ZDF-Comedy-Serie Die Alltagshölle der Paarbeziehung- Merz gegen Merz

Von Karsten Umlauf

Der Comedy-Autor Ralf Husmann hat mit der Figur „Stromberg“, zusammen mit dem Schauspieler Christoph Maria Herbst, deutsche Büro-Sozialdynamik auf die Spitze getrieben. Am 18.4. kommt die neueste Zusammenarbeit zwischen Husmann und Herbst ins Fernsehen: In „Merz gegen Merz“ stehen sich Christoph Maria Herbst und Annette Frier gegenüber. Ein trennungswilliges Paar kommt beruflich und emotional nicht voneinander los.

Komödie über Entfremdung eines Paares

Eine Komödie über die Entfremdung zweier Menschen, kann das gut gehen? Natürlich, denn der Zoff der einen ist immer auch ein Stück weit die Schadenfreude der anderen.

Paare in den Endvierzigern, die sich gegenseitig nur noch annerven, gibt es ja wie Sand am Meer. Den wenigsten dürfte man mit so viel Amüsement bei der Eskalation zusehen wie Merz gegen Merz.

xxx„50 Shades of Retourkutsche“

Die Alltagshölle der Paarbeziehung, man könnte auch sagen: „50 Shades of Retourkutsche“. Christoph Maria Herbst und Annette Frier glänzen mit genervtem Seitenblick, schwankend zwischen Melancholie und offener Verachtung.

Wortgefechte mit offenem Visier

Autor Ralf Husmann lässt seine beiden Protagonisten Erik und Anne zwar mit viel Tempo aufeinander los, meistens aber beginnend im vermittelten Gespräch, bei der Paartherapie. Der Wille zur Verständigung ist da, endet aber regelmäßig im Wortgefecht mit offenem Visier.

18.04., 22.15 Uhr, ZDF Merz gegen Merz

Anne (Anette Frier) und Erik (Christoph Maria Herbst)  in Merz gegen Merz. (Foto: zdf media -)
Anne (Anette Frier) und Erik (Christoph Maria Herbst) Merz sind schon lange verheiratet, als sie bemerken, dass die Liebe längst dem Alltag weichen musste. zdf media - Bild in Detailansicht öffnen
Sie beschließen sich zu trennen, was sich aber schwierig gestaltet. Sie wohnen im gemeinsamen Haus, haben einen Sohn, der mitten in der Pubertät steckt und arbeiten außerdem beide in der Firma von Annes Vater Ludwig. zdf media - Bild in Detailansicht öffnen
Von einer Paartherapeutin versprechen sie sich die Lösung ihrer Probleme. Sie stellen Regeln auf und starten in den neuen Alltag. zdf media - Bild in Detailansicht öffnen
Erik zieht zurück in sein Kinderzimmer bei seinen Eltern. Seine Mutter Renate (Claudia Rieschel) schafft es schon am ersten Tag, ihn auf die Palme zu bringen, in dem sie unverhofft Eriks Jugendfreundin einlädt. zdf media - Bild in Detailansicht öffnen
Anne macht sich derweil Gedanken, wie das Single-Leben eigentlich funktioniert. Wie ging das nochmal, mit dem Ausgehen und Spaß haben? zdf media - Bild in Detailansicht öffnen
In der Firma kommt es immer mehr zu Reibereien zwischen den beiden Getrennten, weil Anne nicht mehr nur "Tochter" oder "Ehefrau" sein will. Erik nimmt sie natürlich nicht ernst. zdf media - Bild in Detailansicht öffnen
Die Paartherapeutin Dr. Heller (Lena Dörrie) hat alle Hände voll zu tun, das Schlimmste zu verhindern. zdf media - Bild in Detailansicht öffnen

Schmaler Grat zwischen Tragik und Groteske

Der Grat zwischen Tragik und Groteske, zwischen beißendem Hass, triefender Ironie und versöhnlichem „Schwamm drüber“, ist schmal. Die Serie kostet die Klischees von der Frau, die nicht ausparken kann und dem Mann, der eh nur über sich selbst reden will, dankbar aus.

Ernstes Thema humorig aufbereitet

Wie Erik und Anne jeweils mit der Trennung umgehen, ob mit Prosecco, Bauchweghose oder der Flucht in die alte Bayern-München-Kinderbettwäsche, ist sehr lustig. Manchmal auch einfach nur albern.

Merz gegen Merz begeht aber nicht den Fehler, es bei humoristischem Verbal-Gekeile zu belassen. Dazu ist der ernste Kern des Themas dann offenbar doch zu wichtig.

Christoph Maria Herbst und Anette Frier als streitendes Ehepaar Merz. (Foto: zdf media -)
Erik (Christoph Maria Herbst) und Anne Merz (Anette Frier) zdf media -

Keine Zeit für Zwischentöne

Für Zwischentöne nimmt sich die Serie allerdings nicht immer ausreichend Zeit, weil sie in den 8 mal 20 Minuten so viel auf einmal erzählen will. Anne und Erik arbeiten zusammen in der Firma ihres Vaters, er zunächst ganz klassisch als ihr Vorgesetzter.

Ein Füllhorn tragikomischer Situationen

Die Frau strampelt in der Beziehungskiste und gleichzeitig um Anerkennung und Selbständigkeit. Dann will der 15jährige Sohn emotional und finanziell versorgt werden und schließlich bekommt ihr Vater noch eine Alzheimerdiagnose.

Christoph Maria Herbst als Erik Merz in Merz gegen Merz. (Foto: zdf media -)
Erik (Christoph Maria Herbst) zieht zurück ins Kinderzimmer bei seinen Eltern Renate (Carmen-Maja Antoni) und Günter Merz (Bernd Stegemann). zdf media -

Businesspaar gegen Oberprolls

Die Eltern sind grandios besetzt. Michael Wittenborn und Claudia Rieschel als klassisches Businesspaar der alten Schule auf der einen Seite und Bernd Stegemann und Carmen-Maja Antoni als Eriks Eltern auf der anderen, oberprollig, aber mit sich im Reinen.

Humor ist, wenn man trotzdem lacht

Auf die Frage, wie man zusammen in Würde altern kann, haben auch sie keine ernst zu nehmende Antwort. Für eine Komödie geradezu ideal. Denn Humor ist ja bekanntlich, wenn man trotzdem lacht.

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