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Imme-Jeanne Klett spielt Werke für Flöte von Johann Adolph Hasse Kammermusik vom Feinsten

CD-Tipp vom 27.10.2015

CD-Cover Hasse

CD

Titel:
del Signor Hasse | Works for Flute
Interpret:
Imme-Jeanne Klett | Nele Lamersdorf | Elbipolis Barockorchester
Label:
ES DUR 2062

Wenn einer im 18. Jahrhundert eine Oper nach der anderen schrieb und erfolgreich aufführte, dann konnte es nicht ausbleiben, dass Verlage von ihm auch Gebrauchsmusik forderten. Und so komponierte Hasse denn auch zahlreiche Werke für das Mode-Instrument der Zeit: die Flöte. Man experimentierte da noch mit Holzarten und Metall, mit Klappen, natürlich auch mit unterschiedlichem Schwierigkeitsgrad der Spielweise. Imme-Jeanne Klett hat einige Highlights aus diesem Repertoire zusammen mit dem Barockorchester Elbipolis aufgenommen. Ausgezeichnet ist der schlanke Klang, das flüssige, elegante Spiel der Solistin, die mit ihren exquisiten Programmen und einer eigenen Konzertreihe aus dem Hamburger Musikleben nicht mehr wegzudenken ist. Auffällig auch: die ganz kleine Besetzung des Orchesters.

Das Elbipolis Barockorchester ist an Musik aus Hamburg besonders interessiert: Klar gehört Hasse, der hier als junger Mann an der Oper am Gänsemarkt war, da zum Repertoire. Das Orchester hat eine kleine, variable Besetzung – maximal 15 Musiker. Hier haben sie sich für eine ganz besonders sparsame Variante entschieden: Jedes Pult ist nur einfach besetzt. Das sind sechs Musiker, 1. und 2. Geige, Bratsche, Cello und Kontrabass, dazu kommt das Cembalo. Entsprechend durchsichtig ist der Klang. Weitere Partner von Imme-Jeanne Klett sind Nele Lamersdorf, Flötistin bei den Stuttgarter Philharmonikern, und der Cembalist Jörg Jacobi. Das Ergebnis ihrer Arbeit ist Kammermusik vom Feinsten, sehr klar in Artikulation und Dynamik, mit gehörigem Esprit in Sachen Rhythmus und Gestaltung der Tempi. Die Flöte führt, die andern folgen, das Vorbild Oper glänzt deutlich im Hintergrund.

Die Duo-Sonaten für zwei Flöten wurden in der Sammlung „Sonates pour deux flutes“ 1735 bei Le Cène in Amsterdam kurzerhand unter Hasses Namen veröffentlicht, stammen aber vom englischen Flötisten und Komponisten Robert Valentine. Mal imitatorisch, mal komplementär, mal parallel werden die Stimmen geführt. Imme-Jeanne Klett und Nele Lamersdorf realisieren diese Kabinettstückchen mit Hingabe und Virtuosität. Weich ist der Klang ihrer Holzflöten, hervorragend wird musiziert. Die Einspielung enthält zwei Konzerte für Flöte Streicher und Generalbass, zwei Sonaten und zwei Duos – ganz unterschiedliche Gattungen, die so im 18. Jahrhundert in der Instrumentalmusik aber sehr gängig und gebräuchlich waren.

Hasses bekannteres h-Moll-Konzert spiegelt den typischen Charakter des quirligen, virtuosen barocken Solostücks. Es wird ergänzt mit der Ersteinspielung des Konzerts in
G-Dur von 1741: Rhythmische Prägnanz und Spielfreude kennzeichnen die schnellen Sätze, sehnsüchtige Melodien das Adagio. Solokadenzen werden nicht vom ganzen Ensemble, sondern nur von den hohen Streichern begleitet, kleine solistische Improvisationen sind inbegriffen. Für den englischen Schriftsteller Charles Burney war Hasse der „natürlichste, eleganteste und einsichtsvollste“ aller damals lebenden Komponisten. Hier bekommt man einen Eindruck davon.

CD-Tipp vom 27.10.2015 aus der Sendung „SWR2 Cluster“

Im Programm

Jean Sibelius:
Sinfonie Nr. 6 d-Moll op. 104
Royal Stockholm Philharmonic Orchestra
Leitung: Vladimir Ashkenazy
Johann Sebastian Bach:
Partita h-Moll BWV 1002
Christian Tetzlaff (Violine)
Robert Schumann:
Sinfonie g-Moll "Zwickauer"-Sinfonie
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Neville Marriner
Charles Villiers Stanford:
Five characteristic pieces op. 93
Paul Barritt (Violine)
Catherine Edwards (Klavier)
Antonio Rosetti:
Sinfonie Es-Dur M A27
Litauisches Kammerorchester
Leitung: Georg Mais

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