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Kino: Agentenfilm „Aus nächster Distanz“ Mitreißender Thriller um zwei ungleiche Agentinnen

Filmkritik von Rüdiger Suchsland

Mona ist Araberin und langjährige Informantin des israelischen Geheimdienstes. Als ihre Enttarnung droht, wird sie vom Mossad aus dem Libanon nach Hamburg gebracht und in einem Safehouse versteckt. Nach einer Gesichtsoperation wird sie auf den Weg in ihre neue Identität von Naomi, einer Agentin des Mossad, betreut. Zwei Wochen leben die beiden Frauen zusammen.

Naomi ist eine Agentin des Mossad, des israelischen Geheimdienstes. Mona ist Araberin und war eine langjährige Informantin der Israelis im Libanon. Sie kennen sich nicht, sie wissen nicht einmal den richtigen Namen der jeweils anderen. Zu ihrem eigenen Schutz.

Auf der Flucht vor der Hisbollah

Zwei Wochen müssen die zwei jungen Frauen gemeinsam in einer Hamburger Wohnung verbringen. Die wertvolle Informantin soll sich von einer Gesichtsoperation erholen, die Agentin soll sie beschützen. Doch Verfolger können überall lauern, denn die Häscher der Hisbollah sind Mona auf den Fersen.

John Le Carrés Thriller standen Pate

Im "Safehouse" dem Versteck für geschützte Zeugen, müssen deshalb strenge Regeln herrschen. Was zunächst nach einem einfachen "Babysitter"-Auftrag für Naomi klang, entpuppt sich bald als nervenaufreibende Belastungsprobe.

Der Schauplatz Hamburg ist übrigens nicht zufällig gewählt. Denn die Hafenstadt ist auch Schauplatz zweier Thriller von John Le Carré, dessen Stoffe hier spürbar Pate standen. Ein Stolperstein im Pflaster wird erkennbar gemacht, und erinnert daran, wie gefährdet jüdisches Leben in Deutschland war und heute wieder ist. Das verleiht dem Film eine zusätzliche dramatische Note.

1/1

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Agententhriller „Aus nächster Distanz“

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Die libanesische Informantin Mona (Golshifteh Farahani) flieht nach Hamburg, wo sie in einem Safehouse untergebracht wird und eine neue Identität erhalten soll.

Die libanesische Informantin Mona (Golshifteh Farahani) flieht nach Hamburg, wo sie in einem Safehouse untergebracht wird und eine neue Identität erhalten soll.

Hilfe bekommt Mona bei ihrer Flucht vom israelischen Geheimdienst. Die Agentin Naomi (Neta Riskin) wird ihr als Beschützerin zur Seite gestellt.

In ihrem vermeintlich sicheren Versteck sind die beiden Frauen abgekapselt von der Welt: Von Fenstern und Türen müssen sie sich fernhalten, die Rolläden bleiben geschlossen. Alles zur Sicherheit von Mona.

Damit Mona ein neues Leben mit neuer Identität beginnen kann, unterzieht sie sich mehreren Gesichtsoperationen. Mit veränderten Gesichtszügen soll sie so nicht erkannt werden.

Bald wird klar, dass die beiden Frauen mehr teilen, als ihren Unterschlupf. Dennoch trauen sie sich anfangs kaum über den Weg.

Mona musste ihren Sohn zurücklassen und muss neben ihrem eigenen Leben auch noch seines fürchten.

Bald schon kommt die Hisbollah den beiden Frauen auf die Spur und ihr Leben wird zum Alptraum.

Annäherung zweier ungleicher Frauen

Während dieser angespannten Zeit entfaltet sich das hochspannende Kammerspiel dieses Films zwischen den Gängen und Zimmern der weitläufigen Altbau-Wohnung wie zwischen den beiden Frauen, die sich allmählich anfreunden und sich auch Intimes anvertrauen. Diese Annäherung der ungleichen Frauen ist das zentrale Motiv des Films.

In ihrem vermeintlich sicheren Versteck sind die beiden Frauen abgekapselt von der Welt: Von Fenstern und Türen müssen sie sich fernhalten, die Rolläden bleiben geschlossen. Alles zur Sicherheit von M

In ihrem vermeintlich sicheren Versteck sind die beiden Frauen abgekapselt von der Welt: Von Fenstern und Türen müssen sie sich fernhalten, die Rolläden bleiben geschlossen. Alles zur Sicherheit von Mona.

Politdrama und spannender Spionagethriller

"Aus nächster Distanz" vom israelischen Filmemacher Eran Riklis, der so erfolgreiche Filme wie "Die Syrische Braut" und "Lemon Tree" inszenierte, ist ein Politdrama über Loyalitäten und den Preis der Gerechtigkeit, das zwischen Israel, dem Libanon und der Bundesrepublik spielt. Dies ist aber auch ein spannender Spionagethriller, ein mitreißender Genrefilm, der die Klischees des Spionagestoffs nicht fürchtet.

Bald schon kommt die Hisbollah den beiden Frauen auf die Spur und ihr Leben wird zum Alptraum.

Bald schon kommt die Hisbollah den beiden Frauen auf die Spur und ihr Leben wird zum Alptraum.

Hervorragende Darstellerinnen

Doch der Regisseur Eran Riklis bewahrt einen distanziert-objektiven Blick auf die Verhältnisse. Niemand ist hier das reine Böse. Und niemand ist moralisch auf der sicheren Seite. Die hervorragenden Darstellerinnen Golshifteh Farahani und Neta Riskin geben dieser Ambivalenz noch zusätzliche abgründige Seiten. Die den Film prägende Stimmung der Paranoia scheint für die Figuren immer gute Gründe zu haben.

Gott spielt Poker

Zu der äußeren Bedrohung kommen Geheimdienstintrigen, die mit den Israelis befreundeten Geheimdienste der Deutschen und der Amerikaner scheinen ihre eigenen Pläne zu verfolgen. Die Mossad Agentin Naomi bringt es auf den Punkt: "Gott spielt Poker mit uns. Das Problem ist nur: Wir verlieren immer."

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