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Lange vor den "Black Lives Matter"-Protesten drehte der Italiener Roberto Minervini diese Langzeitbeobachtung der prekären Situation von Schwarzen im Süden der USA. Die Dokumentation führt eindringlich vor Augen, wie es ist, sich im eigenen Land fremd zu fühlen. Die aktuellen Proteste gegen den Rassismus unterstreichen die Aktualität und die Brisanz dieses Films.

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Furcht und Angst in der DNA schwarzer Amerikaner

Furcht und Angst stecke in der DNA der schwarzen Amerikaner, heißt es in diesem Film. In jedem Fall ist die Furcht vor Hassverbrechen und Polizeigewalt der gemeinsame Faktor im Dasein der schwarzen Einwohner von New Orleans, die der italienische Regisseur Roberto Minervini in seinem Dokumentarfilm porträtiert.

Film „What you gonna do when the world is on fire“ von Roberto Minervini

Filmstill "What you gonna do when the world is on fire" (Foto: Pressestelle, EclairPlay / Grandfilm)
Junge Afro-Amerikaner*innen werden überproportional häufig Opfer von tödlicher Polizeigewalt. Pressestelle EclairPlay / Grandfilm Bild in Detailansicht öffnen
Besonders drastisch ist es im südlichen US-Bundesstaat Louisiana: Der Ku-Klux-Klan ist auch im 21. Jahrhundert noch aktiv und terrorisiert die schwarzen Communities. Pressestelle EclairPlay / Grandfilm Bild in Detailansicht öffnen
Als Regisseur Roberto Minervini Louisiana bereiste um dort eigentlich eine Dokumentation über die Musik der 1930er Jahre zu drehen, verwarf er angesichts der omnipräsenten Gewalt gegen Schwarze seine ursprünglichen Pläne. Pressestelle EclairPlay / Grandfilm Bild in Detailansicht öffnen
So fokussierte er sich für seine Dokumentation auf einige Protagonist*innen, die er in intensiven Schwarz-Weiß-Bildern zeigt. Pressestelle EclairPlay / Grandfilm Bild in Detailansicht öffnen
So zeigt er auch den 14-jährigen Ronaldo, der seinen jüngeren Bruder Titus auf das Leben vorbereitet – inklusive Boxunterricht und Lektionen darüber, was es bedeutet, Schwarz zu sein. Pressestelle EclairPlay / Grandfilm Bild in Detailansicht öffnen

Fremd im eigene Land

Der Film führt eindringlich vor Augen, wie es ist, sich im eigenen Land fremd zu fühlen. In der Polizei nicht Freund und Helfer sehen zu können, sondern Feind und Helfer der Rassisten, oder schlimmer: Folterknecht und Lynch-Mörder.

Der außergewöhnliche Dokumentarfilm "What You Gonna Do When The World's on Fire?" ist eine intensive, aufmerksame filmische Meditation, die das prekäre Leben einer Reihe schwarzer Männer und Frauen im amerikanischen Süden in den Blick nimmt.

Rassismus erzählt anhand von vier Schicksalen

Eine der hier Portraitierten ist Judy: Sie ist 50, eine Bar-Besitzerin mit Drogenvergangenheit. Sie kann sich gut artikulieren, ihre Wut präzis in Worte und Gefühle kleiden.

Das krasse Gegenteil von ihr sind die beiden Brüder Ronaldo und Titus. Sie sind 14 und 9, und ihre alleinerziehende Mutter kümmert sich sehr rührend, aber auch sehr behütend über sie. Ganz beiläufig erfahren wir über diese überprotektive Art eine Menge über das Alltagsleben schwarzer Amerikaner: Nicht nur die üblichen Gefahren durch Fremde, durch rasende Autos, durch Drogen und Kriminalität, sondern eben auch durch Polizeibrutalität.

Arme und verfolgte Menschen fotografiert wie Stars

Ein wunderbarer Film mit Bildern, die eine ganz eigentümliche Poesie entfalten, obwohl sie sehr realistisch sind und an klassische moderne Fotografie der 30er Jahre erinnern. Die herrlichen Aufnahmen mit überwältigenden Kontrasten und Licht, realisiert von Kameramann Diego Romero Suarez-Llanos, sind unglaublich schön und machen die größte Stärke der zwei Stunden des Dokumentarfilms aus.

Darf man arme und verfolgte Menschen nicht fotografieren wie Stars? Muss man von bösen Dingen auch auf hässliche Weise erzählen? Diese Frage geht über den Einzelfall hinaus, sie rührt an ein Prinzip der Kino-Ästhetik.

Kino-Doku im Stil des Film-Noir

Minervinis Antwort ist klar: Er erzählt ruhig, beobachtend, in eindeutiger Monochromie - an Jazz-Musik und die Werke des Film-Noir kann man hier denken. Damit kühlt der Regisseur seinen Film auch runter, betrachtet nüchtern, ungeschminkt, aber eben auch nicht agitatorisch.

Sein Film dokumentiert, er ist kein Pamphlet, das uns zu Revolutionären machen will. Ein Manifest aber ist dieser Film sehr wohl. Er ist kein Themenfilm. Obwohl er natürlich ein Thema hat.

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