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Neu im Kino: "Loving Vincent" von Dorota Kobiela und Hugh Welchman Geniale Malerei digital animiert

Kulturthema am 28.12.2017 von Rüdiger Suchsland

Ein neuer Kinofilm über den Maler Vincent van Gogh versucht mit einer besonderen Kino-Bildsprache die Malerei van Goghs zu neuem, vibrierendem Leben zu erwecken: 65.000 in Öl gemalte Einzelbilder, inspiriert von etwa 130 van-Gogh-Gemälden, wurden per hochauflösender Digitalkamera abgefilmt und animiert.

Vincent van Gogh: Genie und Verrückter, großartiger Maler und neurotischer Außenseiter. Der Film setzt genau ein Jahr nach dem Tod des Vincent van Gogh im Jahr 1890 ein. In der Struktur einer detektivischen Untersuchung wird im Rückblick dieses Leben aus mehreren Perspektiven erzählt.

Der Vater van Goghs ist unglücklich mit dem Bild, das der Nachwelt von seinem Sohn geblieben ist: Ein Wahnsinniger, der irgendwie irre Bilder gemalt hat, sich zunächst ein Ohr abschnitt und dann mit einem Revolver selbst getötet hat.

Zudem versucht der Vater, den Kontakt zu anderen, verschollenen Familienangehörigen wieder aufzunehmen. Darum beauftragt er Armand, einen jungen Mann aus dem Freundeskreis, einen gerade aufgetauchten Brief des Toten an dessen Bruder Theo zu überbringen; der ist allerdings auch gestorben.

Faszination Vincent van Gogh

Doch während seiner Nachforschungen ist Armand mehr und mehr von van Gogh und seinem Werk fasziniert. So reist er auf dessen Spuren durch die Stationen von van Goghs Leben, trifft Bekannte und rekonstruiert van Goghs Biographie stellvertretend für uns Zuschauer.

Daneben ergibt sich auch noch die Möglichkeit, dass van Gogh sich vielleicht doch nicht mit einer Schusswaffe das Leben genommen hat. War es nicht womöglich ein Unfall? Oder gar ein Mord?

Konstruierte Handlung

Aber diese ganze, etwas krude und sehr konstruierte Geschichte ist ja doch nur ein kaum verhüllter Vorwand, um sich mit der einmaligen Malerei dieses Künstlers zu beschäftigen. Die stilistische Herausforderung und das Einmalige an Dorota Kobielas und Hugh Welchmans Film "Loving Vincent" war es, ihn mit realen Darstellern zu drehen, und diese Aufnahmen dann nicht nur digital mit Animationsbildern zu überlagern, sondern diese auch noch einigermaßen schlüssig im Stil von van Goghs Malerei zu halten.

Der van-Gogh-Touch

Es sind die unverkennbaren, fast lebendig anmutenden breiten Pinselstriche, die fett aufgetragenen Farbpartien, die leuchtenden Farben, die allem den einmaligen van-Gogh-Touch geben: schweren Regentropfen, bedrohlich flirrenden Himmelspartien, goldgelben Sonnenblumen, denen man das Gewicht ansieht, mit denen sie zu Boden gezogen werden.

Spektakulärer Animationsfilm aus 65.000 einzelnen Ölgemälden

Dieser Film ist eine Animation, die aus 65.000 tatsächlich in Öl gemalten Einzelbildern besteht. Inspiriert sind diese von etwa 130 van-Gogh-Gemälden aus dessen späteren Schaffensjahren. Mit einer hochauflösenden Digitalkamera wurden die Bilder dann gefilmt: Ein großartiger und einmaliger Eindruck. Man kann ohne Übertreibung feststellen: Diese Bildsprache hat man im Kino noch nie gesehen.

Genialer Außenseiter und Jedermann

Die Geschichte ist weit konventioneller. Es ist die alte abgeschmackte und am Ende sehr spießige Legende der Kunstreligion: Von dem Mann, der ein Außenseiter und ein Genie war, aber irgendwie doch ein ganz normaler Mensch von Nebenan. So haben die Recherchen den Filmemachern nicht zu neuen Erkenntnissen verholfen oder dazu, ein frisches differenziertes Bild des Künstlers zu zeigen.

Altbekannter Van Gogh in neuer Verpackung

Vielmehr ist es der altbekannte van Gogh, dessen Mythos hier beschworen wird, und der alles aufwertet, mit dem er in Berührung kam: Die Orte, die Menschen, die Motive. Vielleicht ist es ja so, dass van Goghs Bilder wie die Werke kaum eines zweiten Malers als Seelenlandschaften funktionieren. Das glückt auch in diesem Film: flirrendes, schweres Öl.

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