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Wo Kunst und Kultur nicht nur Dekor und Unterhaltung sind, haben immer noch und immer wieder Männer das Sagen und Machen. Reden wir also auf einem Festival fürs Hören mal darüber, wie Frauen hörbar werden. Wie steht es um den Feminismus im Hörspiel? Und wie im Feminismus um das Hörspiel herum? Wo steht die Frau in der Kulturwelt – vor und hinter den Kulissen?
Ein Tag mit Frauen in Wort und Ton.

Es ist viel passiert seit #Metoo. Viel ist geredet worden, manches getan, einiges neu gedacht. Ging es zunächst um sexuelle Belästigung und Übergriffe, wurde daraus bald eine große Debatte über Machtmissbrauch und Gleichberechtigung. Verhaltens- und Redeweisen, die vorher alle für normal hielten, sind jetzt nicht mehr stubenrein.

Dennoch: Wir stehen immer noch am Anfang – und das in Deutschland schon seit mindestens 70 Jahren, als der Satz „Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ im Grundgesetz verankert wurde. 2019 gibt es hierzulande einen Gender-Pay-Gap von 21 Prozent, einen der höchsten unter den Industrieländern. Wir haben eine Kanzlerin, aber weniger als ein Drittel der Abgeordneten im Bundestag sind Frauen. Auf den 12 Intendantinnensesseln der deutschen Rundfunkanstalten sitzen zwei Frauen. Und so weiter. Im Grunde kennen wir alle die Zahlen und den Befund. Und auch die vielen, komplexen Gründe dafür.

„Frauen im Ausschnitt“ hat den Blick auf die blinden Flecken gelenkt, die wir alle immer noch haben – Männer wie Frauen. Und auf die weißen Flecken der Karte, die wir noch nicht entdeckt haben, die aber schon besiedelt sind von anderen Lebens- und Umgangsformen – feministischen Utopien, alternativen Netzwerken, kooperativen Arbeitsweisen. Und natürlich auf die Sprache, in der wir streiten und über die wir streiten müssen. Die immer als Übersetzerin zwischen uns und der Wirklichkeit steht. Aber auch immer in Bewegung ist.

ARD Hörspieltage 2019 Frauen im Ausschnitt – Wie weiblich ist der Kulturbetrieb?

Frauen im Ausschnitt, ARD Hörspieltage 2019 (Foto: SWR, SWR / Uwe Riehm)
Wo Kunst und Kultur nicht nur Dekor und Unterhaltung sind, haben immer noch und immer wieder Männer das Sagen und Machen. SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen
Beim Thementag "Frauen im Ausschnitt – wie weiblich ist der Kulturbetrieb?" besprachen und diskutierten die Teilnehmer*innen, wie man das ändern kann. SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen
Ania Mauruschat hat den Feministischen Bechdel-Test vorgestellt. aniamauruschat.de/Fotografin: Maria Dorner Bild in Detailansicht öffnen
Der Test wird eigentlich für Filme angewandt und untersucht, wie häufig Frauen im Werk gezeigt werden und wie unabhängig sie von den Männern agieren. SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen
Ute Soldierer moderierte den Thementag der ARD Hörspieltage. SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen
Am Ende des Tages sollten "Karlsruher Postulate" formuliert werden. Was soll sich ab jetzt in den Hörspielen und um sie herum ändern? SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen
Unter den Diskutierenden auf dem Podium war unter anderen auch Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, die außerdem Teil der rein weiblichen Jury der diesjährigen ARD Hörspieltage war. SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen
Und die TeilnehmerInnen nahmen an der regen Diskussion teil. SWR / Uwe Riehm Bild in Detailansicht öffnen

Was passiert in unseren Köpfen, wenn das generische Maskulinum durch ein nicht weniger generisches Femininum ersetzt wird? Wenn in einem Hörspiel, einem Film, einem Roman jede männliche Figur in eine weibliche verwandelt wird? Oder wenn nur Frauen in der Jury oder auf dem Panel sitzen? Ist das erhellend? Merkwürdig? Einseitig? Höchste Zeit? Oder vielleicht schlichtweg egal?

Probieren wir es doch einfach mal aus. Und beobachten wir uns doch mal wenigstens einen halben Tag lang selbst, Frauen und Männer, wie oft wir in generischen Mustern nicht nur sprechen, sondern auch agieren.

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