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SWR Doku Festival Strauß-Spezi mit Stasi- und Rotlicht-Kontakten: Doku über CSU-Politiker Wagner

Von Julia Haungs

Benedikt Schwarzer dokumentiert in „Die Geheimnisse des schönen Leo“ das Doppelleben seines Großvaters. Der CSU-Politiker war enger Vertrauter von Franz-Josef Strauß, hatte eine Schwäche für das Kölner Rotlichtmilieu und verkaufte Informationen an die Stasi. War er der zweite Abgeordnete, der 1972 das Misstrauensvotum der CDU/CSU gegen Bundeskanzler Willy Brandt scheitern ließ?

„Die Geheimnisse des schönen Leo“ läuft im Wettbewerb um den Deutschen Dokumentarfilmpreis.

3:59 min | Mi, 26.6.2019 | 6:00 Uhr | SWR2 am Morgen | SWR2

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SWR Doku Festival

"Die Geheimnisse des schönen Leo" von Benedikt Schwarzer

Julia Haungs

Auf dem SWR Doku Festival erzählen die Filme politische, ökonomische oder ökologische Geschichten, oft aus einem sehr subjektiven Blickwinkel. „Die Geheimnisse des schönen Leo“ schildert das Schicksal eines heute vergessenen CSU-Politiker der 70er Jahre.

Hornbrille und Wohlstandsbauch

Westdeutschland Ende der 60er Jahre. Es ist die Zeit der Hornbrillen und Wohlstandsbäuche. Der CSU-Politiker Leo Wagner trägt beides. Als Vertrauter von Franz-Josef Strauß ist der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion ein einflussreicher Strippenzieher.

Tagsüber Bonner Bundestag, nach Feierabend Kölner Nachtleben

Tagsüber seriöser Politiker in Bonn, taucht der schöne Leo nach Feierabend ins Kölner Nachtleben ab. Für seinen ausschweifenden Lebenswandel braucht er Geld. Ein Besuch in seinem Stammlokal „Chez nous“ kostet gerne mal 2.000 DM.

2:22 min

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Kinotrailer Die Geheimnisse des schönen Leo

Katja Freidank

Mein Großvater, der Stasi- Mitarbeiter

Als die Schuldenlast zu groß wird, lässt er sich von der Stasi anwerben. Sein Enkel, der junge Dokufilmer Benedikt Schwarzer hat in „Die Geheimnisse des schönen Leo“ versucht herauszufinden, was genau sein Großvater für die Stasi getan hat.

Stürzte Leo Wagner Willy Brandt?

Denn bis heute steht ein ungeheuerlicher Verdacht im Raum. Leo Wagner könnte 1972 einer von zwei Abgeordneten gewesen sein, die das Misstrauensvotum gegen Bundeskanzler Willy Brandt überraschend scheitern ließen. Im Auftrag der DDR.

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SWR Doku Festival

„Die Geheimnisse des schönen Leo“ von Benedikt Schwarzer

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Leo Wagner war Mitbegründer der CSU und Bundestags-Abgeordneter in Bonn.

Leo Wagner war Mitbegründer der CSU und Bundestags-Abgeordneter in Bonn.

Die vom Krieg geprägte Politiker-Generation erfüllte tagsüber ihre Pflicht an der politischen Front des Kalten Krieges.

Danach entspannte man sich im Kölner Nachtleben mit jungen Frauen und altem Champagner.

Die Familien zuhause dienten oft nur mehr als Fassade.

Bei Leo Schwarzer hatte der aufwendige Lebenswandel seinen Preis. Er verwickelte sich in dubiose Geschäfte und Stasi-Kontakte.

Sein Enkel, der junge Filmemacher Benedikt Schwarzer, legt nun die politischen und persönlichen Hintergründe eines der größten politischen Skandale der Bonner Republik frei.

Regisseur Benedikt Schwarzer unterwegs mit seiner Mutter Ruth Schwarzer: „Meine eigenen Recherchen führten mich dazu immer weiter in unbekanntes Terrain, zwischen Familie und Politik, Stasi und Rotlichtmilieu. So wurde der Versuch meinen toten Großvater kennenzulernen zu einer bewegenden Reise des ganz Persönlichen und der großen Historie.“

Endgültiger Beweis fehlt 

Schwarzer hat im Zuge seiner Recherchen eine Vielzahl von Experten und Zeitgenossen interviewt: Weggefährten, Familienangehörige, ehemalige Stasi-Mitarbeiter. Den endgültigen Beweis, dass Wagner von der DDR für seine Stimmenthaltung bezahlt wurde, kann er zwar nicht erbringen.

Untiefen der Familiengeschichte

Es trägt aber viele Indizien zusammen. Damit hätte Leo Wagner den Lauf der deutschen Geschichte bis hin zur Wiedervereinigung entscheidend beeinflusst.

Wie es oft mit Familiengeheimnissen ist: je tiefer Schwarzer gräbt, desto verworrener wird die Ausgangslage.

Die Geheimnisse des schönen Leo

Regisseur Benedikt Schwarzer unterwegs mit seiner Mutter Ruth Schwarzer: „Meine eigenen Recherchen führten mich dazu immer weiter in unbekanntes Terrain, zwischen Familie und Politik, Stasi und Rotlichtmilieu. So wurde der Versuch meinen toten Großvater kennenzulernen zu einer bewegenden Reise des ganz Persönlichen und der großen Historie.“

Politthriller und Geschichte einer dysfunktionalen Familie

Am Ende ist noch nicht einmal mehr klar, ob Leo Wagner überhaupt sein leiblicher Großvater war. Denn der Politthriller ist zugleich die Geschichte einer dysfunktionalen Familie.

Mit großer Offenheit erzählt Schwarzers Mutter von ihrer unglücklichen Kindheit mit einer alkoholkranken Mutter und einem Vater, der sich nur alle paar Wochen zu Hause blicken ließ.

Neuer Blick auf die Bonner Republik   

Die Bonner Republik wird rückblickend gerne verklärt als die gute alte Zeit, als die Politiker noch aufrecht waren, die Medien weniger hysterisch und überhaupt Anstand und Moral noch was galten. Das Bild, das Benedikt Schwarzer zeichnet, ist ein anderes: es ist auch eine Zeit, in der zwielichtige Gestalten an dunklen Orten diskret Geldumschläge überreichen.

Die vom Krieg geprägte Politiker-Generation erfüllte tagsüber ihre Pflicht an der politischen Front des Kalten Krieges.

Die vom Krieg geprägte Politiker-Generation erfüllte tagsüber ihre Pflicht an der politischen Front des Kalten Krieges. Die Familien zuhause dienten oft nur mehr als Fassade.

Zeit der Scheinheiligkeit und Doppelmoral

In der die Politiker nach außen den biederen Familienvater spielen, es aber gleichzeitig im Rotlichtmilieu krachen lassen. Eine Zeit der Scheinheiligkeit und Doppelmoral. Über das Beispiel seines Großvaters hinaus zeichnet Schwarzer ein düsteres Sittengemälde der Bonner Republik.

12 Filme im Wettbewerb um den Deutschen Dokumentarfilm Preis 

„Die Geheimnisse des schönen Leo“ ist einer von zwölf Filmen, die beim SWR Doku Festival im Wettbewerb um den deutschen Dokumentarfilmpreis starten.

Die Art, wie der junge Benedikt Schwarzer in seiner Abschlussarbeit für die Münchner Filmhochschule das Politische mit dem Privaten verbindet, macht den Film zu einem spannenden Stück Zeitgeschichte und trotz seiner konventionellen Inszenierung absolut sehenswert.  

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