Film „Das schönste Paar“ – Sensibles Drama über die Folgen einer Vergewaltigung

Von Julia Haungs

Oft halten Scham und Angst die Opfer einer Vergewaltigung davon ab, die Polizei einzuschalten. So auch in Sven Thaddickens neuem Kinofilm „Das schönste Paar“. Liv, eine junge Lehrerin aus Köln, wird in ihrem Ferienhaus auf Mallorca vergewaltigt, ihr Mann Malte muss hilflos zusehen. Der gelungene, eindringliche Film untersucht, welche gravierenden Folgen Sexualverbrechen haben können.

Albtraum im Urlaub

Abhaken, vergessen, weitermachen. Das ist die Devise von Malte (Maximilian Brückner) und Liv (Luise Heyer), einem jungen Lehrerpaar in Köln. Im Mallorca-Urlaub sind sie in eine alptraumhafte Situation geraten. Drei Jungs haben das Paar beim Sex am Strand beobachtet. Abends überfallen sie die beiden in ihrem Ferienhaus. Malte muss hilflos zusehen, wie seine Frau vergewaltigt wird.

Die Macht der Erinnerung

Zwei Jahre später haben die beiden in einen Beziehungsalltag zurückgefunden. Liv hat eine Therapie gemacht. Die beiden gehen liebevoll miteinander um. Doch mit der körperlichen Nähe ist es nach wie vor schwierig. Trotzig versuchen die beiden, die Deutungshoheit über ihre Erinnerung zurückzugewinnen.

Luise Heyer und Maximilian Brückner als Lehrerehepaar in "Das schönste Paar" (Foto: Filmpresskit -)
Liv (Luise Heyer) und Malte (Maximilian Brückner) Filmpresskit -

Bewältigung als Paar

Trotz aller Härten ist „Das schönste Paar“ kein reißerischer Film. Regisseur und Drehbuchautor Sven Taddicken legt den Fokus weniger auf das Verbrechen an sich als auf die Frage, wie ein Paar nach einer solchen Erfahrung zusammen weitermachen kann.

Kinostart 2.5. Vergewaltigungsdrama „Das schönste Paar“ von Sven Taddicken

Luise Heyer und Maximilian Brückner als verliebtes Ehepaar im Film "Das schönste Paar" (Foto: Filmpresskit -)
Liv (Luise Heyer) und Malte (Maximilian Brückner) sind ein Lehrerehepaar und stehen mitten im Leben. Bei einem Urlaub auf Mallorca wollen sie sich vom Alltag erholen. Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen
Die Erholung findet jedoch ein jähes Ende, als das Paar im Ferienbungalow von drei 18-jährigen überfallen wird. Liv wird vom Anführer der Gruppe vergewaltigt, Malte muss hilflos zusehen. Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen
Tatsächlich schafft es das Paar, über die Vorkommnisse in Spanien hinwegzukommen. Langsam kommen sie sich wieder näher. Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen
Plötzlich trifft Malte jedoch unerwartet auf den Vergewaltiger von Liv. Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen
Malte lauert Livs Peiniger immer wieder auf, folgt ihm gar bis in seine Wohnung. Es kommt zur Konfrontation und schließlich muss er Liv beichten, was er entdeckt hat. Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen
Liv ist entsetzt, weil sie dachte, den Alptraum endlich hinter sich gelassen zu haben. Für das Paar beginnt eine erneute Zerreißprobe. Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen
Regisseur Sven Taddicken wollte bei "Das schönste Paar" nicht nur das Verbrechen in den Fokus stellen: "Natürlich habe ich recherchiert und Gespräche geführt, z.B. mit dem Krisen- und Beratungszentrum LARA in Berlin für sexuell belästigte und missbrauchte Frauen. Und ich wollte die Verantwortung für eine ehrliche Zeichnung von Opfern und Tätern übernehmen. Aber es sollte vor allem ein Film über die Beziehung werden, die auf die Probe gestellt wird. Nicht ausschließlich über das Verbrechen selbst." Filmpresskit - Bild in Detailansicht öffnen

Rückkehr zur Normalität möglich?

Wie verändert sich der Umgang miteinander? Ist es tatsächlich möglich, das traumatische Ereignis zu vergessen und in eine wie auch immer geartete Normalität zurückzukehren?

Rache am Täter

Als Malte den Vergewaltiger zufällig wiedertrifft, merkt er, dass er die Sache nicht auf sich beruhen lassen kann. Zu stark ist das Gefühl von Scham und Schuld, das seitdem an ihm nagt. Zu groß die Verlockung, jetzt endlich etwas gegen den Täter unternehmen zu können. Aber was? Und darf er das auch gegen den erklärten Willen von Liv? Denn die möchte nach wie vor mit der Vergangenheit abschließen.

Sven Taddicken, Regisseur von "Das schönste Paar" (Foto: Filmpresskit -)
Regisseur Sven Taddicken: "... es sollte vor allem ein Film über die Beziehung werden, die auf die Probe gestellt wird. Nicht ausschließlich über das Verbrechen selbst." Filmpresskit -

Wie stark bestimmen uns innere Zwänge?

Schon im Vorgängerfilm „Gleißendes Glück“ hat sich Taddicken damit beschäftigt, wie stark innere Zwänge unser Verhalten bestimmen. In „Das schönste Paar“ erkundet er die Untiefen der menschlichen Psyche weiter. Dabei macht er es sich nicht leicht.

Auf der Suche nach dem „richtigen“ Verhalten

Der Regisseur lässt seine Figuren hadern, zaudern, zweifeln. Maximilian Brückner spielt Malte nicht als entschlossenen Rächer, der einem genauen Plan folgt, sondern als Suchenden nach dem richtigen Verhalten. Luise Heyer als Liv will zwar vergessen, muss sich aber eingestehen, dass sie ihre Ängste und Emotionen wohl eher verdrängt als aufgearbeitet hat. Statt Vergebung spürt sie plötzlich Wut. Luise Heyer und Maximilian Brückner spielen angenehm zurückhaltend und differenziert. Ihre Verzweiflung und Sprachlosigkeit legen sie in feine Gesten und Zwischentöne.

Eindringlicher Film zum Thema Sexualverbrechen

Mit „Das schönste Paar“ ist Sven Taddicken ein eindringlicher Film gelungen, der zeigt, wie vielgestaltig die Verletzungen sind, die ein Sexualverbrechen hinterlässt. In erster Linie natürlich für das Opfer, aber auch für dessen Partner. Als sich das Paar am Ende zumindest für einen Moment wieder richtig lebendig fühlt, hat es einen hohen Preis dafür gezahlt.

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