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Historiker Frank Trentmann über Online-Handel zu Weihnachten Geschenk schneller da - Vorfreude schneller weg

Vorfreude ist die schönste Freude, auch vor Weihnachten. Aus Sicht des Konsumhistorikers Frank Trentmann ist der Online-Handel der Vorfreude nicht unbedingt förderlich: „Wenn ich immer etwas bekommen kann, ohne warten zu müssen, wirkt sich das auf meine Erwartungshaltung aus.“

Klagen über den Weihnachtskonsum gab es immer

Die Klagen über Konsumwellen zur Weihnachtszeit seien uralt, so der Historiker Frank Trentmann, Professor für Geschichte am Birkbeck College der Universität London. Was sich verändere, sei die Frequenz des Einkaufs. Die nämlich beschleunige sich in den Zeiten des Internet-Handels.

Porträtfoto des Konsum-Historikers Frank Trentmann vom Birkbeck College der Universität London.

Der Historiker Frank Trentmann vom Birkbeck College der Universität London

Einzelhandel unter Druck

Auch weil der Einzelhandel deshalb unter großen Druck gerate, wiederholten sich Phänomene, die es bereits seit Ende des 19. Jahrhunderts gegeben habe.

Schon damals, erläutert Trentmann in SWR2, hätten sich Kaufhäuser wie Wertheim oder Beaumarchais bemüht, Kundinnen und Kunden durch extravaganten Aktionen und Sonderangebotswochen anzulocken.

Verkürzte Wartezeit schmälert die Freude

Mit dem Bestellen per Internet verkürze sich zugleich die Zeit des Wartens - und damit auch die Spanne der Vorfreude. "Wenn wir das radikal verkürzen", so der Historiker, "verliert sich beim Ankauf die Freude und die Initiativkraft."

Man müsse beobachten, was das langfristig für Auswirkungen darauf haben werde, wie und was die Menschen konsumierten.

Wertvoll sind Geschenke, in denen viel Zeit steckt

Generell gelte weiterhin: Am meisten freuten sich Menschen über etwas, in das der Schenkende viel Zeit und Planung hineingesteckt habe. Ein Fotokalender mit Erinnerungen sei möglicherweise viel wertvoller als ein teures Geschenk.

Klügerer, nachhaltiger Konsum müsse von öffentlicher Seite viel stärker gefördert werden, meint Trentmann. Für seine Frau habe er zu Weihnachten eine alte Art-Deco-Kette gefunden.

Frank Trentmann, Herrschaft der Dinge. Die Geschichte des Konsums vom 15. Jahrhundert bis heute. dva, 2017, 1.097 Seiten, 40 Euro.

Im Programm

darin bis 8.30 Uhr:
u. a. Pressestimmen, Kulturmedienschau und Kulturgespräch

Musikliste:

Friedrich II. König von Preußen:
3. Satz aus dem Flötenkonzert Nr. 3 C-Dur
Emmanuel Pahud (Flöte)
Kammerakademie Potsdam
Leitung: Trevor Pinnock
Emilie Mayer:
Humoreske op. 41 Nr. 1
Kerstin Mörk (Klavier)
Joseph Haydn:
3. Satz aus der Sinfonie Nr. 98 B-Dur
Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR
Leitung: Roger Norrington
Luis Borda:
Ritmo de Baionga
Saxofourte
Gustav Holst:
Finale "The Dargason" aus der St. Paul's Suite
Budapest Strings
Leitung: Károly Botvay
David Scott:
The vampires of Camelon
Colin Steele Quartet
Pedro Etienne Solère:
3. Satz aus dem Konzert für 2 Klarinetten und Orchester Es-Dur
Dieter Klöcker und Sandra Arnold (Klarinette)
Prager Kammerorchester
Leitung: Milan Lajcik
Georg Friedrich Händel:
2. Satz aus der Wassermusik-Suite Nr. 2 D-Dur
Le Concert Spirituel
Leitung: Hervé Niquet
Pablo Casals:
"El angel travieso", Lied
Tabea Zimmermann (Viola)
Javier Perianes (Klavier)
Franz Krommer:
4. Satz Presto aus dem Bläsernonett B-Dur op. 78
Bläserensemble Sabine Meyer
Konstantin Anatol Liadow:
Mazurka As-Dur op. 9 Nr. 2
Swetlana Meermann-Muret (Klavier)
Wolfgang Amadeus Mozart:
3. Satz aus der Sinfonie D-Dur KV 385 "Haffner"
Concerto Köln
Leitung: Sylvie Kraus
Wolfgang Haffner:
Lobito
Nils Landgren und Ensemble
Daniel Alomias Robles:
"El condor pasa", bearbeitet für 4 Hörner
Das Hornquartett der Berliner Philharmoniker
Georg Philipp Telemann:
Conclusion für 2 Oboen, Streicher und Basso continuo B-Dur TWV 50:10
Freiburger Barockorchester
Leitung: Gottfried von der Goltz
Alexander Glasunow:
Pas de caractère op. 68
Stephen Coombs (Klavier)
Manfred Schoof:
Some for two
Manfred Schoof (Trompete)
Bo Stief (Bass)