Bitte warten...
Ein Arzt hält einen Tablet-PC in der Hand und zeigt auf eine Computeranimation eines Rückens.

Zu viel Smartphone Modekrankheit Handynacken

Wir verbringen immer mehr Zeit am Smartphone, Tablet oder E-Book. Beim Senken des Kopfes wirken Kräfte von bis zu 20 Kilogramm auf unseren Nacken. Das entspricht mehr als einem Kasten Wasser. Muskelverspannungen und Schmerzen sind die Folge – Orthopäden nennen das schlicht einen "Handynacken". Doch was kann man tun, um den Handynacken zu vermeiden?

Zwischen 700 und 1.400 Stunden schauen wir pro Jahr auf unser Smartphone oder Tablet. Im Schnitt sind es bis zu vier Stunden täglich. Um auf dem Display etwas zu erkennen, beugen wir unseren Kopf ziemlich weit über das Smartphone. Dabei werden nicht nur die Augen strapaziert, sondern die gesamte Körperhaltung. Nur zum Vergleich: Ein Buch oder eine Zeitung lesen wir mit etwa 40 cm Abstand zu unseren Augen.

Lesen wir Inhalte auf unserem Smartphone oder sehen Filme auf dem Tablet, dann beträgt der Abstand zu unseren Augen oft nicht mehr als 20 Zentimeter. Erschwerend hinzu kommt, dass "wir beim Lesen das Buch nur halten und blättern müssen. Beim Arbeiten mit dem Handy müssen wir den Arm noch stabilisieren und mit den Fingern noch sehr differenzierte motorische Tätigkeiten vornehmen. Dafür muss auch der ganze Schulter und Nackenbereich, an dem die Arme dran hängen, entsprechend stabilisiert werden," erklärt Orthopäde Bernd Kladny die Auswirkungen.

Schwer wie ein Kasten Wasser

Zudem wird der Kopf stark geneigt. Und je dichter wir das Smartphone an den Körper halten, desto größer sind die Kräfte, die auf unseren Nacken und dessen Muskulatur wirken: "Der Kopf hat ein Normgewicht von sechs Kilo und wenn wir ihn jetzt nach vorne neigen, nimmt die Last die die Muskulatur zu tragen hat deutlich zu." So kommt es, dass die Nackenmuskulatur auch mal 20 bis 25 Kilogramm halten muss. Das ist so, als würde ein voller Kasten Wasserflaschen auf unserem Nacken lasten. Das geht über kürzere Zeitspannen gut – aber mal ehrlich: Wer schaut denn tatsächlich nur kurz auf sein Smartphone?

"Wenn die Muskulatur da nicht trainiert ist und das dauernd statisch machen muss, dann ist das ein Problem. Denn wenn die Muskulatur ständig angespannt ist, dann ist auch die Durchblutung verschlechtert und das führt dann zu Schmerzen," weiß Kladny.

Orthopäden sind besorgt

Die deutsche Gesellschaft für Orthopädie warnt deshalb: Die Verwendung eines Smartphones ist Gift für den Rücken. Durch die meist unnatürliche Körperhaltung, die wir oft stundenlang einnehmen, um Inhalte von den kleinen mobilen Geräten aufzunehmen, kommt es zu einem Überlastungssyndrom im Bereich der Halswirbelsäule. Orthopäden haben dafür den Begriff "Handynacken" geprägt. Zahlen dazu, wie viele Menschen tatsächlich unter dem Handynacken leiden, gibt es aber nicht, sagt Kladny: "Denn es gibt die Diagnose Handynacken nicht als medizinisch verschlüsselbare Diagnose. Das läuft unter dem Thema Schmerzen im Halswirbelsäulenbereich."

Handy aus und sich bewegen!

Tatsächlich kann man einem drohenden "Handynacken" entgegenwirken. Zum Beispiel, indem man das Smartphone oder Tablet so hält, dass der Kopf nicht oder nicht besonders weit geneigt werden muss. Außerdem rät Orthopäde Kladny zu vielen Lagewechseln: "Nicht nur starr nach vorne gucken, sondern durchaus mal die Position wechseln. Das Beste ist das Teil auch mal abschalten."

Die Gesellschaft für Orthopädie rät außerdem zu Sportarten, die die gesamte Wirbelsäule kräftigen. "Wie zum Beispiel Walking, Schwimmen oder Fahrradfahren. All das sind Bewegungen, die Sie machen können, ohne ihre Gelenke zu überlasten. Damit kräftigen sie dann die ganze Wirbelsäulen-Haltemuskulatur."