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Rechtsextreme und islamistische Anschläge haben das Zusammenleben in Europa erschüttert. Die dänische Serie „Wenn die Stille einkehrt“ erzählt von einem fiktiven Anschlag auf ein Restaurant in Kopenhagen. Sie verknüpft die Geschichten von acht Menschen, die zu dem Zeitpunkt scheinbar zufällig anwesend sind. Mit typisch skandinavischer Zurückhaltung, fesselnd und bedrückend.

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Langsamer Countdown

Ein voll besetztes Restaurant in Kopenhagen, gemütliches Licht, Menschen aus allen möglichen Altersgruppen sitzen da und unterhalten sich. An einem Tisch sitzt ein Kind und isst Kuchen. Plötzlich betreten zwei vermummte Gestalten den Raum und schießen sofort. „Wenn die Stille einkehrt“ ähnelt danach einer Art langsamen Countdown. Rückblende, neun Tage zuvor.

Die Serie erzählt die Geschichten, der Menschen, die sich genau an dem Tag an diesem Ort befinden.

Filmstill (Foto: Arte TV)
Die Kopenhagener Innenstadt an einem Freitagabend: Zwei Maskierte betreten ein Restaurant, ziehen ihre Waffen und eröffnen das Feuer. Und von einem Augenblick auf den anderen ist nichts mehr, wie es war. Wie leben Menschen weiter nach einer so schrecklichen Zäsur? Wie verändert sie das Erlebte, wie gehen sie mit Verlust, Wut und Schmerz um? Arte TV Bild in Detailansicht öffnen
Neun Tage vor einem tragischen Attentat in einem Kopenhagener Restaurant gehen acht Menschen ihrem gewohnten Alltag nach, ohne zu ahnen, dass ihr Leben in wenigen Tagen auf den Kopf gestellt werden wird. Koch Nikolaj ( Peter Christoffersen) lässt seinen Chef auflaufen, um an sein Restaurant zu kommen und so seine eigene Karriere anzutreiben. Arte TV Bild in Detailansicht öffnen
Jamal (Arian Kashef), einer der Hauptverdächtigen, flieht Hals über Kopf von zuhause und bittet Alban (Besir Zeciri) um Hilfe, obwohl der selbst keine saubere Weste zu haben scheint. Arte TV Bild in Detailansicht öffnen
Lisa (Karen-Lise Mynster) hat ihren Mann Philip auf der Arbeit überrascht und ihn zum Abendessen ausgeführt, um ihm von ihrer Schwangerschaft zu erzählen. Philip macht sich bei der Schießerei in Panik aus dem Staub und lässt Lisa alleine zurück. Arte TV Bild in Detailansicht öffnen
Der dänische Verfassungsschutz möchte öffentlich nach den Besitzern der Munition und den Automatikwaffen fahnden, doch Justizministerin Elisabeth Hoffmann (Karen-Lise Mynster, re) möchte die Presse aus eigennützigen Gründen nicht über den Fund informieren. Arte TV Bild in Detailansicht öffnen

Was bleibt ist die Stille

Es ist stark, wie es die Serie schafft, die Terrorgefahr nicht einfach auf eine verfehlte Integrationspolitik runterzubrechen. Sondern die Frage an den Umgang miteinander, die Verantwortung füreinander zu knüpfen: Eltern mit Kindern und umgekehrt, Paare, Alte, Ausgegrenzte. Nach den Schüssen ist es erst einmal gespenstisch ruhig. Mindestens genauso gefährlich scheint aber die Stille zu sein, die einkehrt, wenn man nicht mehr miteinander redet.

„Wenn die Stille einkehrt“ von Iram Haqin in der Arte Mediathek und ab 29.7. auf Arte

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