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Neu im Kino: "Avengers: Infinity War" Das Ende ist nah - mal wieder

Filmkritik am 26.4.2018 von Rüdiger Suchsland

"Infinity War" heißt der neue "Avengers"-Film und ist einer der schwächsten seiner Art geworden. Man braucht nicht über Superheldenfilme per se die Nase zu rümpfen. Auch Fans werden mit diesem Ergebnis der Regie des Brüderpaars Anthony und Joe Russo kaum zufrieden sein. "Avengers: Infinity War" leidet unter der eigenen Überlast.

"Thanos" in "Avengers: Infinity War".

"Thanos" in "Avengers: Infinity War".

Blockbuster-Frühling: Schon wieder naht das Ende

"Das Ende ist nahe" - mal wieder, wie jedes Jahr ab Frühsommer im Monatstakt im Blockbuster-Kino. Und die halbe Menschheit rennt hinein in diese Filme - schon deshalb sind sie ein Kulturphänomen, und zwar ein weltweites.

Vielleicht haben diese Superhelden daher mehr zur globalen Annäherung und Verständigung beigetragen als so mancher Politikergipfel.


Selbst der trojanische Krieg war irgendwann zuende

Dass das Ende nahe ist, könnte bei den "Avengers" auch ein Versprechen sein. Ein großes episches Abenteuer, das zu einem Punkt hinführt, einer Katharsis, oder einem Showdown - und irgendwann ist dann eben alles erzählt.

Auch der trojanische Krieg war nach all den vielen Jahren, in denen sich die Helden mit Götterunterstützung gegenseitig dezimierten, irgendwann ja doch mal zuende.

Ein Crossover der eitlen Stars

Tatsächlich erweckte auch der Marvel-Konzern lange den Eindruck, so etwas zu wollen. Die "Avengers" sind schließlich eine Art Nationalmannschaft der Besten der besten Superhelden.

"Iron Man" und seine Verbündeten, darunter "Hulk", blasen zum finalen Angriff auf "Thanos", den Feind der Menschheit.

Auf dem Tummelplatz der Superhelden. "Iron Man" und seine Verbündeten, darunter "Hulk", blasen zum finalen Angriff auf "Thanos", den Feind der Menschheit.

Sie sind ein Crossover aus eitlen Stars, die es sonst gewohnt sind, ganz im Zentrum zu stehen, sowie aus kaum zu vereinbarenden Denk- und Handlungsstilen. Und das alles ganz ohne Bundestrainer - also auch ein Meisterwerk der Selbstorganisation.

Heldenmeetings mit viel Narzissmus

Aber wie in allen sozialen Systemen gibt es auch hier Friktionen, Streit, Rivalitäten und sehr sehr viele Meetings. Unglaublich viel Zeit verbringen die Avengers mit narzisstischer Selbstbeschäftigung im Miteinander.

Chris Evans als Steve Rogers und Scarlett Johansson als Natasha Romanoff im Kinofilm "Avengers: Infinity War".

Die Blockbuster-Helden von "Avengers" verbringen viel Zeit mit narzisstischer Selbstbetrachtung. Aber wo die Liebe hinfällt, blinkt auch mal ein Lichtlein auf. Chris Evans als Steve Rogers und Scarlett Johansson als Natasha Romanoff.

Zuletzt führte das gar zu Bürgerkrieg und einer Aufspaltung in zwei Lager. Klingt also sehr logisch, diesen Haufen wieder zu trennen, worauf dann jeder seiner Wege geht, und für sich die Welt rettet. Dafür müsste man sie aber zuerst ein letztes Mal zusammenbringen.

Panoptikum der Konzern-Filmstars

Da sind sie alle, die auch längst ihre eigenen Filme haben: Iron-Man, Spider-Man, Captain America, Doctor Strange und Black Panther, der neue Star des Jahres, der erste Superheld mit schwarzer Haut, dem eine eigene Franchise gewidmet wurde. Auch im Superheldenuniversum geht es um Diversität und Gleichberechtigung.

"Iron Man" (Robert Downey Jr.) in "Avengers: Infinity War"

"Iron Man" (Robert Downey Jr.) muss den Angriff von "Thanos" abwehren, ist aber teilweise nur bedingt abwehrbereit.

Wer Batman und Wonderwoman jetzt in dieser Reihe vermisst, zeigt nur, dass er nichts begriffen hat: Die gehören nämlich zur Gegenwelt des anderen Konzerns, der an seinem eigenen Epos schreibt. Und die X-Men? Nun ja, die sind schon Marvel-Stoff. Die Rechte sicherte sich aber schon vor langer Zeit der Fox-Konzern.

Championsleague der Blockbuster-Produzenten

Es treten in diesen inzwischen nicht mehr alljährlichen, sondern monatlichen Comic-Superhelden-Blockbusterspektakel eben auch Medienkonzerne mit ihren Investoren und Controllern gegeneinander an, wie in der Championsleague Real Madrid gegen Bayern München und den FC Barcelona.

Das Finale im Kampf um die "Infinity"-Steine. Szene aus "Avengers: Infinity War".

Das Finale im Kampf um die "Infinity"-Steine. Szene aus "Avengers: Infinity War".

Oder - wir sind ja beim Kulturradio - Suhrkamp gegen den Hanser und den Fischer-Verlag.

Im Netz kursieren Tutorials für die Handlung

"Infinity War" heißt jetzt der neue "Avengers"-Film, und es ist einer der schwächsten seiner Art geworden. Man muss dafür gar kein Kulturpessimist sein und über Superheldenfilme per se die Nase rümpfen: Auch Fans werden mit diesem Ergebnis der Regiebemühungen des Brüderpaares Anthony und Joe Russo kaum zufrieden sein.

Maschinenmann aus dem Kinofilm "Avengers: Infinity War"

Charakteristisch auch für "Avengers": die Maschinen-Ästhetik.

Das liegt nicht allein an der unübersichtlichen Handlung, für die im Internet schon Tutorials angeboten werden. Für deren Verständnis empfiehlt es sich unbedingt, die Vorgängerfilme zu pauken, inklusive der "Guardians of the Galaxy". Nur so versteht man, warum der Schurke Thanos sechs Edelsteine sammeln will, die ihm die Weltherrschaft sichern.

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