Bitte warten...

Gespräch mit Thea Dorn über ihr neues Buch Deutsch, nicht dumpf

Interview am 24.4.2018 mit der Buchautorin Thea Dorn

Wir kommen nicht mehr drumherum: Die mehrfach wieder angefachte Leitkultur-Debatte, das Heimatministerium von Horst Seehofer oder nationalistische Stimmen von rechts und rechts außen – wir brauchen Antworten auf die Fragen: Was ist deutsch? Sind wir gern Deutsche? Lieben wir unser Land? Patriotismus war lange Zeit verpönt, genauso wie der Gedanke, dass wir unserem Land etwas schulden könnten.

Die Schriftstellerin Thea Dorn gibt in ihrem Buch "Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten" einige Anregungen.

Die äußersten Rechten missverstehen Patriotismus

Patriotismus, meint Thea Dorn, würde heute häufig missverstanden, vor allem am äußersten rechten Rand des politischen Spektrums. Man habe den Eindruck, "das soll ein Ersatz für das eigene Minderwertigkeitsgefühl werden, wenn man sich irgendwo hinstellt und laut Deutschland brüllt. Darum kann es natürlich nicht gehen."

Neonazis beim Festival "Schild und Schwert"

Neonazis beim Festival "Schild und Schwert" in Ostritz (Sachsen) am 21. April 2018

Patriotismus fordert etwas von seinen Bürgern

Patriotismus fordere auch. Thea Dorn zitiert zustimmend John F. Kennedy: "Frage nicht, was dein Land für dich tun kann, sondern frage, was du für dein Land tun kannst." Das seien Fragen, die wir uns lange nicht gestellt hätten.

Die heutige Bundesrepublik ist ein geläutertes Deutschland

Aufgeklärte Patrioten hätten schon vor 200 Jahren festgestellt, dass nur ein freiheitlich gerechtes Vaterland die Liebe seiner Bürger verdiene. Das Deutschland zwischen 1933 und 1945 habe "definitiv nicht einen Funken Liebe verdient".

Hans Globke

Hans Globke (re) neben Konrad Adenauer 1963 in Bonn. Globke war Mitverfasser und Kommentator der Rassegesetze in der Zeit des Nationalsozialismus. Als engster Vertrauter des späteren Bundeskanzlers Konrad Adenauer war er ab 1953 Leiter des Bundeskanzleramtes. 1963 wurde ihm das Großkreuz des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Obwohl sie selbst - Jahrgang 1970 - in dem Gefühl aufgewachsen sei, dass dieser Bundesrepublik immer noch nicht über den Weg zu trauen sei, dass es immer noch zu viele Alt-Nazis gebe, sagt Thea Dorn: "Ich persönlich glaube Deutschland, dass es sich mit seiner historischen Schuld auseinandergesetzt hat und glaubhaft Entsetzen darüber empfindet, was dieses Land alles verbrochen hat. Deshalb halte ich die heutige Bundesrepublik für ein geläutertes Deutschland. Das darf man in bester aufgeklärter Manier lieben."

Die westlichen Werte müssen offensiv verteidigt werden

Zum Patriotismus zählt Thea Dorn auch eine Haltung, die der heutigen gewaltigen Umbruchsituation - diktatorische Großmächte, Flüchtlingsströme, Digitalisierung - viel offensiver begegnet, statt sich zurückzuziehen. Wir müssten uns fragen: "Was wollen wir von dem retten, was sich im Westen in Europa am Begriff von Menschlichkeit, an Rechtsstaatsverständnis herausgebildet hat? Und wenn wir es retten wollen, müssen wir das viel offensiver verteidigen und zu unser aller Projekt machen, statt es mittel-geliebten Politikern zu überlassen."

"Verfassungspatriotismus" und "Kulturpatriotismus"

Das Grundgesetz als Fundament eines Patriotismus hält Thea Dorn für wichtig, meint aber, dass dieser "Verfassungspatriotismus" durch einen "Kulturpatriotismus" ergänzt werden müsse. Man müsse sich intensiv wieder mit der deutschen Geschichte beschäftigen. "Beschäftige dich mit Deiner Herkunft und erkenne, wie sie mit anderen Herkünften verwoben ist."

Buchcover Thea Dorn: Deutsch, nicht dumpf

Thea Dorn

Deutsch, nicht dumpf. Ein Leitfaden für aufgeklärte Patrioten

Verlag:
Knaus Verlag
Länge:
336 Seiten
Preis:
24,00 Euro
Bestellnummer:
978-3-8135-0810-9