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Deutscher Hörspielpreis der ARD 2021 – Preisträger

Noam Brusilovsky und Ofer Waldman: Adolf Eichmann - Ein Hörprozess – Ein Prozess schreibt Rundfunkgeschichte

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Noam Brusilovsky und Ofer Waldman

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Dieses Bild ging um die Welt: Adolf Eichmann, Organisator der Deportationen zur Vernichtung der europäischen Juden während der NS-Zeit, sitzt in einer gläsernen Kabine und hört über Kopfhörer die Simultanübersetzung der Anklage durch das Jerusalemer Bezirksgericht 1961.

Zeuginnen und Zeugen aus allen europäischen Ländern, aus den Ghettos und aus den Todes- und Arbeitslagern berichten vom Alltag der Verfolgung und Vernichtung. In das kollektive Gedächtnis der Israelis brannte sich ein zweites Bild ein: die ganze Nation sitzt gebannt vor den Radioempfängern.

Denn zum ersten Mal in der Aufarbeitung der NS-Verbrechen blieben die Aussagen aus dem Zeugenstuhl nicht innerhalb des Gerichtssaals, sondern wurden, wie auch die Aussagen Eichmanns, die Stimmen der Anklage, der Verteidigung und der Richter, live in die Häuser und Wohnungen in ganz Israel übertragen, durch das Radio. Zum ersten Mal drang damit die Realität des Holocaust in seiner ganzen Dimension, das, was bisher oft verdrängt oder beschwiegen worden war, an die Ohren der Öffentlichkeit.

Eine neue, nunmehr ausgesprochene Erzählung der Shoa brach sich Bahn. Das dokumentarische Hörspiel erzählt die Geschichte dieses Prozesses – aus Sicht der Radiomacher beim damaligen öffentlich-rechtlichen israelischen Rundfunk „Kol Israel“.

„Adolf Eichmann - Ein Hörprozess“ gewinnt den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2021

Die Preisträger des Deutschen Hörspielpreises der ARD, Noam Brusilowsky und Ofer Waldman (Foto: SWR, Uwe Riehm)
Noam Brusilovsky und Ofer Waldman nehmen bei der „Nacht der Gewinner*innen“ die Auszeichnung entgegen. Uwe Riehm

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Noam Brusilovsky wurde 1989 in Israel geboren. Er studierte Theaterregie an der Hochschule für Schauspielkunst Ernst Busch. Hörspielautor und Regisseur für diverse Sender (u.a. Deutschlandfunk, SWR, WDR und rbb). Er realisierte Theaterprojekte am Münchner Volkstheater, am Konzerttheater Bern und in den Sophiensaelen sowie Produktionen bei zahlreichen Festivals (Autorentheatertage am Deutschen Theater, Körber Studio junge Regie am Thalia Theater, u.a.). Seine Hörspiele wurden in allen ARD-Sendern ausgestrahlt und mehrfach ausgezeichnet (Deutscher Hörspielpreis der ARD 2017 für "Broken German", Hörspiel des Monats der Akademie der darstellenden Künste für "We Love Israel" und Nominierung dieser Serie für "Hörspiel des Jahres" 2018 und für den "Prix Europa" 2019). 2018 wurde er mit seiner Solo-Performance "Orchiektomie rechts" in der Kategorie "Nachwuchs Autor des Jahres" in der Kritiker*innenumfrage von Theater heute nominiert.

Ofer Waldman wurde 1979 in Jerusalem geboren, zog als Mitglied von Daniel Barenboims "West-East Divan Orchestra" 1999 nach Berlin, wo er 2006 sein Diplom als Hornist an der Universität der Künste erlangte. Er spielte u.a. beim Rundfunk Sinfonie Orchester Berlin, dem Israel Philharmonic Orchestra und den Nürnbergern Philharmonikern. Im Jahre 2020 schloss Waldman seine bi-nationale Promotion erfolgreich ab, sowohl an der FU Berlin (Germanistik) als auch an der Hebräischen Universität Jerusalem (Geschichtswissenschaft). Seit 2015 arbeitet Waldman als freier Autor für Deutschlandfunk Kultur. Dazu schreibt er als Kolumnist sowohl für verschiedene deutsche und israelische Medien über innerdeutsche, gesellschaftliche Themen wie auch zum deutsch-israelischen und israelisch-palästinensischen Themenkomplex. Sein erstes, für den SWR2 als Co-Autor geschriebenes Hörspiel wurde 2018 von der deutschen Akademie der darstellenden Künste als Hörspiel des Monats ausgezeichnet und von der ARD für den 2019 "Prix Europa" nominiert.

