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Detlev Buck bringt „Felix Krull“ ins Kino: Vor allem opulentes Ausstattungskino

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Es sei ein großes Thema unserer Zeit, dass Felix Krull etwas darstelle, das er nicht ist. Mit diesem Claim kommt „Die Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull“ mit Jannis Niewöhner in der Verfilmung von Detlev Buck ins Kino. Die Geschichte basiert auf dem gleichnamigen Roman von Thomas Mann aus dem Jahre 1954.

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Phantasievolle Lügengebilde im Paris der Jahrhundertwende

Die Story spielt in Paris zur Jahrhundertwende. Protagonist Felix Krull steigt auf: Vom Liftboy im Pariser Luxushotel, da selbst auch Liebhaber weiblicher Gäste, zum Oberkellner, der sich in die Hure Zaza verliebt, in die sich wiederum der Marquis verliebt. Dreiergespann, gespielt von: Jannis Niewöhner, Liv Lisa Fries und David Kross.

Der Marquis vereinbart mit Felix Krull einen Identitätstausch. Der geht als Adliger auf Weltreise und wird sich darin als Meister der Verstellung und Architekt komplexer wie phantasievoller Lügengebilde erweisen.

Der Film bringt keine Idee zum Ausdruck

Soweit die Thomas-Mann, ergo die Detlev-Buck-Geschichte. In Jean-Luc Godards Film „Die Verachtung“ philosophiert der alte Regisseur Fritz Lang bei der Verfilmung der „Odyssee“ über das Filmemachen: „Jeder Film muss eine Idee klar zum Ausdruck bringen, Jerry. Hier geht es um den Kampf des Individuums gegen das Schicksal.“

Das mit dem Kampf gegen das Schicksal, das könnte man auch diesem Felix Krull bei Buck zugestehen. Aber nur, weil eine Filmfigur gegen das Gefangensein in gesellschaftlichen Zwängen mit Lüge, Betrug, Cleverness und Chuzpe kämpft, bedeutet das nicht automatisch, dass dieser Film eine Idee zum Ausdruck bringt.

Produzent Markus Zimmer konstatiert, dass es ein „großes Thema unserer Zeit“ sei, dass „Felix etwas darstelle, was er nicht ist“. Instagram, Facebook, Soziale Medien. Aber diese Expertise findet im Film keine Form, da mag das Drehbuch noch so sehr mit dem Namen von Schriftsteller Daniel Kehlmann glänzen.

Ein bunter Kostümfilm, der wie eine Nacherzählung wirkt

Kurz einmal zurücktreten bitte vom Buckschen „Felix Krull“. Das Kino bietet aktuell zwei weitere Klassiker-Verfilmungen: Dominik Grafs „Fabian oder Der Gang vor die Hunde“ nach Erich Kästner sowie Pietro Marcellos Jack-London-Verfilmung „Martin Eden“.

Graf wie Marcello beweisen in eindrucksvoll große Eigenständigkeit gegenüber der literarischen Vorlage. Dominik Graf zeichnet in „Fabian“ das Bild einer Weimarer Republik in Auflösung, erzählt damit Kästners Geschichte und löst sich gleichzeitig von ihm und bindet den Stoff an die Jetztzeit an.

Für das Künstlerporträt „Martin Eden“ gilt gleiches. Bei Detlev Buck und seinem „Felix Krull“-Film ist man hingegen erschlagen von Glätte der Bilder in dieser Ausstattungsorgie. Ein bunter Kostümfilm, der wie eine Thomas-Mann-Nacherzählung wirkt.

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10.12.1929 Nobelpreis für Thomas Mann – Flüsterreportage aus Stockholm

10.12.1929 | Der Schriftsteller Thomas Mann bekommt am 10. Dezember 1929 in Stockholm den Literaturnobelpreis. Reporter Alfred Braun berichtet darüber aus Schweden in seiner berühmten Flüsterreportage, in der er ganz nah beim König steht. Später beschreibt er wie es dazu kam: Der König habe kein Mikrofon vor sich haben wollen. Braun fand einen Platz „hinter einem Teppich“. Diese aus der Not geborene „Flüsterreportage“ nutze Braun später auch bei anderen Reportagen aus den Räumen ranghoher Politiker.  mehr...

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