Uli Hoeneß - Der Patriarch | ZDF-Dokudrama am 27.8. Der "Fall" Uli Hoeneß'

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Kulturthema am 27.8. von Karsten Umlauf

FC Hollywood wurde der FC Bayern gerne mal genannt, vor allem, weil Spieler mit Summen bezahlt werden, die eher an die Gagen von Filmschauspielern erinnern und das Jahresbudget mancher anderer Vereine locker überschreiten. Und weil immer wieder Einzelne über andere Kollegen oder Vorgesetzte in der Öffentlichkeit gelästert haben. Dass sich hinter den Kulissen noch ganz andere Hollywood- oder zumindest Fernsehspiel-reife Szenen abgespielt haben, weiß man seit den Ermittlungen, Verdächtigungen, Verhandlungen im "Fall Uli Hoeneß". Das ZDF-Dokudrama "Der Patriarch" rollt den Fall nun quasi von hinten auf, beginnend beim ersten Prozesstag, an dem der verantwortliche Richter gleich klarstellt, dass es mit dem berühmten Bayern-Dusel im Gerichtssaal vorbei ist.

Bild: Unter der Regie von Christian Twente spielt Thomas Thieme die Hauptrolle des Uli Hoeneß zum Zeitpunkt seiner Gerichtsverhandlung in München.

Aus den Prozessprotokollen haben Hoeneß-Biograf Juan Moreno und die Journalistin Anette Ramelsberger ein Drehbuch entwickelt, das in nachgespielten Szenen noch einmal die Details vor Augen führt: die ungeheuren Summen, die der so vorbildliche Sportmanager in seinem privaten Spekulantenleben verzockte oder die Naivität, mit der er seine Selbstanzeige voranbringen wollte, nachdem ihm Journalisten auf die Schliche gekommen waren.

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Eine Spur nachdenklicher als das Original

Thomas Thieme spielt den reuigen Steuersünder Uli Hoeneß vielleicht eine Spur nachdenklicher, als es das Original im Stande wäre. Das erahnt man aus den Interviews mit Prozessbeobachtern, Psychologen, Weggefährten. Sie machen den Hauptteil des Films aus, und versuchen, den schillernden Charakter zu ergründen, der die private und öffentliche Figur Uli Hoeneß ausmacht: sozialer Aufsteiger, sportlich hochbegabt, Weltmeister, die nach einer frühen Verletzung nicht ganz vollendete Karriere. Clever, verantwortungsbewusst für sein nahes Umfeld, aber als Alpha-Männchen mit einem nicht besonders ausgeprägten Sinn für das, was man "Allgemeinheit" nennt.

Vom Metzgerslehrling zum Top-Manager

Vom Metzgersjungen, der hinterm Tresen das Verkaufen gelernt hat, über den Sportler zum Unternehmer und zum gefürchteten "Mia San Mia"-Bayern, dem ein arrogantes Image immer noch lieber war als gar keine Publicity. Der Film greift dabei gerne auf ein paar der Original "Uli-Hoeneß-Momente" im deutschen Fernsehen zurück.

Zumindest mit sich selbst im Reinen?

"Der Patriarch" ist ein klug gemachter Film über den Aufstieg und tiefen Fall eines Menschen, der anscheinend alles erreicht hatte, der von vielen angefeindet wurde und von anderen trotz seiner Verfehlungen immer noch Bewunderung oder zumindest Respekt erntet. Und der nach öffentlicher und richterlicher Verurteilung vielleicht nicht mit der Welt, aber zumindest mit sich selbst im Reinen ist.

Uli Hoeneß - Der Patriarch | ZDF-Dokudrama am 27.8. 20.15 Uhr

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