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Diskussion beim Fernsehfilmfestival Baden-Baden Denk ich an den Fernsehfilm in der Nacht…

Kulturthema am 27.11.2015 von Karsten Umlauf

Fernsehserien sind in aller Munde, aber was wird aus dem guten alten Fernsehfilm? Drehbuchautoren und Regisseure klagen schon seit langem, dass ihnen gerade bei den öffentlich- rechtlichen Sendern oftmals zu wenige Mittel und Möglichkeiten zur Verfügung stünden. Beim Fernsehfilmfestival in Baden-Baden trifft sich die Branche, um immer mal wieder auch über dieses Thema zu sprechen. Für gestern Abend hatte das Festival vier Träger des renommierten Hans Abich Preises für besondere Verdienste für den Fernsehfilm eingeladen, um darüber zu diskutieren. Mit dabei unter anderem der Schauspieler Matthias Brandt oder der Produzent und UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann.

Dämmerschoppen in Baden-Baden. Am Abend bei einem Glas Wein mit illustren Gästen ein bisschen Plaudern über den Fernsehfilm an und für sich. So hatte sich das Festivalgründer Hans Abich wohl mal vorgestellt. Aber wenn heute diejenigen, die im Fernsehen was zu sagen oder zumindest etwas zu erzählen haben, zusammenkommen, um über ihre eigentliche Paradedisziplin, den Fernsehfilm, zu diskutieren, dann wird es schnell bierernst, und der Dämmerschoppen wird zur Dämmerstunde, in der man gerne mal in einen Abgesang einstimmt. Je nachdem, wen man fragt, bekommt man unterschiedliche Antworten. Ein der Kunst verpflichteter Schauspieler wie Matthias Brandt vermisst in Fernsehredaktionen den Mut, sich mit einem Projekt auch mal zu verrennen; Produzentin und Drehbuchautorin Gabriela Sperl stellt dagegen die Systemfrage: Viele würden ja gerne, wenn sie denn könnten.

Die vermeintlich sichere Nummer verspricht sichere Langeweile, aber eben auch kalkulierbare Kosten. Diese Art von Diskussion begleitet den Fernsehfilm schon lange. Dass es immer noch eine ganze Reihe von hervorragenden Produktionen gibt, sieht man nicht zuletzt jedes Jahr beim Festival in Baden-Baden. Möglicherweise ist aber jetzt tatsächlich das Ende der Fahnenstange und der Selbstausbeutung von Autoren, Regisseuren und Schauspielern erreicht.

Bettina Reitz, die langjährige Fernsehspiel-Chefin beim Bayerischen Rundfunk und jetzige Präsidentin der Münchener Filmhochschule, sieht das Problem zudem woanders: Vor allem für viele junge Menschen sei der klassische öffentlich-rechtliche Fernsehabend und mit ihm der Fernsehfilm mit seinen achtundachtzigeinhalb Minuten nicht mehr relevant. An dessen Stelle seien internationale Serien getreten, die starke Themen und starke Charaktere versprächen, mit denen man sich identifizieren könne.

Serien, Mehrteiler, klassische Fernsehfilme, all das hat UFA-Geschäftsführer Nico Hofmann schon selbst produziert. Der allgemeinen Skepsis will er sich nicht anschließen. Das Interesse an guten Geschichten sei ungebrochen, und auch bei den kreativen Talenten sieht er in Deutschland noch viel Potential. Das veränderte Nutzerverhalten mit Onlinemediatheken und Streamingangeboten könne aber dazu führen, das Mittelmaß herauszufiltern.

So erscheint der Fernsehfilm paradoxerweise als Auslauf- und Zukunftsmodell zugleich. Für die meisten Macher wird es sicher nicht einfacher werden, Gelder für ihre Projekte zu organisieren. Die Öffentlich-Rechtlichen werden wohl zunehmend mit Internetanbietern und Privatsendern um gute Geschichten konkurrieren müssen. Ob das Ergebnis dann irgendwann immer noch Fernsehfilm heißt und was das tatsächlich für die künstlerische Freiheit bedeutet, das birgt wohl noch Stoff für einige Diskussionsrunden in Baden-Baden

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