Mitwirkende: Walter Kreye, Dirk Müller, Veit Schubert, Shelly Kupferberg, Axel Sichrovsky, Vernesa Berbo, Ramona Olasz, Aviran Edri, Orit Nahmias, Benny Claessens, Rainer Sellien, Jaron Löwenberg, Yeva Lapsker, Guy Aviad, Tamar Aviad, Helene Lilien Voigt
Regie: Noam Brusilovsky
Redaktion: Juliane Schmidt
Produktion: rbb/ DLF 2021

Karlsruhe

ARD Hörspieltage 2022

Das größte deutschsprachige Publikumsfestival für Hörspiel und Klangkunst findet in diesem Jahr am 12. und 13. November im ZKM | Zentrum für Kunst und Medien statt. Im Mittelpunkt steht der Wettbewerb um den Deutschen Hörspielpreis der ARD. Zwölf herausragende Produktionen aus der ARD, dem Deutschlandradio sowie SRF und ORF konkurrieren um die renommierte Auszeichnung.  mehr...

weitere Hörspiele aus dem Wettbewerb

Nominiert für den Deutscher Hörspielpreis der ARD 2021 mehrere Autoren: Briefe aus der Hölle - Ein Stück Erinnerung gegen das Vergessen

Nur Sechs der Zeugnisse des "Sonderkommandos" haben die Katastrophe von Auschwitz überdauert. Die Schriftstücke sind an uns adressiert: An den Finder! und ermöglichen ein zutiefst menschliches Erinnern. | Komposition, Realistation und Regie: Andreas Weiser | hr 2021  mehr...

Deutscher Hörspielpreis der ARD 2021 Aline Bender, Alex Schaad: Das neue Vertrauen - Hörspieldrama über Datenklau

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Nominiert für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2021 David Paquet: Feuersturm – Surreale Tragikomödie über eine dysfunktionale Familie

Schuld an allem ist Mutter – zumindest darin sind sich die Drillinge Claudie, Claudine und Claudette einig. Aber bedeutet Familie unentrinnbares Schicksal oder kann man es selbst in die Hand nehmen? | Mitwirkende: Janina Rudenska (Claudette), Tilla Kratochwil (Claudie), Effi Rabsilber (Claudine), Gábor Biedermann (Clément + Gabriel), Bettina Kurth (Carole), Nele Rosetz (Caroline) | Aufnahmeleitung, Regie: Anouschka Trocker | Dramaturgie: Anette Kührmeyer | Produktion: SR/Dlf Kultur 2021  mehr...

Nominiert für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2021 Caren Jeß: Bookpink – Schräge Vögel – wilde Zeiten

„Bookpink“ (niederdeutsch für „Buchfink“) thematisiert mit spielerischem Humor Chancenungleichheit, dysfunktionale Familien, Emanzipation, Esoterik, Gender, Religion und Verschwörungstheorien. | Mit: Anika Baumann, Maximilian Brauer, Gisa Flake, Cathlen Gawlich, Marc Hosemann, Annika Meier, Sascha Nathan, Paul Schröder | Hörspielbearbeitung, Regie: Leonhard Koppelmann | Redaktion, Dramaturgie: Andrea Oetzmann | Produktion: SWR 2021  mehr...

Nominiert für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2021 Cynthia Micas: Afrodeutsch – POC-Schauspielerin erobert sich ihre Geschichte

Als Schauspielerin Afrodeutsche sein: Dabei trifft man ständig auf Widerstände. Als Afrodeutsche Schauspielerin sein: Das ist einfach nicht widerständig genug. Diese Festlegungen lässt Cynthia Micas sich nicht gefallen. | Alle Stimmen: Cynthia Micas | Komposition: Rico Micas und Cansu Kandemir | Regie/Realisation: Nick-Julian Lehmann | Dramaturgie: Jan Buck | Produktion: WDR 2020.  mehr...

Nominiert für den Deutschen Hörspielpreis der ARD 2021 Petr Šourek: Der mechanische Türke – Mensch oder Maschine?

Ein modernes Märchen von einem, der auszog ein Tech-Startup zur gründen - und als Algorithmus zurückkam. | DarstellerInnen: Susanna Clasen (Türe), Oliver Wnuk (Kevin), Mona Petri (Ella), Barbara Falter (Emma) und Erich Räuker (Coach) | Komposition: Karl Atteln | Regie: Johannes Mayr | Produktion: SRF 2021  mehr...

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Noam Brusilovsky und Ofer Waldman