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Film "Stan & Ollie" – Wie Hollywood Dick und Doof ihre Freiheit nahm

Von Rüdiger Suchsland

"Stan & Ollie", in Deutschland "Dick und Doof", das berühmteste Komiker-Duo der Welt, hatte in den 1950er Jahren mit der Übermacht der Hollywood Studios zu kämpfen. Stan Laurel und Oliver Hardy verabschiedeten sich vom Filmgeschäft und kehrten auf die Theaterbühne zurück. Mit künstlerischen und privaten Tiefpunkten.

Profis bei der Arbeit

Zwei Profis bei der Arbeit, das berühmteste Komiker-Duo der Welt. "Laurel & Hardy", waren in den späten 1920er und 1930er Jahren Welt-Stars.  

Blick hinter die Kulissen

Dieser Film blickt hinter die Kulissen ihrer Arbeit und erzählt von der Zeit, in der der größte Ruhm des Komiker-Duos schon vorbei ist. In den 1940er Jahren hatten die großen Studios die totale Macht in Hollywood übernommen.

Widerstand gegen Hollywood

Laurel und Hardy arbeiteten ohne Drehbücher, improvisierten gerne und hatten mit dem legendären Produzenten Hal Roach, der auch der Erfinder der "Kleinen Strolche" war, einen idealen Mentor gefunden hatten.

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Kinostart 9.5.

Stan und Ollie von Jon S. Baird

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In den 1930er und 1940er Jahren feierte das Komiker-Duo Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) als "Stan und Ollie", in Deutschland "Dick und Doof", bahnbrechende Erfolge.

In den 1930er und 1940er Jahren feierte das Komiker-Duo Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly) als "Stan und Ollie", in Deutschland "Dick und Doof", bahnbrechende Erfolge.

1953 gehen sie auf Tournee durch Großbritannien. Ihre besten Jahre als die „Könige der Hollywood-Komödie“ haben sie hinter sich und blicken einer ungewissen Zukunft entgegen.

Die Tournee läuft schleppend und die beiden Komiker sind schwer enttäuscht über die weitgehend schlecht besuchten Veranstaltungen.

Noch dazu kriselt es bei den einst engen Freunden: Stan würde gerne einen großen Film über Robin Hood machen, Ollie dagegen ist von gesundheitlichen Problemen geplagt.

Noch komplizierter wird es, als die Frauen der beiden, Lucille Hardy (Shirley Henderson) und Ida Laurel (Nina Arianda), zur Tour stoßen.

Auch wenn sich langsam herumspricht, dass Stan und Ollie es immer noch drauf haben und die Veranstaltungen besser besucht sind, ist längst nicht wieder alles gut.

Stan und Ollie stehen letztlich vor der Frage, ob sie nach dieser Tour noch ein Duo sein wollen oder getrennte Wege gehen.

Für Regisseur Jon S. Baird war Ollies Entscheidung dramaturgisch entscheidend, 1939 den Film „Zenobia“ ohne Stan zu drehen. „Es ist wie eine Ehe zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Einer von beiden war in der Vergangenheit untreu“, schildert er. „Dann hat der andere die Möglichkeit, dasselbe zu tun: Wird er es machen?“

Abschied vom Filmgeschäft

Weil ihnen die Studios keine Unabhängigkeit mehr zugestehen wollten, verabschiedeten sich Laurel und Hardy vom Filmgeschäft, und kehrten zu ihren Anfängen zurück: Live-Auftritten auf der Theater-Bühne vor ausverkauftem Haus.

Kampf um künstlerische Unabhängigkeit 

Das ist die eine Seite dieser Geschichte: Das zunehmend verzweifelte Bemühen von kreativen Künstlern ihre Unabhängigkeit und kreative Freiheit zu bewahren, sich nicht dem Kommerz unterordnen zu müssen.

Das Komiker-Duo Stan und Ollie sitzt in der Maske.

Stan und Ollie stehen letztlich vor der Frage, ob sie nach dieser Tour noch ein Duo sein wollen oder getrennte Wege gehen.

Abgenutzte persönliche Beziehung 

Die andere Seite ist die persönliche. Seit Jahrzehnten sind Laurel und Hardy ein Berufspaar. Sie verbringen miteinander mehr Zeit, als mit ihren Ehefrauen. Es gibt Rivalitäten und Eifersucht, und wie in einer alten Ehe hat sich die Beziehung ganz schön abgenutzt.

Vergessene Zeiten des Showgeschäfts 

Die Geschichte, die der Film "Stan und Ollie" erzählt, ist interessant. Sie erinnert uns an vergessene Zeiten des Showbetriebs. Die beiden Hauptdarsteller Steve Coogan und John C. Reilly sehen den Originalen erstaunlich ähnlich.

Stan & Ollie von Jon S. Baird

Für Regisseur Jon S. Baird war Ollies Entscheidung dramaturgisch entscheidend, 1939 den Film „Zenobia“ ohne Stan zu drehen. „Es ist wie eine Ehe zwischen zwei Menschen, die sich lieben. Einer von beiden war in der Vergangenheit untreu“, schildert er. „Dann hat der andere die Möglichkeit, dasselbe zu tun: Wird er es machen?“

Sachliches und amüsantes Drehbuch 

Das Drehbuch von Jeff Pope ist sachlich und oft amüsant. Der Film spielt auf zwei Zeitebenen: 1937, noch in Hollywood, und dann Anfang der 50er Jahre, als der ganz große Ruhm schon vorbei ist. Die spannendste Figur, in dieser vom schottischen Regisseur Jon S. Baird inszenierten Geschichte, ist der Auftritt von Danny Huston als Studioboss Hal Roach.

Biedere Bebilderung der Ereignisse 

Stilistisch bewegt sich der Film in engen Grenzen. Er ist eine biedere Bebilderung der Ereignisse, ohne eigene Handschrift und ohne erkennbare Haltung.  

Alles ist von einer gewissen nostalgischen Melancholie, einer Sehnsucht für der "guten alten Zeit" durchtränkt. Diese Sehnsucht ist weniger bittersüß, als vor allem süßlich. Im Zweifelsfall wird hier alles weichgespült, bleibt nett und niedlich. 

Stan und Ollie in Kilts im Film "Stan und Olli".

Stan Laurel (Steve Coogan) und Oliver Hardy (John C. Reilly)

Schmierige Film-Moral

Die Show muss weitergehen, um jeden Preis. Das ist die schmierige Moral die dieser Film selbst propagiert und dabei völlig außer Acht lässt, wie sehr seine eigenen Hauptfiguren unter solchen Sprüchen gelitten haben. 

Von anarchischer Komik bleibt nichts übrig

Ähnlich wie Buster Keaton, Charlie Chaplin, die Marx-Brothers waren Laurel und Hardy Anarchisten, subversive Komiker. Sie standen auf der Seite der "kleinen Leute" und stellten die guten Überzeugungen des bürgerlichen Publikums infrage. 

Dieser Film aber stellt nichts infrage und ist an keiner Stelle auch nur annährend so subversiv und anarchistisch wie Stan und Ollie. 

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