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Film „Sunset“- historischer Thriller von Laszlo Nemes

Von Rüdiger Suchsland

Nach dem oscarprämierten KZ-Drama "Son of Saul" legt der ungarische Regisseur Laszlo Nemes einen weiteren Historienfilm vor. "Sunset" erzählt das Schicksal der Hutmacherin Irisz Leiter 1913 in Budapest.

Budapest 1913

Es beginnt mit angenehm rätselhaften Bildern: Nachdem eine Inschrift mit "Budapest im Jahr 1913" Zeit und Ort unzweideutig gesetzt hat, sieht man minutenlang die Großaufnahme einer jungen Frau.

Die Hutmacherin Irisz Leiter

Sie probiert im "Kaufhaus Leiter" Hüte auf, scheint aber mit den Gedanken woanders. Bald stellt sich heraus, dass die junge Frau Irisz Leiter heißt, Hutmacherin und die Tochter der früheren Kaufhausbesitzer, die vor vielen Jahren bei einem mysteriösen Brand ums Leben kam.

1:56 min

Kinotrailer Sunset

Die Weltrevolution herbei bomben

Irisz Leiter hat einen Bruder, von dem sie bisher nichts wusste. Dieser scheint als Anarchist im Untergrund die Weltrevolution herbeibomben zu wollen.

Wie dieser wird auch Irisz nicht locker lassen, sie wird hartnäckig um das Kaufhaus kreisen, Präsenz zeigen, und im Laufe des Films ihren Einlass erzwingen.

Geheimnisvolle Menschen und Schweigekartelle

Sie wird ihren Bruder treffen und geheimnisvollen Menschen und deren Schweigekartellen begegnen. Irisz wirkt fragil und verwundbar, zunehmend aber auch entschlossener. Als ob sie wüsste, dass es kein Zurück geben kann.

Iris (Juli Jakab)

Iris (Juli Jakab)

Brillante Hauptdarstellerin

Die bislang unbekannte Juli Jakab spielt jene Irisz in einem Auftritt, den man wahnwitzig nennen muss in seinem Mut, seiner Konsequenz und der Virtuosität, mit der diese Darstellerin ihr Publikum durch den Film führt und jede Schwierigkeit meistert. 

Regisseur László Nemes

Regisseur László Nemes

Der Regisseur knüpft an die Bildsprache aus "Son of Saul" an

Der junge Ungar Laszlo Nemes überträgt die visuelle und ästhetische Methode seines preisgekrönten "Son of Saul" in eine andere Welt.

Wieder minutenlange Einstellungen. Wieder sitzt die Kamera der Hauptfigur im Rücken, wieder das atemlose, permanent bewegte Mäandern in Großaufnahmen und bestenfalls Halbtotalen.

Konfliktgeschütteltes Europa von 1913 

Es ist der Taumel eines Tanzes auf dem Vulkan, des labilen, von inneren Konflikten geschüttelten Europas 1913, das erst im Rückblick als ein Vorkriegseuropa sichtbar ist.

Ein Rückzug in Fatalismus und Schicksalsergebenheit verbindet sich mit der Sehnsucht, aus dem ungreifbaren Druck ausbrechen zu können. Es war die Stunde der Selbstzerstörung Europas. 

Bedrohliche Stimmung über allem

Dieser Film ist Intensitätssteigerungskino, gedreht auf 35mm. Von Anfang an liegt bei aller Schönheit kaum Idyllisches, eher eine bedrohliche Stimmung über allem. Geheimnis und Nervosität liegen in der Luft. Fast alles hier ist unsicher.

Visuelles Abenteuer mit Gegenwartsbezug

Die dunkle Ahnung von unglaublichen Ereignissen, die niemand sich vorstellen konnte, die aber mit Gewissheit geschehen und das Bestehende erschüttern mussten, erfüllt dieses visuelle Abenteuer und verbindet es mit unser Gegenwart.

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