Film Verzweiflung und Vertuschung – Film über U-Boot-Katastrophe der „Kursk“

Von Julia Haungs

Im Jahr 2000 hielt die Katastrophe um das gesunkene russische Atom-U-Boot „Kursk“ die Welt in Atem. Obwohl es dem Militär nicht gelang, die 23 Überlebenden an Bord zu retten, schlug es internationale Hilfeangebote zu lange aus und vertuschte das Ausmaß des Unglücks. Der dänische Dogma-Veteran Thomas Vinterberg widmet seinen Film „Kursk“ den 71 Kindern, die durch die Tragödie ihre Väter verloren haben.

Dauer
Sendedatum
Sendezeit
6:00 Uhr
Sender
SWR2

Das Atom-U-Boot „Kursk“ ist um die Jahrtausendwende der Stolz der russischen Marine – eine massive Unterwasser-Festung: 154 Meter lang, 14.000 Tonnen schwer, bestückt mit 22 Flügelraketen. Doch das Prunkstück kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass es der Marine seit Jahren an Geld fehlt.

Bilder „Kursk“ von Thomas Vinterberg – eindringliches Seenotdrama

Am 10. August 2000 läuft das russische U-Boot Kursk zu einem Manöver in der Barentsee aus. (Foto: Wild Bunch Germany -)
Am 10. August 2000 läuft das russische „U-Boot Kursk„ zu einem Manöver in der Barentsee aus. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
An Bord befinden sich 188 Besatzungsmitglieder der Nordflotte. Sie ahnen nicht, dass die Übung schon zwei Tage später in einer Katastrophe endet. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
Durch einen explodierenden Torpedo wird die Kursk so stark beschädigt, dass sie auf den Meeresboden sinkt. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
Kapitänleutnant Mikhail Kalekov (Matthias Schoenarts) konnte sich mit 23 Überlebenden in einen sicheren Abschnitt des Bootes retten. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
Aus Angst vor Spionage und Ansehensverlust verweigert die russische Regierung jede Form der Hilfe, die international angeboten wird. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
Selbst die Frauen der Besatzungsmitglieder werden über das Ausmaß des Unglücks im Dunkeln gelassen. Doch Tanya (Léa Seydoux), die Frau von Offizier Kalekov, gibt nicht nach. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
Auch auf das Hilfsangebot des britischen Commodore David Russel (Colin Firth) geht die russische Regierung nicht ein. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
Der Film, bei dem auch Matthias Schweighöfer ein Besatzungsmitglied spielt, basiert auf wahren Begebenheiten. Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen
„Über die Kursk-Tragödie wusste ich nur sehr oberflächlich Bescheid“, erläutert der dänische Regisseur Thomas Vinterberg. „Aber was mir von der Berichterstattung aus dem Jahr 2000 im Gedächtnis geblieben ist, ist das Klopfen. Dieses Klopfen an den Wänden der Kursk war ein Schrei nach Hilfe.“ Wild Bunch Germany - Bild in Detailansicht öffnen

Was die Soldaten zusammenhält, ist der Stolz auf ihren Beruf und die große Solidarität unter den Seeleuten. Sie begreifen sich als eine große Familie, wie der Film gleich zu Beginn bei einer emotionalen Hochzeitsszene zeigt.

Gesellschaftsforscher Vinterberg

Der dänische Regisseur und Dogma-Veteran Thomas Vinterberg beschäftigt sich in seinen Filmen oft mit der Erforschung von Gemeinschaften. Ausgerechnet im unwirtlichen Umfeld der Nordflotte findet er eine, die ausgesprochen gut funktioniert.

Dauer

Anders als in seinen Filmen „Das Fest“ oder „Die Kommune“ zerstören sich die Familien in „Kursk“ nicht von innen heraus, sondern werden von außen gesprengt. Bei einem Manöver in der Barentssee kommt es zu einer Explosion an Bord der „Kursk“. Der Großteil der Besatzung ist sofort tot.

Vertuschung statt schnelle Hilfe

23 Männer können sich jedoch in einen unzerstörten Teil des U-Boots retten. Doch auch hier steigt das Wasser, und der Sauerstoff wird knapp. Das russische Militär ist überfordert. Die von den Briten angebotene Hilfe nimmt es trotzdem zunächst nicht an. Die Demütigung erscheint zu groß.

Statt die Überlebenden schnell zu retten, reagieren die russischen Generäle mit Verschleppung, Vertuschung und Desinformation. Auch die Angehörigen lässt man lange über das Ausmaß der Katastrophe im Dunkeln.

Todesangst unter Wasser

Im Mittelpunkt des Films steht das Drama der Familien. Vinterberg schneidet hin und her zwischen der Verzweiflung der Frauen an Land und der Todesangst ihrer Männer unter Wasser. Deren abgekämpfte Gesichter werden mit jedem gescheiterten Rettungsversuch fahler.

Das alles schildert „Kursk“ eindringlich und unprätentiös. Das Drehbuch von Robert Rodat orientiert sich dabei eng an dem genau recherchierten Tatsachenbericht „A Time to die“ des Journalisten Robert Moore.

Er schildert das Drama der „Kursk“ als Folge einer großen Borniertheit, im Film perfekt verkörpert von Max von Sydow, der sich als Admiral lieber an die Illusion der eigenen Stärke klammert als Hilfe anzunehmen.

Dabei ist die eigene Ausstattung miserabel. Es fehlt an allem: vom richtigen Dichtungsring für das Rettungs-U-Boot bis hin zu Sauerstoffpatronen.

Moralischer Schiffbruch

Das Drama der „Kursk“ ist auch die Geschichte einer moralisch auf Grund gelaufenen Staatsmacht, die sich jede Kritik verbittet. Gelernt hat die russische Führung aus der Tragödie offenbar wenig.

Letzte Woche starben bei einem U-Boot-Brand 14 teils hochrangige Soldaten. Präsident Wladimir Putin weigerte sich zunächst, nähere Angaben dazu zu machen. Die Begründung: Staatsgeheimnis.

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