Modernes Märchen mit großem Staraufgebot "Verborgene Schönheit" von David Frankel

Heimkino am 13.7.2017 von Mareike Gries

„All-Star-Cast“ wird ein Film-Ensemble genannt, bei dem Superstars quasi unter sich sind. Der amerikanische Film „Verborgene Schönheit“ aus dem Jahr 2016 war so ein All-Star-Cast-Film und konnte Helen Mirren, Kate Winslet, Edward Norton, Will Smith und Keira Knightley zusammenbringen. Die Creme de là Creme Hollywoods. Regie führte David Frankel, der schon mit Filmen wie „Der Teufel trägt Prada“ oder „Wie beim ersten Mal“ erfolgreich war.

Howard Inlet hat den Bogen raus. Er ist Werbemanager in New York und er weiß, was die Kunden wollen. Seine Partner nennen ihn einen Guru.

Ein verbindende Leitlinie - Liebe - Zeit - Tod

Filmszene: "In der Werbung geht es darum, herauszuheben, wie unsere Produkte und Dienstleistungen das Leben der Menschen verbessern werden. Also, wie machen wir das? Liebe, Zeit, Tod. Diese drei abstrakten Begriffe verbinden alle menschlichen Wesen auf dieser Erde. All das, was wir uns wünschen, alles, worauf wir nicht verzichten wollen und alles, was wir uns kaufen, geschieht deshalb, weil wir uns letzten Endes nach Liebe sehnen. Wir wünschten, wir hätten mehr Zeit. Und wir fürchten den Tod. Liebe, Zeit, Tod. Lasst uns damit anfangen."

Drei Jahre später ist alle Begeisterungsfähigkeit von Howard gewichen. Gesicht und Haare sind grau geworden. Seine kleine Tochter ist gestorben. Anstatt sich griffige Werbeslogans auszudenken, baut Howard nun riesige Domino-Landschaften in seinem Büro. Seine Freunde und Kollegen können nicht mehr zu ihm durchdringen. Und: Die Firma droht ohne ihren Guru, den Bach runter zu gehen. Was also tun? In ihrer Not engagieren die Freunde eine Privat-Detektivin, die herausfindet, was Howard in seinem dunklen Appartement so treibt: Er schreibt Briefe, und zwar Briefe an die Liebe, an die Zeit und an den Tod. Das bringt Kollege Whit auf eine Idee.

Filmszene: „Wir kriegen Howard nicht dazu, sich so mit der Realität zu befassen, wie wir es brauchen. Und er schreibt Briefe an abstrakte Begriffe, was völlig sinnlos ist, aber er macht es. Also, was wäre, wenn wir in seine Wirklichkeit eintauchen und diese Begriffe dazu bringen, ihm zu antworten?“ „Tut mir leid, ich kann Dir nicht folgen.“ „Was wäre, wenn Liebe, Zeit und Tod bei ihm persönlich auftauchen und auf die Briefe antworten, die er ihnen geschrieben hat?“ „Wie sollen, Liebe, Zeit und Tod denn auftauchen?“ „Wir engagieren Schauspieler.“"

Liebe - Zeit - Tod - werden zur Firmenrettung engagiert

Nach anfänglicher Skepsis sind die anderen beiden Freude überzeugt. Nicht nur, um die gemeinsame Firma zu retten, sondern vor allem, um Howard aus seiner Depression zu holen. Für die Darsteller ihrer Rollen werden sie am Off-Broadway fündig. Die Zeit wird gespielt von einem jungen Mann, die Liebe von einer jungen Frau und der Tod von einer alten Frau. Sie findet Howard auf einer Parkbank.

Filmszene: „Du hast mich einen Papiertiger genannt, in Deinem Brief an mich. Du hast mich armselig genannt. Hast Du das etwa vergessen? Es ging weiter mit ‚Mittlerem Management‘, mit einem Handel, Papiertiger. Oh Howard, ist doch noch nicht so lange her.“ „Wo haben sie den her? Wer sind Sie?“ „An wen ist dieser Brief gerichtet?“ „Ich habe ihn an den Tod geschrieben.“ „Freut mich sehr! Und Du freust Dich auch, da bin ich sicher.“ „Nein.“"

Ein modernes Märchen im vorweihnachtlichen New York

Howard ergreift die Flucht, doch dann begegnen ihm auch noch die Liebe und die Zeit. Er glaubt, seinen Verstand verloren zu haben. Aber ganz langsam fängt die ungewöhnliche Therapie doch an, Fortschritte zu zeigen. Mit dieser im wahrsten Sinne des Wortes fabelhaften Geschichte ist „Verborgene Schönheit“ nichts anderes als ein Märchen. Genauer gesagt: ein Weihnachtsmärchen, denn alles passiert im vorweihnachtlichen New York.

Noch so ein raffinierter Schachzug der Produzenten, genauso wie ihr hochkarätiges Ensemble und das nahezu perfekte Drehbuch. Darin gibt es immer mal wieder etwas zum Schmunzeln, einige Fallhöhen und Überraschungen. Zum Kinostart im Winter warf manch ein Kritiker dem Film vor, er sei mit all diesem Perfektionismus geradezu aseptisch, jede vergossene Träne sei kalkuliert. Aber ehrlicherweise muss man sagen, dass gerade in Hollywood ohnehin ungern Experimente gemacht werden und eigentlich alles kalkuliert wird.

Philosophische Momente, die zum Nachdenken anregen

Problematischer an dem Film ist seine Aussage: Auch die dunkelsten Moment im Leben haben eine verborgene Schönheit. Diese Floskel auf den Tod eines Kindes anzuwenden ist einfach schwierig. Das sieht auch Hauptfigur Howard so.

Filmszene: „Die Zeit ist mir egal! Sie ist eine Gefängnisstrafe. Ich will Dein Geschenk nicht, weil Du es ihr weggenommen hast.“

Eines ist sicher: Kalt lässt dieser Film niemanden, trotz oder wegen des einen oder anderen Kitsch-Moments. Das lassen schon allein Will Smith als Howard und Helen Mirren als Todes-Schauspielerin nicht zu. Außerdem lebt „Verborgene Schönheit“ vor allem von nahezu philosophischen Momenten, die zum Nachdenken anregen - selbst wenn man mit den Lösungen im Film nicht immer einverstanden sein mag.

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