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Nach Protesten im Vorfeld kann sich jede*r selbst ein Bild machen: „Ganz nebenbei“, die jetzt erschienene Autobiographie des Regisseurs Woody Allen, ist eine spannende, facettenreiche und sehr unterhaltsame Reise durch über 70 Jahre Filmgeschichte, durch das linksliberale Amerika und die jüdisch-amerikanische Kultur.

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„Netter Versuch, nicht für die Prime Time“

Woody Allen hat ein Buch geschrieben, von selbstironischen Bemerkungen und pessimistischer Eleganz durchtränkt ist. Er träumt von Bergman-Filmen, stellt dann aber fest:

„Ich selbst dilettierte stattdessen mit „Der Schläfer“ und „Der Stadtneurotiker“. Vielleicht ganz amüsant, aber eigentlich will ich woandershin. „Innenleben“. Okay, netter Versuch. Aber eben auch nichts für die Prime Time“.

„Krawattenträger ohne Ahnung und Gespür“

Der Regisseur redet offen über seine Schwierigkeiten, als ihm in den sich wandelnden Film-Verhältnissen die Geldgeber ausgehen. Er formuliert Urteile über die Verantwortlichen in den Film-Studios, die auch jede*r Filmschaffende in Deutschland sofort unterschreiben würde:

„Diese Krawattenträger, sie haben weder Ahnung noch Gespür. Sie verstümmeln und vernichten die unfertige Arbeit, versuchen sie mit allen Mitteln auf den Publikumsgeschmack zu trimmen, und am Ende kommt etwas raus, das zehnmal schlechter ist, als wenn sie den Künstler in Ruhe gelassen hätten.“

Kurzweilige Reise durch 70 Jahre Filmgeschichte

„Ganz nebenbei“, so der deutsche Titel von Woody Allens Autobiographie, ist ein bisschen holprig und stellenweise schwach übersetzt. Inhaltlich aber eine über weite Strecken spannende, facettenreiche und, nicht zuletzt durch viel Klatsch mit einer Menge Smalltalk und Namedropping, sehr kurzweilige Reise durch über 70 Jahre Filmgeschichte, durch das linksliberale Amerika und die jüdisch-amerikanische Kultur.

Der Regisseur Woody Allen im fortgeschrittenen Alter (Foto: picture-alliance / Reportdienste, dpa)
Dem Ruhm und den vielen Preisen, die der heute 84-jährige in den letzten Jahrzehnten gewann, stehen nach wie vor ungeklärte Vorwürfe entgegen: Woody Allen habe seine siebenjährige Adoptivtochter missbraucht, sagen seine Ankläger*innen, darunter sein Sohn Ronan Farrow. Dieser brachte als Journalist die Weinstein-Affäre mit ans Licht. dpa

Etwas zu lässiger Umgang mit den „#MeToo“- Vorwürfen

Mit Empfindlichkeit reagiert Allen auf alle Vorwürfe, die ihm vonseiten der #MeToo-Bewegung gemacht werden. Er rechnet den Leser*innen vor, dass er in über 50 Filmen mit Hunderten von Schauspielerinnen zusammengearbeitet hat, und es auf einhundertsechs weibliche Hauptrollen und zweiundsechzig Preisnominierungen für Schauspielerinnen gebracht habe:

„Für einen Kerl, der von #MeToo-Fanatikern ordentlich sein Fett weggekriegt hat, kann sich meine Bilanz für das andere Geschlecht durchaus sehen lassen.“

Weder Tschechow noch Bergmann

Wer Allens-Filme kennt, weiß um seine Liebe zu Ingmar Bergman. Wie ein Bergman-Ehe-Melodram und Selbstzerfleischungsdrama muss ihm sein eigenes Privatleben vorkommen. Er trägt es mit kühler Fassung und gießt es nun in ein sehr unterhaltsam geschriebenes Buch. Und immer wieder spricht er selbstironisch von der eigenen „größenwahnsinnigen Demenz“. Und folgert:

„Nachdem ich bewiesen hatte, dass ich nicht Tschechow bin, schickte ich mich an zu beweisen, dass ich auch nicht Bergman war.“

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