Möglichkeit eines Korrektivs, nur Folge der Isolation oder gar Erscheinungsform des „unsichtbaren Dritten“?

Kunzes musikalisches Hörspiel ist mehrfach konnotiert

Der Titel zitiert und verweist auf esoterisch, paranormal oder verschwörungstheoretisch verankerte Bedrohungen der „normalen“ Wirklichkeit.

Die Frauenstimme, die ihre Verunsicherung in der Wahrnehmung des eigenen Körpers und ihres Ichs benennt, korrespondiert mit einer Verunsicherung, die grundsätzlich Kennzeichen vor allem von Horrorfilmen des Body-Horror-Genres ist. Der Satz „Verletzungen, die ich mir unmöglich selbst hinzugefügt haben kann“ ist ein Zitat aus dem Horrorfilm The Entity von Sidney J. Furie von 1980.

Zugleich thematisiert das Stück indirekt den Akt der „Selbstverletzung“, oft als „Ritzen“ bezeichnet: „Dies ist eine spezielle Variante der Verunsicherung der Stabilität des eignen Körpers, da man hier selber für diese Verunsicherung, diese De-Stabilisierung verantwortlich ist.“(Albrecht Kunze)

Und: Der Satz „Es gibt bekannte Bekannte ... Aber es gibt auch unbekannte Unbekannte“ ist das „known knowns“-Zitat des US-Verteidigungsministers Donald Rumsfeld, das allgemein für politische Risikoabwägung steht und den Beginn des Golfkriegs 2002 legitimierte.

Das Hörspiel "Das unsichtbare Dritte" erzählt erstaunlich reduziert von der Verunsicherung eines Selbst - es ist außergewöhnlich.

Stefan Fischer, Süddeutsche Zeitung

Kunzes Hörspiel - nach acht Jahren Pause, zuletzt „Die Theoretiker im Exil“, SWR/hr 2012 – spielt auf verschiedenen Ebenen mit den (Medien)Wirklichkeiten, verweigert sich aber der Bebilderung von Thesen. Kunze insistiert auf die text-musikalische Eigenständigkeit seines Stücks, auf dessen autonome künstlerische Suggestivität.

Überdies gehört Kunze den technikaffinen Hörspiel-Künstlerinnen und Künstlern an, die die Sender zwar als Plattform, Gesprächspartner und Produzenten ihrer Arbeiten benötigen, nicht aber mehr in deren Verfügungshoheit über die Produktionsmittel.

Mit: Marie Löcker und Karolina Seibold
Komposition und Realisation: Albrecht Kunze
Produktion: SWR 2020

Hörspiel Albrecht Kunze: Die Theoretiker im Exil

Albrecht Kunzes fragt in diesem dystopisch-postmodernes Hörspiel im Electro-Pop Style nach der Neubestimmung von Grenzen und Staaten im Angesicht von Krieg und Flucht.  mehr...

SWR2 Hörspiel-Studio SWR2

Buchkritik Sharlene Teo - Schöne Monster

Drei Frauen aus Singapur erzählen ihre Leben: ein wilder Mix aus Mythologie, Singapur, Horrorfilm und Weiblichkeit. Die Sprache in Sharlene Teos Debut ist ausgefallen, aber ihr Plot zündet nicht recht.
Rezension von Pascal Fischer.

Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger
Verlag Blumenbar
ISBN: 978-3-351-05073-3
320 Seiten
22 Euro  mehr...

SWR2 lesenswert Magazin SWR2

Jena

Gespräch Romy Hörbe hat eine schwere Essstörung überwunden und arbeitet als Recovery Coach

Bei Romy Hörbe wurde die Essstörung mit neun Jahren ausgelöst, heute hat die 32-Jährige ihre Magersucht überwunden und sie arbeitet als Recovery Coach mit Menschen mit Essstörungen.   mehr...

SWR2 Tandem SWR2

STAND
AUTOR/IN